Briefe

Linkes Café erhält erneut Drohschreiben

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Ein Linkes Wiesbadener Café und ein kulturpolitisches Zentrum haben erneut ein Drohschreiben erhalten. Es kündigt Anschläge gegen eine Vielzahl zivilgesellschaftlicher Organisationen an.

Derselbe Sprachduktus, dieselben Adressaten, aber noch brutaler: Das linke Wiesbadener Café Klatsch und ein weiteres kulturpolitisches Zentrum haben Ende August zum zweiten Mal ein Drohschreiben erhalten, das die gesamte Zivilgesellschaft ins Visier nimmt.

Wer Migranten helfe, sich für Flüchtlinge einsetze oder gegen die Klimaerwärmung kämpfe, könnte Opfer eines weiteren Anschlags werden, heißt es in dem Brief, der mit eindeutigen Formulierungen auf den ersten Brief vom Februar 2019 anspielt. „Wir drücken ab, aber ihr spannt den Hahn“, hatten der oder die Verfasser damals geschrieben.

Dieses Mal wird behauptet, der Attentäter von Hanau sei von den Verfassern gesteuert worden. Was verwundert: Der Hanauer Attentäter wird beschrieben, als sei er den Verfassern bekannt gewesen.

Am Donnerstag sind Mitglieder des Bündnisses Wiesbaden gegen Rechts mit dem Brief an die Öffentlichkeit gegangen. „Im Fokus des Angriffs steht nicht nur die linke Szene, sondern die Breite der Gesellschaft“, erklärt Michael Wilk vom Bündnis. Die evangelische Kirche, die ein Schiff zur Flüchtlingsrettung gekauft hat, die Fridays-for-Future- und die Black-lives-matter - Bewegung werden ausdrücklich als mögliche Ziele genannt. Im Oktober werde landesweit Sprengstoff verteilt und im November werde es losgehen, heißt es in dem Brief.

Nicht einschüchtern lassen

Diese Bedrohung müsse daher auch von der Breite der Gesellschaft beantwortet werden, so Wilk. „Sie darf sich nicht einschüchtern lassen und muss weiter für Geflüchtete eintreten.“ Doch wolle er den Brief nicht überbewerten. Joachim Tobschall, Kirchenvorstandsmitglied der Wiesbadener Lutherkirche und SPD-Mitglied, versichert, dass die Kirche ihr Engagement nicht einschränken werde. „Ich möchte der jungen Generation zurufen: Seid wachsam. 70 Jahre Frieden sind nicht selbstverständlich“, sagt er. Vertreter des Café Klatsch bitten um Solidarität mit ihrem Kollektiv und dessen politische Aktionen; Gäste sollten keine Angst haben und weiterhin das Café aufsuchen.

Wie 2019 haben die Empfänger auch jetzt das Drohschreiben der Polizei übergeben. Anders als damals habe sich das Landeskriminalamt aber sogleich gemeldet. „Wir wurden angerufen und befragt“, berichtet Nele Kleinhanding vom Bündnis.

Elisabeth Kula, Linken-Abgeordnete im Hessischen Landtag, sieht in dem Drohschreiben nur die Spitze des Eisbergs. Sie teilt mit, wer rechte Kräfte zurückdrängen wolle, müsse gegen die Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas kämpfen.

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