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Anruf genügt: Uta Müller vom „Haselnuss“-Hofladen packt das Gemüse ein und der Kurier liefert.
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Anruf genügt: Uta Müller vom „Haselnuss“-Hofladen packt das Gemüse ein und der Kurier liefert.

Wiesbaden

Liefern lassen statt selbst einkaufen

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Mit jeder Corona-Verschärfung wächst die Kundschaft der Serviceplattform Emilie. Sie steht für eine emissionsfreie Lieferlogistik in Wiesbaden.

Als neulich eine Familie in Quarantäne gehen musste, reichte ein Anruf im Dorfladen „Haselnuss“, um sich mit allen gewünschten Lebensmitteln einzudecken. Der Dorfladen im Wiesbadener Westend ist eines der 44 Geschäfte, die Teil von Emilie sind. Der Name des Angebots steht für emissionsfreie Lieferlogistik für Wiesbaden und ist eine digitale Plattform, die Händler:innen einen direkten Kontakt zu den Lieferdiensten herstellt. Die Familie erhielt ihre Produkte, ohne vor die Tür zu müssen.

„Wir stellen die Waren ab, klingeln und gehen dann ein paar Schritte zurück“, erzählt Phaedon Pavlidis, Leiter der Kiezkuriere, einer der beiden Kurierdienste für Emilie, die die Waren per Lastenfahrrad zur Kundschaft bringen. Nach jeder Verschärfung der Corona-Regeln steige die Nachfrage, sagt Pavlidis. Die Leute wollten ihren Lieblingsladen unterstützen oder schätzten einfach den Service.

„Ich bin froh, dass es Emilie gibt“, berichtet Uta Müller, Inhaberin der „Haselnuss“. Etwa 20 Kundinnen und Kunden bestellten regelmäßig den Dienst. Schon vor der Corona-Pandemie kauften einige Kunden über eine ähnliche Plattform, die Vorgängerversion „Kiezkaufhaus“, mit Lieferservice bei ihr ein.

Der Service

Für Bestellungen bei dem Wiesbadener Lieferdienst Emilie ist keine Registrierung erforderlich. Der Service bietet seine Dienste für den Tag der Bestellung an. Festangestellte Kurierfahrer liefern laut Emilie direkt an die Haustür.

Kundinnen und Kunden können ihre Wünsche bei ihrem Händler telefonisch oder auf dessen Website angeben. Die Abrechnung läuft über den Händler. Die Liste der Geschäfte steht auf der Homepage von Emilie.

Im Citybereich kostet die Lieferung per Lastenrad zum Beispiel ab 6 Euro. Die Landeshauptstadt Wiesbaden bezuschusst die ersten 1000 Lieferungen mit je 5 Euro. emilie-liefert.de (fr/mre)

„Nach jedem Lockdown gibt es eine Steigerung“, bemerkt auch Müller. Auch Martin Schmidt, dem der Wein- und Feinkostladen „Vinicus“ im Westend gehört, ist zufrieden. Seine Kundschaft habe Emilie gut angenommen.

Ziel der Einkaufsplattform ist aber, über die Pandemie hinaus zu bestehen. Die Stadt fördert das Projekt, weil es den Einzelhandel in der Innenstadt unterstützen und einen Beitrag zur Schadstoffreduktion in der Luft liefern will. „Ein tragfähiges Geschäftsmodell ist das noch nicht“, so eine Sprecherin auf Anfrage. Für einige Bereiche wie für Apotheken funktioniere Emilie gut. Aber nicht jeder Kunde sei bereit, sechs Euro für den Lieferservice zu zahlen. „Solange die ‚Großen‘ für Belieferungen bis zur Haustür teilweise keinen Preis verlangen, ist es für Emilie schwierig, in Konkurrenz zu treten“, so der Sprecher. Denn bei Betrieb und Wartung der Plattform entstünden Kosten. Das Tiefbauamt hat die Kosten für Entwicklung und Betrieb für die ersten drei Monate getragen. Und die Stadt bezuschusst die Lieferkosten. Etwa 600 Kunden nutzten derzeit den Dienst.

Alles digital: die Lieferlogistik von Emilie.

Ob die Lieferplattform die Pandemie überstehen wird, ist offen. So beklagt Heidi Stockhausen von „Tillys Café Walz“, dass ihre Kund:innen das Angebot trotz Werbung noch nicht angenommen hätten. Auch das Porzellanhaus Wartner-Lehr und der Lifestyleladen „Schönschräg“ haben noch nichts mit Emilie verkauft und die Buchhandlung „Zweitbuch“ verzeichnet „nur sehr wenige Aufträge“.

Viele wüssten nicht, dass geliefert werden könne. „Es muss mehr Werbung gemacht werden“, meint Pavlidis. Für Produkte, die nicht zum täglichen Bedarf gehörten, brauche es einen längeren Atem, bis sich der Service durchsetze.

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