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Wiesbaden: Lärmschutz für Tourismusgebiete

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Von: Madeleine Reckmann

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Güterzüge fahren im Drei- bis Fünf-Minuten-Takt durch St. Goarshausen im Rheintal.
Güterzüge fahren im Drei- bis Fünf-Minuten-Takt durch St. Goarshausen im Rheintal. © epd-bild/Lothar Stein

Bürgerinitiativen aus dem Mittelrheintal und Österreich fordern, dass die Bahn leiser wird

Die Tourismusgebiete im Mittelrheintal und am Wörthersee in Österreich haben nicht nur beide traumhafte Landschaften. Sie leiden auch beide unter Eisenbahnlärm, der die Menschen stark belastet – und auch dem Tourismus schadet. Durch das Rheintal führt die Bahnverbindung Rotterdam–Genua, der Wörthersee liegt an der Südbahnstrecke Wien–Triest.

Bürgerinitiativen beider Gebiete haben sich jetzt zu gemeinsamen Forderungen an ihre jeweiligen Regierungen und die Europäische Union zusammengeschlossen. Sie verlangen europäische Bahnlärmschutzzonen für die Touristengebiete, ein generelles Tempolimit von 50 Kilometern pro Stunde innerhalb von Ortschaften und ein Nachtfahrverbot für überlaute Güterzüge, also für solche mit technischen Mängeln. „Die Touristen erleben den Bahnlärm als bedrohlich und auf die Investoren wirkt der Lärm abschreckend“, sagt Andreas Stüber, Hotelier aus Bacharach. Der Krach mache nicht nur Anwohner:innen krank, er führe auch dazu, dass Hotels verfielen. Deshalb glaube er auch nicht, dass die Bundesgartenschau (Buga) wie angekündigt tatsächlich 2029 im Welterbe Mittelrheintal stattfinden wird. „Das Tal ist nicht bugafähig, wenn sich nichts tut“, sagt er.

Die Initiatoren

Die Bahn-Lärmschutzzone für Europa ist eine gemeinsame Initiative von „Pro Rheintal“ (Mittelrheintal, Rheingau), „Stopp Bahnlärm Klagenfurt“, „Stopp den Bahnlärm, schützt Gesundheit und Umwelt Pörtschach“, „Stopp Bahnlärm Krumpendorf“ mit Unterstützung des Aktionsbündnisses Verkehrslärm.

Die Initiativen bereiten sich darauf vor, ihre Forderungen gerichtlich durchzusetzen. mre

Die Initiativen untermauern ihre Forderungen mit einer Umfrage im oberen Mittelrheintal und im Rheingau, wie sich Bahnlärm auf das Befinden auswirkt. Die Schilderungen der 2000 Teilnehmenden sind in dem „Bürger:innen Buch Bahnlärm“ zusammengefasst. „Medizinische Studien an den Bahnlinien sind verhindert worden und so gibt es keinen wirksamen Lärmschutz“, stellt Frank Gross, Vorsitzender der BI Pro Rheintal Bürgernetzwerk, fest. Das Versprechen der Politiker:innen, leisere Technik einzuführen, sei nicht gehalten worden. Daher sollten die Betroffenen jetzt zu Wort kommen. Demnach empfinden 98 Prozent der Befragten Güterzüge als zu laut. Ein Viertel sagte dies über Lastwagen. Insbesondere das Rattern, Quietschen, Dröhnen und Vibrieren sei unangenehm. Fast 90 Prozent berichten von Schlafstörungen, fast die Hälfte von hohem Blutdruck, ein Drittel von Kopfschmerzen.

Thomas Münzel, Kardiologe an der Universitätsmedizin Mainz, verweist darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation bereits Lärm von 55 Dezibel als gesundheitsschädigend einstufe. Schlafstörungen, Bluthochdruck und andere Symptome seien die Folge, das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls steige an. Die Messstation „Schienenlärm“ Oberwesel registrierte im April 2021 jedoch nächtliche Werte zwischen 69 und 107 Dezibel. Dänische Studien zeigten, dass Lärm auch das Risiko von mentalen Erkrankungen wie Depression oder Alzheimer erhöhe, vor allem, wenn es nachts zu laut sei.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn erklärt, Bund und Bahn hätten im Mittelrheintal „umfangreich in den Lärmschutz investiert“, insbesondere in den passiven Schallschutz. Die Güterwagen der Deutschen Bahn seien dank Flüsterbremsen deutlich leiser unterwegs. Dem hält Gross von Pro Mittelrheintal entgegen, dass Kunststoffbremsen kaum Wirkung zeigten. Es bräuchte eine grundlegend andere Technik, um Lärm zu mindern. mit dpa

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