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Teilnehmer:innen einer Führung lassen sich von der blauen „Waldtaucherin“, einer Plastik von Brigitte Gutwerk, faszinieren.
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Teilnehmer:innen einer Führung lassen sich von der blauen „Waldtaucherin“, einer Plastik von Brigitte Gutwerk, faszinieren.

Wiesbaden

Wiesbaden: Kunst als Zugang zum Wald

  • VonMirjam Ulrich
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Auf dem Goldstein im Rambacher Wald zeigen 23 Künstler und Künstlerinnen ihre Arbeiten. dazu zählen auch Werke über den Borkenkäfer.

Neongrün leuchtet der große Kreis aus toten Ästen auf dem Waldboden. Am Rand des Kreises steht ein Baumstumpf, auch er ist mit der pflanzenfreundlichen Kreidefarbe markiert. „Green Point … how to survive“ heißt die Installation von Romana Menze-Kuhn. Sie zählt zu den 23 Künstlerinnen und Künstlern aus Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet, die bis Ende Oktober auf dem Goldstein im Rambacher Wald arbeiten und Kunstwerke vor Ort erschaffen. Die Aktion ist der Auftakt der Veranstaltungsreihe „Mensch – Natur – Kultur“ des Grünflächenamts.

Die Idee stammt von der Forstwissenschaftlerin Ute Kilian, früher Leiterin der Fasanerie, und dem Künstler Andreas Koridass. Zum einen wollen sie etwas gegen den Klimawandel, das Artensterben und die Waldvernichtung tun. Zum anderen möchten sie in der Pandemie Künstlern Raum geben, wo sie arbeiten und besucht werden können. „Kunst ist ein wunderbarer Zugang zum Wald – und umgekehrt“, sagt Ute Kilian. „Über den Wald bekommen Menschen, die sonst nicht in Museen oder Galerien gehen, einen Zugang zur Kunst.“

Das Grünflächenamt, zu dem die Fasanerie gehört, stellte ihr zufolge „schnell und unbürokratisch“ 15 000 Euro zur Verfügung. Das Kulturamt beteiligte sich mit weiteren 9000 Euro. Auch eine Waldfläche fand sich rasch, im Sommer mussten dort aufgrund der Trockenheit und des Borkenkäferbefalls absterbende Fichten gefällt werden. Die entstandenen Kunstwerke sind vielfältig: Installationen, Keramikarbeiten, Skulpturen und sogar Gemälde. Zu jeder Arbeit gibt es einen kurzen Text. Es besteht aber auch die Möglichkeit, sich die Arbeiten bei einer Führung erläutern zu lassen.

Veranstaltung

Eine Führung findet am kommenden Samstag, 23. Oktober, um 15 Uhr statt, Eintritt frei. Künstlerinnen und Künstler sind anwesend.

Der Ort liegt wenige Gehminuten vom Waldsportpfad an der Trompeterstraße in Wiesbaden-Rambach entfernt links im Wald.

Die Veranstaltungsreihe wird 2022 zum Thema „Urbanes Grün“ fortgesetzt. miu

So zerstörerisch der Fraß der Borkenkäfer ist – die Gänge, die sie in Baum und Rinde bohren, ergeben aparte Muster. Gleich mehrere Künstlerinnen richten den Blick darauf. Die Wiesbadener Künstlerin Renate Reifert zeichnete die Borkenkäfergänge mit Tätowiernadel und Tusche auf Wachs auf der Innenseite eines Stücks Borke nach. „Mir geht der Zustand des Waldes echt unter die Haut – und die Rinde ist die Haut des Baumes“, erläutert sie ihr Werk „Drunter und drüber“.

Renate Schwarz Kraft aus Mainz verwendete in ihrer Installation „Durch die verborgenen Augen der Natur“ ebenfalls Borkenstücke. Dem Borkenkäfer falle nun die Rolle des Buhmannes zu, sagt sie. Aber vielleicht müsse er Bäume kaputt machen, damit es die Menschen begreifen.

Die Wiesbadener Malerin Uta Weil lenkt hingegen die Aufmerksamkeit mit „Augen auf – die nächste Generation“ auf die nachwachsenden Bäume. Um die Sprösslinge legte sie Kreise aus neonpinkfarbener Gaze. In der gleichen Leuchtfarbe werden sonst Bäume gekennzeichnet, die zu fällen sind. „Die Jungen werden diese Welt und Wälder erben“, sagt sie über den doppeldeutigen Titel ihrer Arbeit, „deshalb gilt es, auch sie und ihre Bedürfnisse zu sehen.“

Hans-Jürgen Fulland verwandelte Wahlwerbung zu „Waldwerbung“. Wer genau hinschaut, erkennt die Slogans von sechs Parteien aus dem diesjährigen Bundestagswahlkampf. Usch Quednau wiederum legte aus stehengelassenen Baumstümpfen einen schlafenden Fuchs sowie einen wachen Hasen frei. „Wie lange werden sich Hase und Fuchs noch gute Nacht sagen?“ heißt das Skulpturenpaar. Wie die anderen Werke auch bleiben sie nach dem Ende des Projekts stehen, sagt Andreas Koridass. „Sie sollen weiterhin für die Spaziergänger wirken.“

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