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Verkehrsdezernent Andreas Kowol eröffnete Anfang Februar den Park-&-Ride-Platz „Mainzer Straße/Ost“.

Abgas-Skandal

Wie Wiesbaden um Fahrverbote herumkam

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Das Dezernat von Andreas Kowol hat mit einem 49-Punkte-Paket erreicht, dass Wiesbaden um Fahrverbote herumkommt. 

Wie gut es in Wiesbaden um den Radverkehr steht, erprobt Andreas Kowol am eigenen Leib. Soweit die Termine es zulassen, kurvt der grüne Dezernent mit dem eigenen Fahrrad oder einem städtischen Elektrorad durch die Stadt. Zu erkennen ist er an seinem knallgrünen Helm. Dass Wiesbadens Radwege vieles zu wünschen übrig lassen, ist bekannt. Kowol ist angetreten, um dies zu ändern, aber nicht nur das. Sein Ziel, die Verkehrswende einzuleiten, gewann durch die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Luftreinhaltepläne der Städte an Fahrt.

Der Erfolg, dass die Landeshauptstadt ohne Dieselfahrverbot aus der Klage der Deutschen Umwelthilfe hervorgeht, ist vor allem Kowols Erfolg. Seit dem Leipziger Verwaltungsgerichtsurteil im Februar 2018, das grundsätzlich Fahrverbote für zulässig erklärte, arbeitete sein Dezernat unter Hochdruck an einem 49-Punkte-Paket zur Luftreinhaltung. Die Vorschläge dazu stammten nicht aus Kowols Feder, sie konnten deshalb so schnell angeschoben werden, weil die Stadt bereits zuvor am Verkehrsentwicklungsplan und am Green-City-Masterplan gearbeitet hatte. 

Aber Kowol konnte sie gut vermitteln. Auch vor Gericht erläuterte er mit großer Detailkenntnis die einzelnen Vorhaben zu Tempolimits, Busspuren und der Umrüstung der Busflotte mit Spezialfiltern. Sein Dezernat muss in den vergangenen Monaten fieberhaft nach weiteren Lösungen gesucht haben. In den mündlichen Verhandlungen überraschte Kowol mit neuen Projekten, von denen zuvor noch nicht die Rede gewesen war.

Dieselfahrverbote verhindern

Der Vater zweier Kinder versicherte bei jeder Gelegenheit, dass er als Grüner entschieden Dieselfahrverbote verhindern möchte, weil sie für die Stadt große Nachteile hätten und schwierig umzusetzen seien. Inzwischen brachte Wiesbaden die Umstellung der Busflotte auf Elektromobilität voran, der Nahverkehr wurde ausgebaut, das Busspurennetz erweitert, Verkehr umgeleitet, Mobilitätsstationen am Stadtrand eröffnet und neue Radwege geplant und gebaut. Es lässt sich nicht alles aufzählen

Der 56-Jährige ist seit April 2017 für Umwelt, Grünflächen und Verkehr der hessischen Landeshauptstadt verantwortlich. Als die Grünen nach der Kommunalwahl 2016 einen Dezernenten brauchten, holten sie einen Mann ins Amt, dessen Fachkompetenz sie kannten. Kowol hatte nicht nur in seiner Zeit als Verkehrsdezernent in Hanau einige Verkehrsprojekte angestoßen. Er war von 1997 bis 2013 auch in verschiedenen Funktionen in Wiesbaden tätig, unter anderem im Büro der damaligen Umweltdezernentin Christiane Hinninger. Als Betriebswirt, der auch Chemie und Biologie studiert hatte, ist er ein Mann der Zahlen und Naturwissenschaften. Seiner Partei wird oft nachgesagt, ideologisch zu sein. Das kann man von Kowol nicht behaupten. Er argumentiert sachlich und ruhig.

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