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Ein neuer Standort ist für das Kunstwerk vereinbart worden. Doch auch da soll es nicht stehen.

Wiesbaden

Keine Skulptur am Congresscenter

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Eine Treppen-Skulptur der Künstlerin Monica Bonvicini soll nun doch nicht in Wiesbaden aufgestellt werden - aus Versicherungsgründen, wie es heißt. Der Kulturbeirat spricht von einer „Blamage“.

Zunächst hatte der frühere Museumsleiter Alexander Klar der Stadtverwaltung vorgeworfen, das Aufstellen des Kunstwerks am Rhein-Main-Congresscenter RMCC zu hintertreiben. Dann setzte sich der Kulturbeirat dafür ein, dass das Projekt nicht eingestampft werde. Jetzt zieht sich die Künstlerin Monica Bonvicini überraschend zurück und möchte nicht, dass ihre Skulptur aus Treppenstufen noch aufgestellt wird, aus versicherungsrechtlichen Gründen, wie die Stadt mitteilt. Der Platz vor dem RMCC wird wohl sobald nicht durch ein Kunstwerk geschmückt werden.

2017 hatte die international bekannte Berliner Künstlerin den Wettbewerb „Kunst am Bau“ für den Neubau des RMCC gewonnen. Ihre vier Meter hohe Skulptur aus unregelmäßigen Treppenstufen sollte dazu beitragen, dass der Platz vor dem Messebau gewinnt. Auf dem Kunstwerk sollten Kinder klettern und auf den Stufen Menschen sitzen können. Doch die Wahl der Jury schien den Verantwortlichen nicht zu behagen. Der damalige Wirtschaftsdezernent erklärte das Werk aufgrund seiner Größe für nicht genehmigungsfähig. Die Nachricht, dass die Jury sie ausgewählt habe, wurde Bonvicini damals erst gar nicht zugestellt. Und nun sind laut Stadt die Bedingungen der Versicherung der Grund für das Scheitern. Der Kulturbeirat möchte dies nicht akzeptieren. Er fordert eine weitere Prüfung.

Das sei eine „Blamage für Wiesbaden“, teilt der Beirat mit. „Nachdem es nicht das erste Mal ist, dass Kunst im öffentlichen Raum wie ein unliebsames Kind behandelt und bestenfalls zerredet wird, stehen wir als Stadt wieder einmal sehr provinziell da“, kommentiert Dorothea Angor, stellvertretende Beiratsvorsitzende des Kulturbeirats. Über die Bedeutung von Kunst am Bau für öffentlich geförderte Bauvorhaben sei im Beirat diskutiert worden. „Es geht hier nicht um Werbung für ein Bauprojekt, sondern um für die Städte hochrelevante Belebung von öffentlichen Räumen und Plätzen durch Kunst“, sagt Kulturbeiratsvorsitzender Ernst Szebedits.

Die öffentliche Diskussion über ihren Entwurf in den vergangenen Jahren habe die Planungsphase erschwert, schreibt die Stadt im Hinblick auf die Absage der Künstlerin. Bonvicini habe sich auf viele Kompromisse eingelassen und unter anderem einen neuen Standort akzeptiert. Als kürzlich der Haftpflichtversicherer der Landeshauptstadt die Versicherungsbedingungen für die Skulptur mit denen für Spielplätze gleichsetzte, sei sie zu der Überzeugung gelangt, dass sich das Vorhaben nicht umsetzen lasse.

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