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„Tales of Unity“ ist der Titel dieses Beitrags zum Graffiti-Festival „Meeting of Styles“ in Mainz-Kastel. Michael Schick
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„Tales of Unity“ ist der Titel dieses Beitrags zum Graffiti-Festival „Meeting of Styles“ in Mainz-Kastel. Michael Schick

Wiesbaden

Wiesbaden: Internationale Kunstschaffende von Streetart erzählen Geschichten

  • VonJürgen Streicher
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Beim sogenannten Meeting of Styles gestalten internationale Künstlerinnen und Künstler Unterführungen neu.

Sie erzählen „Tales of Unity“, das Motto haben sie selbst vorgegeben für das jüngste „Meeting of Styles“. Geschichten zur Einheit, zur Einheit in Vielfalt in einer Zeit der Polarisierung und Spaltung. Gemalte Geschichten in bunten Farben, gesprayte Bildgedichte, mal sanft, mal herausfordernd und deftig im Ausdruck. Gesellschaftspolitische Statements im Großformat, „Mural Art“. Auf Hauswänden, auf Pfeilern, vor allem aber großflächig in der verwinkelten Halb-Unterwelt am Brückenkopf der Theodor-Heuss-Brücke. In den Unterführungen und Treppengängen hinauf, an den Außenwänden zwischen Gleisen, eine bunte Galerie der Vielfalt. Komponiert von Kunstschaffenden aus zwölf Ländern zwischen der Ukraine und den USA.

Ein Zugang zum Brückenkopf in Kastel heißt netterweise „Am Pförtchen“. Eine kleine Gasse, schräg oben die Autobrücke zum Rheinübergang, unten S-Bahn und Güterzüge auf vier Gleisen, davor Parkplätze und ein klitzekleines verrottetes Dreiecksgrün mit Nussbaum. Im Schatten ein Symbol für Einheit, Fische umspielen einen nackten Körper, Werk eines argentinischen Streetart-Künstlers aus 2017, um die 60 Quadratmeter Hinterhauswand. Hier ist jeder Betonpfeiler besprayt, jede freie Wand, Grundstücksmauern, Stromkästen. Die S-Bahn Richtung Wiesbaden-Ost fährt langsam unter der Brücke durch, mitten durch die Galerie. Kann man gut gucken aus dem Fenster.

Kunstspaziergänge

Rund 60 Künstlerinnen und Künstler aus Frankreich, Portugal, Spanien, England, Polen, Schweiz, Italien, Ungarn, Schweden, USA, Ukraine, Russland und ganz Deutschland haben dem Unterführungskomplex am Brückenkopf Mainz-Kastel am Wochenende ein neues künstlerisches Gesicht beschert.

Die meisten Kunstwerke sind öffentlich zugänglich, geführte „Street Art Walking Tours“ werden am 10., 23. und 24. Oktober angeboten. Eine Anmeldung ist erforderlich unter www.MeetingofStyles.com oder www.Kontext-Wiesbaden.de. jüs

Auch die Frau im Wasser mit Muschel, Pfeil, Beil und Hirsch, drei Stockwerke hoch, lebt schon im vierten Jahr auf der Hauswand. Für andere ist die Zeit vorbei, an der Unterführung zur Rheinseite übermalt ein bärtiger junger Mann mit Roller am Stiel alte Kunst mit dunkelblauer Fassadenfarbe für einen neuen Untergrund. Zeit für Tapetenwechsel. Das Klackern der Kugeln in den Spraydosen ist stetige Begleitmusik im hallenden Raum und draußen neben den Schienen. Überall konzentriertes Arbeiten mit Sprayer-Masken, viele Gespräche unter den Künstlern werden in spanischer Sprache geführt, Englisch, Deutsch, Französisch, die Sprachfetzen klingen so bunt wie die Bilder daherkommen.

Es weiß nicht jeder, der hier zufällig vorbeikommt, dass Wiesbaden als Geburtsstätte des Projektes „Meeting of Styles“ gilt und in der Szene weltweit einen Namen hat. Gewachsen aus dem früheren „Wall-Street-Meeting“ am alten Schlachthof, das ein europaweites Netzwerk von Graffiti-Künstlern nach sich zog. Seit 2003 verlässt das „Meeting“ auch den Kontinent, unter anderem stehen Manila, New Jersey, Lima und Mexico City auf der diesjährigen Playlist.

Die Sprühkunst ist längst in der Legalität angekommen, auch wenn heute noch betont annonciert wird, dass nur auf legalen Flächen gesprayt wird. Kulturamt und Amt für soziale Arbeit der Landeshauptstadt unterstützen das Festival auch finanziell, der Oberbürgermeister empfängt die Künstler:innen, der Sozialdezernent kommt im Open-Air-Atelier vorbei. Und Initiator, Gründer und Veranstalter Manuel Gerullis, der auch die weltweiten Events koordiniert, ist auch vor Ort. Nur auf Werbung, Rahmenprogramm und Stände wurde in Corona-Zeiten bewusst verzichtet. Umso erfreuter sind die Schöpferinnen und Schöpfer der bunten Geschichten, wenn sich Durchreisende, Paare, Passant:innen oder Familien mit Kindern interessiert für einen kurzen Moment in den Prozess der Entstehung von „Tales of Unity“ einmischen.

Künstler bc-escobe bei der Arbeit.

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