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Wiesbaden hilft

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Von: Arne Löffel

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Ein Flüchtling betritt die Notunterkunft in der Taunushalle.
Ein Flüchtling betritt die Notunterkunft in der Taunushalle. © Michael Schick

Hilfs-Marktplatz im Netz und im Schlachthof / Stadt geht von weniger Flüchtlingen aus.

Das Lob, das die Lokalpolitik über die Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zugunsten der in Wiesbaden untergebrachten Flüchtlinge ausschüttet, könnte überschwänglicher kaum sein: „Die Wiesbadenerinnen und Wiesbadener stehen zusammen, wenn es darauf ankommt, das hat sich in den vergangenen Tagen wieder einmal ganz deutlich gezeigt“, so Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). In den Notunterkünften seien nicht nur „unglaublich viele Sachspenden vorbeigebracht“ worden, es hätten auch „außerordentlich viele ihre Mithilfe angeboten und demonstriert“.

Die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Wiesbadener wird seitens der Stadt seit einigen Wochen effektiver kanalisiert als noch zu Beginn: Eine eigene Internet-Seite nimmt die Angebote aus der Bürgerschaft auf. Seit Neuestem werden diese Angebote auch direkt mit den Hilfsgesuchen der beteiligten Vereine, Verbände, Initiativen und Institutionen zusammengebracht. Die Website funktioniert jetzt also in zwei Richtungen: Man kann Hilfe anbieten und auch als Helfer um Hilfe bitten.

Registrierung der Flüchtlinge mindert Druck

Wiesbadens Bürgermeister und Sozialdezernent, Arno Goßmann (SPD) ist überzeugt von dem Konzept. „Wir sind am 17. Juli mit der Internetseite ‚Willkommenskultur für Flüchtlinge‘ an den Start gegangen und haben – auch schon vor der aktuellen Situation – eine große Welle der Hilfsbereitschaft erfahren. Das Interesse an der Seite und der Wunsch zu helfen sind bei den Wiesbadenern so groß, dass die Sichtung aller Angebote mehr Zeit in Anspruch nimmt und länger dauert als gedacht.“

Wer das echte Leben dem anonymen Internet vorzieht, der kann seine Hilfe und die passenden Abnehmer am Samstag, 10. Oktober, von 11 bis 16 Uhr beim Willkommensfest für Flüchtlinge im Schlachthof zu Markte tragen. Hier buhlen an rund 20 Ständen mehr als 25 Helfer-Verbände um die Gunst der Ehrenamtler. Begleitet wird das von einem Brainstorming in der Kreativfabrik, wie man den Flüchtlingen in Wiesbaden noch besser helfen kann. Der Eintritt ist natürlich frei.

Insgesamt scheint sich in der Lage etwas Entspannung anzudeuten: Oberbürgermeister Gerich geht davon aus, dass der Druck auf die Stadt bei der Unterbringung der Flüchtlinge in den kommenden Wochen abnehmen wird. Grund hierfür sei, dass die rund 700 bisher in den Notunterkünften untergebrachten Flüchtlinge vom Land registriert und medizinisch untersucht wurden.

Für Wiesbaden bedeute das, dass die Flüchtlinge mit offiziell als asylsuchend gelten, legal in Deutschland sind. „Sie haben nun einen Ausweis erhalten, mit dem sie sich frei in Wiesbaden bewegen können. Das Stadtgebiet dürfen sie aber nicht auf eigene Faust verlassen, bis sie in eine Erstaufnahmeeinrichtung gebracht werden, erklärt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung.

„Da wir in den Notunterkünften insgesamt maximal 1000 Betten vorhalten müssen und davon aktuell rund 700 dauerhaft durch registrierte Flüchtlinge belegt sind, können uns vom Land dafür auch nur so lange Flüchtlinge zugeteilt werden, bis alle rund 300 freien Betten belegt sind. Wir rechnen damit, dass die Zahl der Zuweisungen für die Notunterkünfte in Wiesbaden perspektivisch sinken wird“, erklärt Gerich. „Dadurch wird auch die Fluktuation in den Notunterkünften in Wiesbaden deutlich sinken.“

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