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Tierversuche nehmen zu: Mit Abstand am häufigsten traf es Mäuse.

Tierschutz

Zahl der Tierversuche in Südhessen kräftig angestiegen

Mäuse führen die Statistik an - In Südhessen nehmen Tierversuche zu, obwohl sich die Landesregierung für alternative Verfahren stark macht.

Wiesbaden - Mit Abstand am häufigsten traf es Mäuse. Gefolgt von der Karpfenart Zebrabärbling und Ratten. Auch 2814 Meerschweinchen wurden vergangenes Jahr in Südhessen neu in Tierversuchen eingesetzt oder zu anderen wissenschaftlichen Zwecken. In toto genehmigte das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt (RP) 196 363 Wirbeltiere.

Gegenüber dem Vorjahr war dies eine Steigerung um 33 683. Doch es gab Jahre, in denen es mehr waren, etwa 2016. Angesichts der Schwankungen der Gesamt-Versuchstierzahlen sei derzeit keine klare Tendenz festzustellen, bilanziert die Genehmigungsbehörde. 

Tierversuche: Mäuse seit 2018 erfasst

Der Anstieg erkläre sich insbesondere damit, dass seit vergangenem Jahr auch Mäuse erfasst werden, bei denen ausschließlich Gewebe entnommen wird, um die Erbinformation zu untersuchen. Dadurch stieg deren Zahl gegenüber dem Vorjahr um 30 000 auf 138 242 Exemplare.

Bezüglich des Schweregrads der Belastung der Versuchstiere bilanziert das RP: bei 58,8 Prozent sei er überwiegend als gering einzustufen, bei 15,5 Prozent mittel und bei 4,7 Prozent schwer. Letzteres betraf den Angaben zufolge bis auf Einzelfälle Labornager und Fische, die vor allem gesetzlich geforderten Tierversuche dienten – etwa um die Sicherheit von Arzneimitteln oder Chemikalien zu gewährleisten. 

Die Einstufung nach Schweregrad entfällt, wenn der komplette Versuch unter Vollnarkose stattfindet und die Tiere ohne wieder zu erwachen sterben, was bei 3,4 Prozent der Fall war. Oder wenn sie ohne vorherige Eingriffe oder Behandlungen zu gleich getötet werden.

Tierversuche: Anteil genetisch veränderte Tiere bei rund 51,3 Prozent

Das betraf 17,6 Prozent. Dabei geht es beispielsweise darum, Organe oder Zellmaterial zu gewinnen. Der Anteil der genetisch veränderten Tiere lag laut RP bei rund 51,3 Prozent, was eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr darstelle. Absolute Spitzenreiter sind auch hier Mäuse, mit großem Abstand gefolgt von Fischen. Das RP Darmstadt wird bei den Entscheidungen über die Genehmigung von Versuchen von zwei ehrenamtlichen und unabhängigen Kommissionen unterstützt und beraten.

Hessische Landesregierung möchte eigentlich auf Tierversuche verzichten

Die schwarz-grüne hessische Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel festgeschrieben, „perspektivisch auf Tierversuche ganz (zu) verzichten und sie durch alternative Verfahren (zu) ersetzen“. Bis dahin setzt sie auf Verringerung, Verbesserung und Vermeidung. Mit diesem Schwerpunkt wurden im Jahr 2017 zwei neue Professuren an den Universitäten Gießen und Frankfurt besetzt.

Von Jutta Rippegather

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