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Wegen Neubau von Wohnungen: US-Army soll Flugrouten verlegen (Symbolbild)

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Wegen Neubau von Wohnungen: US-Army soll Flugrouten verlegen

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Wegen des Neubaus eines Wohn- und Gewerbegebiets in Wiesbaden sollen die US-Streitkräfte ihre Flugrouten verlegen. Das sorgt für Unbehagen.

Wiesbaden - Die Stadtentwicklungsgesellschaft SEG setzt darauf, dass die US-Streitkräfte ihre Sichtflugrouten in den nächsten Jahren auf den Militärflughafen in Wiesbaden-Erbenheim verlegen. Zurzeit führen diese noch kreuz und quer über das Areal im Ostfeld, das die SEG in etwa acht Jahren mit einem Wohn- und Gewerbegebiet bebauen möchte. Aus Sicherheitsgründen sollte der Luftraum darüber jedoch frei gehalten werden.

Wiesbaden: Flugrouten der US-Army verlegen

„Wir sind mit den Amerikanern im Gespräch“, sagt SEG-Geschäftsführer Roland Stöcklin auf Anfrage. Ein Termin sei schon anberaumt. Es sei normal, mit den Trägern öffentlicher Belange über lange Zeit im Dialog zu sein. Bei den Vorplanungen zu dem Bauprojekt war die SEG den Forderungen der US-Army bereits nachgekommen. Damit das Quartier nicht, wie zuvor vorgesehen, unter der An- und Abflugschneise für den Instrumentenflug liegt, rückte die SEG es nach Süden. Deshalb musste sie die Zahl der Wohnungen halbieren. Die parallel verlaufenden Instrumentenflugrouten liegen nun nördlich der geplanten Bebauung über freiem Gebiet. Stöcklin geht davon aus, dass die US-Army mit dieser Lösung einverstanden ist.

Die Ostfeldpläne und die Kritike r

Auf dem 450 Hektar großen Gelände auf beiden Seiten der A66 und links der B455 ist ein Wohngebiet mit 4750 Wohnungen und einem Gewerbegebiet vorgesehen. Das Bundeskriminalamt hat Interesse, ihren Standort dorthin zu verlegen.

Die Pläne rufen Widerstand hervor. Die Stadt Mainz, der Deutsche Wetterdienst sowie Naturschutzverbände befürchten klimatische Veränderungen für Mainz und benachbarte Wiesbadener Stadtteile. In dem landwirtschaftlich genutzten Areal bilden sich nachts Kaltluftströme die bei einer Bebauung geringer ausfallen.

Die Naturschutzverbände beklagen zudem den Verlust wertvoller Biotope und die Landwirtschaft den Verlust ihres Ackerlands.

Kürzlich hatte die Meldung für Verwirrung gesorgt, dass die Army gegen das Bauprojekt sei, weil es unter ihren An- und Abflugrouten liege und ihre Sicherheitsvorschriften nach einer „Clear Zone“ und „Accident Prevention Zone“ missachte. Diese Information ist laut Stöcklin überholt. Sie geht aus Schreiben der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIM), die die Interessen der US-Army vertritt, und des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr vom Februar 2019 hervor.

Darin wird klargestellt, dass die US-Streitkräfte nicht vorhaben, den Flughafenbetrieb einzuschränken oder zu verändern, um die Ostfeld-Bebauung zu ermöglichen. Ausgleichs- oder Schadensersatzansprüche würden nicht akzeptiert. Die SEG hat ihre Planungen anschließend angepasst. Auf der Airbase sind derzeit zwölf Hubschrauber und vier Flugzeuge stationiert.

Dennoch herrscht Unbehagen an dem Projekt, das jetzt nach der Sommerpause in den Gremien diskutiert werden soll. Die Bündnis-Grünen fühlen sich nicht ausreichend informiert und verlangen, dass Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Baudezernent Hans-Martin Kessler (CDU) mit offenen Karten spielen. Den Stadtverordneten waren nur Zusammenfassungen der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange ausgehändigt worden. Die Grünen möchten aber Einblick in die vollständigen Texte haben. Andernfalls drohen sie damit, ihre Zustimmung zum Projekt zu verweigern. Baudezernent Hans-Martin Kessler (CDU) kündigte gestern an, die Unterlagen zu veröffentlichen, merkte jedoch an, dass sie einen veralteten Zwischenstand enthalten könnten.

Wiesbaden: Gefahren durch US-Flugzeuge

Bernd Wulf von der Bürgerinitiative „Lärm und Gefahren durch US-Flugzeuge“ bezweifelt, dass die Sichtfluglinien verlegt werden können und hält die Risiken eines Absturzes für nicht ausreichend gewürdigt. Der Arbeitskreis „Umwelt und Frieden Mainz-Kastel“ fordert zudem unter anderem wegen der Auswirkungen auf den Flugbetrieb ein Moratorium für die Ostfeld-Planungen. Ob der Magistrat dem folgt, ist mehr als fraglich. Wiesbaden benötigt dringend neuen Wohnraum. Auf dem Ostfeld könnten 4750 Wohnungen entstehen.

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