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Wiesbaden: „Feministische Fritten“ klären auf

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Von: Diana Unkart

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Inspiriert von der Catcall-Bewegung hat die Gruppe eigene Aktionen entwickelt. dpa
Inspiriert von der Catcall-Bewegung hat die Gruppe eigene Aktionen entwickelt. dpa © picture alliance/dpa

Die im Herbst 2021 gegründete Mädchengruppe setzt sich für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung ein. In den kommenden Monaten sind weitere Aktionen in der Stadt geplant.

Mädchen können nicht Fußball spielen – sagen Jungs. Liegestütze mit aufgesetzten Knien werden Frauenliegestütze genannt. Eine Lehrerin gibt den Mädchen in ihrer Klasse Tipps, wie sie sich kleiden sollen, um vor sexueller Belästigung und Gewalt geschützt zu sein. Das ist es, was Hanna, Livia, Paula und ihre Mitstreiterinnen erleben. Es ist eine Realität, die sie nicht hinnehmen wollen. Deswegen engagieren sie sich in der Gruppe „Die Feministischen Fritten“, die im Herbst 2021 in Wiesbaden gegründet wurde und seither einmal in der Woche zusammenkommt. Mal ernst, mal mit Witz und verschiedenen Aktionen setzt sie sich für Gleichberechtigung und Selbstbestimmung ein.

Die drei sind 14 Jahre alt, die anderen Mädchen aus der Gruppe sind im selben Alter. „Feminismus spielt überall eine große Rolle, da sollte das Alter egal sein“, befindet Livia. Sie möchte, dass sich Frauen und Mädchen in Wiesbaden „gut und sicher“ fühlen. Um das zu erreichen, sei Aufklärung nötig, ergänzt Hanna.

Eine vergleichbare Gruppierung gebe es in der Stadt nicht, sagt Anika Nagel, Sozialarbeiterin bei Wildwasser Wiesbaden, der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt. Sie und ihre Kollegin Mascha Holly unterstützen die Gruppe. Das kommunale Frauenreferat fördert das Engagement.

Internationaler Frauentag

Der Internationale Frauentag am 8. März wird in Wiesbaden unter dem Motto „#NichtMitUns! – Frauen gemeinsam stark im Netz“ begangen.

Von Montag , 7., bis Samstag, 26. März, werden Veranstaltungen rund um digitale Gewalt angeboten. Veranstalter:innen sind der Arbeitskreis Frauen- und Mädchenpolitik Wiesbaden und das Kommunale Frauenreferat.

Am Dienstag , 8. März, 17 Uhr, gibt es den Onlinevortrag „Von Stalking bis Hate Speech – Digitale Gewalt an Frauen“. Anmeldungen unter www.wiesbaden.de (Suchwort Frauentag). Dort findet sich auch eine Übersicht über alle Termine. diu

„Feministische Fritten“ – über den Namen für die neue Gruppe sei länger nachgedacht worden, erzählt Mascha Holly. Im Laufe der Diskussionen fiel, neben gemeinsamen Ideen und Idealen, ein weiterer einender Punkt auf: Alle, die mitmachen, mögen Pommes frites. Der Name soll aber auch zeigen: Feminismus und Spaß müssen sich nicht ausschließen, und er soll – weil Mädchen noch immer vorgeschrieben wird, was sie essen dürfen – signalisieren: Iss, was du willst, tu, was du willst, lass dich nicht von anderen zu irgendetwas drängen.

Alicia, eine der Gründerinnen, hatte sich von den Ankreideaktionen der Initiative „Catcalls of Wiesbaden“ inspirieren lassen und wollte selbst aktiv werden. Die jungen Frauen der Catcall-Initiative schreiben sexuelle Belästigungen mit Kreide dorthin, wo zumeist Frauen sie erlebt haben.

Im Treffpunkt der „Feministischen Fritten“ steht eine große Tafel, an die Ideen gepinnt sind. Es gibt sie zuhauf, einige sind schon umgesetzt worden. Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, bauten die Mädchen in der Stadt eine Stellwand auf. „Sexistische Kackscheiße“ stand auf der einen Seite. Dorthin konnten die Leute schreiben, was sie gehört oder erlebt haben, was sie blöd finden. Die andere Seite sollten Mutmacher füllen. „Die Stellwand war binnen einer Stunde voll“, erzählt Anika Nagel.

Gerade ist ein berührender Film fertig geworden, der sexuelle Gewalt gegen Frauen thematisiert. Ein Theaterstück ist geplant, vielleicht der Aufbau einer eigenen Website.

Die „Feministischen Fritten“ freuen sich über Mitstreiterinnen im Alter von 13 bis 18 Jahren. Annika Nagel stellt den Kontakt her: nagel@wildwasser-wiesbaden.de

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