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Die Masken vom Vorjahr sind in dieser Kampagne nicht brauchbar.

Wiesbaden

Fastnacht mit Corona-Regeln

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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In der Landeshauptstadt Wiesbaden soll die Kampagne nicht ausfallen. Die Fastnachtsvereine planen Aktionen mit ganz viel Abstand oder im Netz.

Die Saalfastnacht ist abgesagt, der Fastnachtsumzug abgesagt, der Kinderumzug abgesagt, und der Rathaussturm in seiner traditionellen Form auch – dennoch kann sich Wiesbaden auch trotz der Corona-Kontaktbeschränkungen die närrische Zeit nicht ohne Helau vorstellen. Die Aktiven in den Karnevalsvereinen arbeiten an so etwas wie Fastnacht light oder Fastnacht digital. Damit die Menschen auch in Corona-Zeiten etwas zu lachen hätten.

„Wir entwickeln in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt neue Formate, um die Fastnacht dennoch stattfinden zu lassen“, sagt Simon Rottloff, Vorsitzender der Dachorganisation der Wiesbadener Fastnachtsvereine, Dacho. Mit Hilfe moderner digitaler Medien sollen viele Menschen daran teilhaben können. Wie genau die neuen Formate aussehen, steht noch nicht fest. „Überraschen lassen“, ist laut Rottloff die Devise.

Fest steht indes, dass der Beginn der fünften Jahreszeit wie jedes Jahr mit dem Hissen der vierfarbbunten Fahne begangen wird, die Rottloff und Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) am 11.11. um 11.11 Uhr auf dem Schlossplatz in den Wind hängen – ohne Reden, ohne Musik, ohne Alkohol, ohne Geselligkeit. Es solle ganz bewusst ein einsames Ereignis werden. Rottloff bittet die Menschen, die Corona-Verhaltensregeln einzuhalten und dem Hissen der Fahnen nicht beizuwohnen.

Wie der Rathaussturm, der traditionell am Fastnachtswochenende stattfindet, unter Wahrung der Abstandsregeln aussehen soll, darüber gebe es allenfalls ein paar Ideen, aber noch kein Konzept. „Zur Not werfe ich den Schlüssel über die Brüstung“, schlägt OB Mende vor.

Digitale Sitzung geplant

Für das Fastnachtswochenende bereiten die Vereine eine digitale Sitzung mit Programmpunkten aus den 40 Wiesbadener Karnevalsvereinen mit Tanzmariechen, Garden, Showtanzgruppen, Büttenreden und Gesang vor. Voraussetzung ist, dass bis dahin die Kontaktbeschränkungen nicht mehr so streng sind wie zurzeit, damit wenigstens ein paar Personen gleichzeitig auf der großen Bühne stehen können.

Zudem soll es unter der Leitung von Zuginspektor Thomas Schreiner eine „Pop-up-Fastnachtsmesse“ an verschiedenen Standorten in der Wiesbadener Innenstadt geben. Die Schausteller, die wegen der Pandemie in diesem Jahr sehr leiden müssen, sollen auf unterschiedlichen Plätzen wie dem Schloss- und Mauritiusplatz und somit mit Abstand zueinander ohne Standgebühr ihre Artikel verkaufen können. „Es ist Zeit, etwas zu geben“, sagt Rottloff.

Dem Dacho-Chef geht es darum, die Vereine durch die schwierige Zeit zu bringen. Die Tanzgruppen dürfen nicht trainieren, die Musikkapellen nicht proben. Die Vereine befürchteten, dass ihnen die Aktiven davonlaufen und das Brauchtum an Anziehungskraft verliert. Genau das soll mit den neuen Formaten verhindert werden. „Wir wollen zeigen: Das Brauchtum lebt auch in schwierigen Zeiten“, sagt Mende. Rottloff fügt an: „Fastnacht dauert vom 11.11. bis Aschermittwoch.“

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