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Wiesbaden: Erstmals inklusive Wohngruppen für Jugendliche

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Von: Andrea Rost

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Simon (18) wird einer der ersten Bewohner sein, die in das Leonhard-Wassner-Haus einziehen.
Simon (18) wird einer der ersten Bewohner sein, die in das Leonhard-Wassner-Haus einziehen. © Michael Schick

Die Jugendhilfe der Caritas Wiesbaden startet demnächst ein Pilotprojekt, bei dem Kinder und Jugendliche mit und ohne Beeinträchtigung in Wohngruppen zusammenleben können. Der Neubau an der katholischen Kirche in Amöneburg wurde jetzt eingeweiht.

Das rote Band am Eingang ist rasch durchschnitten. Dann können die Besucherinnen und Besucher in den zweigeschossigen Neubau neben der Kirche Maria Immaculata im Wiesbadener Stadtteil Amöneburg strömen. Schon bald werden 18 junge Menschen in die neuen Räume einziehen. Aktuell leben sie noch anderswo in der Stadt in von der Caritas betreuten Wohngruppen.

Das zweistöckige barrierefreie Gebäude in der Alexander-von-Engelberg-Straße ist nach Leonhard Wassner benannt. Dessen Erben haben Geld für den Neubau zur Verfügung gestellt, der insgesamt 5,3 Millionen Euro gekostet hat. Die Caritas Wiesbaden erweitert damit ihr stationäres Angebot für Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Familien leben können. Und sie startet gleichzeitig ein Pilotprojekt in der hessischen Landeshauptstadt. Denn im Leonhard-Wassner-Haus sollen nach und nach auch junge Menschen aufgenommen werden, die körperlich, geistig oder seelisch beeinträchtigt sind.

Mit Gleichaltrigen ohne Beeinträchtigung sollen sie in den Wohngruppen zusammenleben, Alltag und Freizeit gestalten, erläuterte der Geschäftsführer der Caritas Jugendhilfe, Andreas Müller. „Sie spielen und lernen zusammen, übernehmen Pflichten im Haushalt, kochen und essen gemeinsam oder planen Ausflüge.“ Das Wohnprojekt sei ein Schritt, um Diversität als Normalität zu begreifen. Die Wohngruppen der Caritas in Amöneburg seien das erste barrierefreie Jugendhilfe-Angebot in Wiesbaden, lobte Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD). Es solle dazu beitragen, Diskriminierung und Ausgrenzung zu reduzieren.

Die 18 Kinder und Jugendlichen im Alten von zwölf bis 18 Jahren werden Anfang Juni ins Leonhard-Wassner-Haus einziehen. Die meisten Möbel sind bereits da. Auch zwei Küchen und zwei Wohnzimmer sind eingerichtet, ein Fitnessraum sowie die Zimmer für die fünf Betreuer:innen, die in den Wohngruppen abwechselnd in 24-Stunden-Schichten arbeiten werden. Außerdem stehen vier Appartements zur Verselbstständigung junger Leute zur Verfügung. Bis Herbst 2022 soll links neben der Kirche noch eine weitere Wohngruppe für neun Jugendliche ab acht Jahren eröffnet werden.

Am inklusiven Konzept der Wohngruppen werde zurzeit noch gefeilt, sagte die pädagogische Leiterin der Caritas Jugendhilfe, Beate Mayer, der Frankfurter Rundschau. „Wir sind aber schon recht weit.“ Sobald Jugendliche mit Beeinträchtigung aufgenommen würden, müsse der Betreuungsschlüssel entsprechend angepasst werden. Entgeltverhandlungen müssten geführt, Leistungsvereinbarungen getroffen werden. Die Zusammenarbeit mit Ärzt:innen und Therapeut:innen sei geplant. „Unser Ziel ist, alle Kinder und Jugendlichen hier betreuen zu können, egal ob und welche Art von Beeinträchtigung sie haben.“

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