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Der E-Smart steht zur Testfahrt bereit.

E-Mobilität

Fahren mit Strom in Wiesbaden

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Die Besucher der ersten Messe  haben sehr viele Fragen.

Ganz leise fährt der elektrische Smart die kurze Teststrecke vor dem Rhein-Main-Congresscenter (RMCC) vor und wieder zurück. Das Auto hält an, Stefan Stohr steigt aus, erkundigt sich nach technischen Details und den Preis. 20 000 Euro kostet die Basisversion. Stohr ist aus Nieder-Olm zur ersten Messe für E-Mobilität gekommen. Den Smart hat er ausprobiert, weil er ihn noch nicht kannte. Er fährt seit fast vier Jahren einen Citroen C-Zero, den er gebraucht gekauft hat. „Es ist genial, ich kann ihn überall aufladen, auf der Arbeit oder Zuhause über die Solaranlage.“ Die Reichweite seines Autos betrage um die 100 Kilometer, für 99 Prozent seiner Fahrten reiche das aus. Das Netz an Schnellladesäulen sei gewachsen, es kämen immer neue hinzu. Ohnehin tue sich viel, berichtet er. „Die Leute fragen mich inzwischen viel mehr nach meinem Elektroauto, anfangs war das nicht so.“

Im RMCC hat sich Paul Nienaber derweil einen Vortrag angehört. Den Chemiker aus Ingelheim interessiert das Thema Photovoltaik in Kombination mit E-Mobilität. „Ich überlege, eine Photovoltaikanlage so einzurichten, dass es in Zukunft auch für ein Elektroauto reicht“, sagt er. Derzeit fahre er seinen früheren Firmenwagen, einen Diesel mit Euro 5-Norm, den bekomme er nun nicht los. Sein nächstes Auto soll aber ein Elektroauto sein. „Es ist eine langfristige Investition, ich bin durchaus dazu bereit, zu zahlen, auch aus Umweltschutzgründen.“ Momentan scheitere das für ihn noch an den Ladestationen und der Reichweite. Auch an den Schnellladesäulen dauere es meist 30 bis 60 Minuten, bis ein E-Auto wieder geladen sei, sagt er. „Beim Stopp auf der Autobahn will man nur einen Kaffee trinken und weiterfahren.“

Messebesucher, die sich ein E-Auto angeschafft oder eins kaufen wollen, haben noch viele Nachfragen, stellt Marc Rappenecker von Eswe Versorgung fest. „Außerdem gibt es häufig gefährliches Halbwissen.“ Wenn ein Autohändler den Kunden sage, dass sie das E-Auto auch an die Steckdose hängen können, klinge das gut, erläutert Rappenecker. Aber eine Steckdose sei für die Dauerlast nicht ausgelegt. Im schlimmsten Fall schmelze die weg und es entstehe Kabelbrand. „Man braucht eine Wandladestation, eine so genannte Wallbox, die hat einen Fehlerstromschutzschalter.“

Vielfach Unsicherheit wegen der Rechtslage

Des Weiteren bestehe vielfach Unsicherheit wegen der Rechtslage, fährt Rappenecker fort. Besitzer von Eigentumswohnungen benötigen nach geltendem Recht die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, um eine Ladeeinrichtung in ihrem Haus zu installieren. Ansonsten bleiben sie auf öffentliche Ladestationen angewiesen. In Wiesbaden und der Rhein-Main-Region betreibt Eswe derzeit 47 öffentliche Stromtankstellen mit 86 Ladepunkten. Die am Kranzplatz wird laut Rappenecker am stärksten genutzt. Außerdem gibt es noch Ladestationen anderer Stromanbieter, etwa an zwei Aldi-Filialen.

In Städten wie Frankfurt wäre kein Fahrverbot nötig, wenn Taxis und alle Fahrschulautos nicht mit Diesel-, sondern mit Elektromotor führen, sagt Harald Frenzel. Er ist Inhaber der vollständig elektromobilen Fahrschule E-mobile in Fränkisch-Crumbach. Das Besondere: Er verfügt auch über ein Elektroauto mit Getriebe, den Stromos, den er auf der Messe zeigt. „Für die Fahrschüler bedeutet das den Vorteil, dass sie keinen Automatik-Eintrag in den Führerschein bekommen“, erläutert Frenzel. Sie können hinterher trotzdem Autos mit Verbrennungsmotoren fahren, weil Kupplung und Schaltgetriebe identisch funktionieren. Frenzel, der in der Ausbildung von Fahrlehrern tätig ist, will Fahrschulen die Elektromobilität näher bringen. „Taxis könnten zu 50 Prozent elektrisch fahren und am Stand laden“, ist er überzeugt. „Sie stehen dort eh mehr als sie fahren.“

Wolfgang und Elke Bruchhäuser aus Oestrich-Winkel schauen sich gerade einen froschgrünen Opel Corsa Baujahr 1995 an, der zu einem Elektroauto umfunktioniert wurde. 2010 begann der Besitzer Dennis Hahn während seines Studiums mit dem Umbau. Anfangs ging es ihm um die Frage, wie sich Gebrauchtwagen wirtschaftlich sinnvoll umrüsten lassen. Später beschäftigte er sich auch mit der Umweltverträglichkeit eines E-Antriebs. Wolfgang Bruchhäuser betrachtet interessiert das Innenleben unter der offenen Motorhaube. Für ihn kommt ein Elektroauto jedoch nicht in frage – wegen der Reichweite und den teuren Wartungskosten der Batterie. Bei deren Produktion entstehe zudem sehr viel CO2, gibt er zu bedenken. „Mein Zukunftsfavorit ist das Wasserstoffauto.“

Auch Autos mit Wasserstoffbrennzellen können auf der Messe probegefahren werden. Monika Bissinger aus Mainz-Kastel macht vom dem Angebot der Hessische Landes-EnergieAgentur (LEA) gemeinsam mit der Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Initiative Hessen (H2BZ-Initiative Hessen) und dem Carsharing-Unternehmen Book-n-drive allerdings keinen Gebrauch. Sie ist vor allem wegen der parallel laufenden, weitaus größeren Messe ReWoBau gekommen, nutzt aber die Gelegenheit, sich E-Bikes anzuschauen. „Es ist schon schöner, wenn man sich am Berg nicht mehr so anstrengen muss.“ Sie fährt im Sommer und Frühjahr viel Rad, hat jedoch noch keine Eile, auf Elektromobilität umzustellen.

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