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Die Wiesbadener und Frankfurter AWO sind seit mehr als einem Jahr wegen überhöhter Gehälter, überteuerter Dienstwagen und Scheinarbeitsverhältnissen in den Schlagzeilen.
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Die Wiesbadener und Frankfurter AWO sind seit mehr als einem Jahr wegen überhöhter Gehälter, überteuerter Dienstwagen und Scheinarbeitsverhältnissen in den Schlagzeilen.

Wiesbaden

Klage gegen Kündigung der AWO

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Die frühere AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter klagt gegen ihre Kündigung. Ein Urteil ist noch nicht in Sicht.

Dreimal haben die Vorsitzenden der Wiesbadener Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Hessenauer und Franz Betz, in den ersten Monaten 2020 der langjährigen Geschäftsführerin Hannelore Richter fristlos gekündigt. Dreimal – weil immer neue Kündigungsgründe gegen sie aufgetaucht seien, heißt es in der AWO-Erklärung vor dem Wiesbadener Arbeitsgericht. Keine Kündigung hat Richter akzeptiert. Jetzt geht sie in die Offensive und klagt dagegen.

Eine Einigung wird beim gestrigen Gütetermin nicht erzielt. Dazu liegen die Positionen der Parteien – Richter gegen den heutigen AWO-Vorstand – zu weit auseinander. Es geht um Geld, „sehr viel Geld“, sagt Richters Rechtsanwalt Bernhard Lorenz. Schadensersatzforderungen stünden im Raum. Der Rechtsanwalt des AWO-Kreisverbands, Jens-Wilhelm Oberwinter, stellt klar: „Es wird hier keine Lösung geben, das Verfahren wird durchprozessiert.“ Arbeitsrichter Jörg Krampe sagt, er müsse sich ohnehin erst einen Überblick in dem unübersichtlichen Verfahren verschaffen.

Die Wiesbadener und Frankfurter AWO sind seit mehr als einem Jahr wegen überhöhter Gehälter, überteuerter Dienstwagen und Scheinarbeitsverhältnissen in den Schlagzeilen. Hannelore Richter soll im Wiesbadener Kreisverband die Hauptverantwortliche für die Machenschaften gewesen sein. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide Kreisverbände, vieles ist noch unklar. Etwa, warum Richter für 2020 überhaupt noch ein Arbeitsverhältnis haben konnte, obwohl sie bereits im Oktober 2019 als Geschäftsführerin verabschiedet worden war.

Diesen Vertrag versuchten Hessenauer und Betz kurz nach ihrem Amtsantritt am 20. Januar zu lösen. Die beiden ehrenamtlichen Vorstände waren angetreten, um in dem skandalgebeutelten Verband Ordnung zu schaffen. Ihr Rechtsbeistand begründet die Kündigung Richters mit Untreue, weil Richter ihre eigene Vergütung und die ihr nahestehender Personen großzügig ausgestattet haben und Scheinarbeitsverhältnisse freiwillig geschlossen haben soll. Sie soll ihrem Sohn Gereon Möbel ohne dienstlichen Bezug auf Kosten der AWO bezahlt haben.

System von Scheindarlehen

Zudem geht es um ein ausgeklügeltes System von Scheindarlehen für einige Personen, die diese Darlehen mit dem Lohn für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse getilgt haben sollen. „Dabei bekam keiner Geld, nur sie selbst“, sagt Oberwinter. Richter soll mehr als 300 000 Euro im Jahr verdient haben. Die AWO-Statuten sehen höchstens 100 000 Euro vor.

Lorenz bestreitet die Vorwürfe. Er fordert von der Gegenseite Beweise für die Scheinarbeitsverhältnisse. Seiner Ansicht nach ist es rechtlich irrelevant, Personen zu bezahlen, die nicht arbeiten, etwa weil sie nicht so eingesetzt werden könnten wie geplant. Mit Blick auf die finanziellen Nachforderungen verlangt er, mögliche Ansprüche seiner Mandantin im AWO-Insolvenzverfahren abzusichern, das kürzlich eingeleitet wurde. Lorenz erreicht auch eine Erklärung beider Streitparteien, das Verfahren sachlich zu führen und negative Äußerungen in der Öffentlichkeit zu unterlassen. Die Entscheidung wird frühestens für März 2021 erwartet.

Die Wiesbadener AWO führte mehrere Kündigungsklagen. Die Verfahren gegen Gereon Richter, der seiner Mutter als Geschäftsführer folgte, und den früheren Geschäftsführer Murat Burcu wurden in Güteterminen beigelegt. Die Klage des früheren Geschäftsführers der Frankfurter AWO, Jürgen Richter, Ehemann von Hannelore Richter, war im Oktober vor dem Arbeitsgericht Frankfurt gescheitert.

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