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Wiesbaden: Drei Esel als Lehrmeister

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Von: Andrea Rost

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20 Jahre ist Esel Janosch alt. Seine Betreuer am Campus Klarenthal sind deutlich jünger.
20 Jahre ist Esel Janosch alt. Seine Betreuer am Campus Klarenthal sind deutlich jünger. © Renate Hoyer

Zwei Wochen läuft ein tierpädagogisches Projekt am Campus Klarenthal für Grundschule und IGS. Lehrmeister der Kinder sind dabei die drei Esel Emil, Urmel und Janosch.

Das braune Fell von Esel Urmel glänzt in der Wintersonne. Elena bürstet das Tier hingebungsvoll. Bisher habe sie nur mit ihrem Pferd gekuschelt, sagt die Zehnjährige. „Mit einem Esel ist das ganz etwas anders.“

Urmel ist einer von drei Wallachen, die zurzeit am Campus Klarenthal von Schülerinnen und Schülern betreut werden. Zwei Wochen läuft das Eselprojekt an der reformpädagogischen Privatschule. Die Tiere kommen vom Wiesbadener Freudenberg, wo Udo Schläfer und Maria Wippel sie seit sechs Jahren halten.

Die beiden bieten Tagestouren mit den Eseln an, auch Schulklassen kommen immer wieder vorbei. Komplett umgezogen seien die Tiere bisher aber noch nie. „Das ist zum ersten Mal der Fall“, sagt Udo Schläfer. „Es klappt sehr gut.“

Ehe das tierpädagogische Projekt für Grund- und Gesamtschüler:innen starten konnte, mussten die Voraussetzungen geschaffen werden, um Urmel, Janosch und Emil im Klarenthal ein Zuhause auf Zeit zu bieten. Die Weide wurde abgesteckt und eingezäunt, ein Unterstand leer geräumt, Heu und Stroh vom Freudenberg geholt.

„Die Kinder haben bei allen Arbeiten mitgeholfen, manches war nur im Team zu schaffen“, sagt Katja Neinert, die für die tiergestützte Pädagogik am Campus Klarenthal mit verantwortlich ist. Das Eselprojekt füge sich sehr gut in das Schulprogramm ein. „Wir haben hier auch Hunde, Hühner, Schildkröten und Fische“, berichtet Schulleiter Uwe Becker. „Die Kinder sind gewohnt, Verantwortung für Tiere zu übernehmen.“

Die Betreuung der Esel erfordert allerdings noch mal besondere Aufmerksamkeit. Während Urmel ein eher ruhiger Zeitgenosse ist, kann Janosch schon mal ungemütlich werden, wenn ihm etwas nicht passt. „Gestern hat er zugeschnappt, das hat schon ein bisschen weh getan“, sagt Daniel (10), der den Wallach zusammen mit Henri (8) und Samu (7) am Halfter führt. Das Futter für Janosch zuzubereiten, sei heute morgen ihre Aufgabe gewesen, erzählen die drei Jungs. Es musste eingeweicht werden. „Janosch hat nämlich keine Vorderzähne mehr“, erklärt Henri.

Mit den unterschiedlichen Charakteren der Tiere zurechtkommen, erfühlen, was die Esel brauchen und was sie überhaupt nicht mögen – auch das sind Dinge, die die Schülerinnen und Schüler in den zwei Projektwochen lernen. Da am Campus Klarenthal jahrgangsübergreifend gearbeitet wird, sind die Gruppen der Kinder, die sich um die Esel kümmern, altersgemischt. Größere haben ein Auge auf die Jüngeren. „Als Pädagogen müssen wir da gar nicht viel eingreifen“, sagt Katja Neinert.

Auch in der kommenden Woche werden Urmel, Janosch und Emil noch im Klarenthal auf der Weide stehen. Die Kinder werden sich ums Füttern, Wasser geben, Bürsten und Abäppeln kümmern und mit ihnen kleine Ausflüge unternehmen. Dann kehren die drei Esel wieder auf den Freudenberg zurück, wo sie auch für Privattouren gebucht werden können.

Infos: www.esel-am-freudenberg.de

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