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Wiesbaden: Die Transformation der Stadt beginnt in Bierstadt

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Von: Madeleine Reckmann

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Im Baugebiet Bierstadt-Nord stehen die Maschinen bereit.
Im Baugebiet Bierstadt-Nord stehen die Maschinen bereit. © Oeser

Wie Sozial- und klimagrecht Wohnungen geschaffen werden. Stiftungen, Wohngemeinschaften und Selbstnutzer können sich mit ihrem Konzept bewerben.

In Bierstadt-Nord können künftig Wohnträume wahr werden. Wofür sich sonst kein bezahlbares Objekt findet oder kein Entwickler, weil sich das Projekt nicht rechnet, hat in dem ländlichen Stadtteil der Landeshauptstadt möglicherweise eine Zukunft. Für Gemeinschaftliche Wohnprojekte, Wohnen im Alter oder günstiges Wohnen für Familien hat das Stadtplanungsamt nun seine ersten Konzeptverfahren ausgeschrieben. Baugemeinschaften, Stiftungen oder Selbstnutzer können sich mit ihren Ideen bewerben.

Was sich wie eine Selbstverständlichkeit anhört, ist für Wiesbaden eine kleine Revolution. „Es geht nicht mehr um die maximale wirtschaftliche Verwertung, sondern darum, welcher Anbieter das beste Konzept hat“, sagt Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD), „das ist ein neues Verständnis städtischen Handelns“. Was in anderen Kommunen bereits Usus sei, so Mende weiter, stecke in Wiesbaden noch in der Pilotphase.

Eine kleine Revolution ist es auch, dass Wiesbaden in eine aktive Bodenbevorratung einsteigt. Nur mit dem strategischen Grunderwerb könne die Stadt es schaffen, ihre Ziele nachhaltiger Stadtentwicklung umzusetzen, teilt das Dezernat für Stadtentwicklung und Bau auf Anfrage mit. Nur als Eigentümerin der Fläche kann sie Konzeptvergaben einleiten. 15 Millionen Euro stehen für den Grunderwerb in den Jahren 2022 und 2023 bereit.

Wohnungsbau in Wiesbaden.
Wohnungsbau in Wiesbaden. © Grafik

Flächenknappheit und steigende Bodenpreise definiert das Dezernat als das größte Hindernis für eine „zukunftsorientierte, sozial gerechte und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklungspolitik“. Mit Instrumenten wie der Konzeptvergabe und der Bodenbevorratung und anderen seien Instrumente gefunden worden, um die Entwicklung ständig steigener Preise zu brechen. Für Camillo Huber-Braun, Leiter des Stadtplanungsamts, geht es um nichts Geringeres als die „Transformation der Städte“, für die es erfordert, „Stadtentwicklung ganz neu zu denken“. „Wir sind dem Gemeinwohl verpflichtet“, betont er. Sozial gerechte und klimagerechte Wohnungen zur Verfügung zu stellen, sei eine Herausforderung, aber machbar, so scheint es zumindest. Die Verantwortlichen in den Bau- und Planungsstäben geben sich jedenfalls hoffnungsfroh und krempeln die Ärmel hoch. Bauvorhaben ab 40 Wohneinheiten sollen dazu verpflichtet werden, 30 Prozent der Wohnungen als geförderte Wohnungen zu realisieren. Für städtische Gesellschaften gelten 40 Prozent.

Wiesbaden möchte wachsen. Die Stadt sieht sich „als wesentlicher Teil der wachsenden Metropolregion“ in der Verantwortung, den „Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken, moderne Industrie- und Gewerbeflächen zur Verfügung zu stellen und die Auswirkungen der Klimakrise zu bewältigen“. Dass sich die Zahl der Bewohner und Bewohnerinnen in den vergangenen drei Jahren nur um rund 600 erhöhte, wertet OB Mende als Indiz dafür, dass das Angebot an bezahlbarem Wohnraum zu klein ist. Kürzlich hat das Amt für Statistik veröffentlicht, dass vor allem junge Familien nicht in der Stadt bleiben, sondern ins Umland ziehen. Wiesbaden habe also Nachholbedarf, so der OB.

Es wird bereits an allen Ecken und Enden gebaut. Aktuell errichten Arbeiter fast 4000 Wohnungen, davon werden 2075 von den städtischen Wohnbaugesellschaften GWW und SEG entwickelt. In den letzten drei Jahren wurde Planungsrecht für 2600 Wohnungen geschaffen. Doch dieser Wohnraum deckt laut OB Mende nicht den Bedarf. Studien des Landes gehen davon aus, dass bis 2040 32 000 neue Wohnungen gebraucht werden.

Im Baugebiet Bierstadt-Nord stehen die Maschinen bereit.
Im Baugebiet Bierstadt-Nord stehen die Maschinen bereit. © ROLF OESER

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