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Wiesbaden: Die Südmauer der Burg Sonnenberg ist fertig.

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Baugerüst an der Ostseite stört den Blick auf die malerische Ruine.
Das Baugerüst an der Ostseite stört den Blick auf die malerische Ruine. © Michael Schick

Funde im Boden verzögern die Arbeiten immer wieder. Dennoch gibt es Fortschritte. Die Ruine soll nächstes Jahr wieder öffnen.

Bis das Gerüst an der Ostseite der Burg Sonnenberg abgebaut werden kann, soll es nicht mehr lange dauern. „Vielleicht im Herbst dieses Jahres“, sagt Beate Sand vom Hochbauamt der Landeshauptstadt. Sand weiß, dass die Menschen im Wiesbadener Stadtteil Sonnenberg darauf warten, dass das Gerüst bald verschwindet, damit der Blick auf die Burg frei wird. Die Projektleiterin der Burgsanierung weiß aber auch, was bis dahin alles erledigt werden muss. Das Wort „Unwägbarkeiten“ fällt immer wieder. Hochbauamtsleiter Andreas Rettig lässt scherzhaft die Bemerkung „wie in Rom“ fallen.

Keine Truhe mit Gold

Burg sonnenberg

Die Grafen von Nassau ließen die Burg im 13. Jahrhundert errichten. Sie wurde mehrmals verändert.

Die Stadt Wiesbaden beschloss im Juni 2017 eine Sanierung der Burgruine von Grund auf. Ziel ist die Sicherung der Substanz und eine Aufwertung.

Für die laufenden Arbeiten stehen 7,73 Millionen Euro bereit.

Der Burgfried wurde bereits 2007 saniert.

Die Arbeiten an der in der Mitte des 13. Jahrhunderts erbauten Burg verzögern sich seit dem 2017 gefassten Grundsatzbeschluss für eine Sanierung immer wieder. Denn niemand weiß, was sich unter dem Schutt und der Erde der Ruine befindet. „Wie in Rom“ stoßen die Arbeiter:innen auf historische Mauern, Scherben und Münzen, die laut den Vorgaben der Landesarchäologen und Landesdenkmalpflege freigelegt und dokumentiert werden müssen. „Arbeiten mit einem Bagger sind unmöglich“, sagt Rettig.

Also legen die Mitarbeiter:innen von Spezialfirmen das Erdreich mit Spaten und Spachteln vorsichtig frei, um mögliche Schätze zu bergen. Die Funde könnten neue Erkenntnisse über den früheren Aufbau der Burg oder über das Leben der Altvorderen liefern. „Eine Truhe mit Gold haben wir noch nicht gefunden“, sagt Rettig. Aber das Vorgehen wirft die Planungen oft über den Haufen.

Dennoch macht die Sanierung Fortschritte. Die Südmauer der Oberburg, die vor drei Jahren zusammenzufallen drohte, wurde mit Taunusquarzit aufgebaut. Die erhaltenen Teile heben sich dunkel ab. Ein Mauerbogen zeigt, dass hoch über den Köpfen der Betrachter:innen einmal ein Zugang gewesen sein muss. „Wenn es möglich ist, zeigen wir das Historische“, sagt Sand. Ein „Denkmal-Disney“ solle es aber nicht werden, merkt Rettig an, der die Burg mit einem „lebendigen Organismus“ vergleicht, weil die Menschen sie im Verlauf der Jahrhunderte ständig veränderten. Das erklärt, warum der Torbogen jetzt in der Luft hängt. Unter der Zufahrt liegen inzwischen Versorgungsleitungen. Jetzt kann das Restaurantgebäude saniert werden. Die Terrasse steht voller Baumaterialien. Sand hofft, dass die Burg im Herbst 2023 für die Öffentlichkeit begehbar sein wird; dann könnte auch das Restaurant öffnen.

Das Baugerüst an der Ostmauer dient der Sicherheit – auf einigen Quadratmetern lösen sich Brocken aus der Bruchsteinmauer. Demnächst sollen etwa 75 Kubikmeter Erde oberhalb des Lochs abgetragen werden, um die Statik der dahinterliegenden Mauer zu verstehen. Sollten die Grabungen Funde zutage fördern, beginnt wieder die zeitraubende Arbeit mit den Spachteln. Erst nach einer baugeschichtlichen Bewertung könnten die Arbeiten weitergehen. Und sobald die Lücke aufgemauert ist, kann das Gerüst weg.

Projektleiterin Beate Sand und Amtsleiter Andreas Rettig.
Projektleiterin Beate Sand und Amtsleiter Andreas Rettig. © Michael Schick

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