1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Wiesbaden

Wiesbaden dankt Helfern

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Schülerinnen der "WiesPaten"-Gruppe bedanken sich.
Schülerinnen der "WiesPaten"-Gruppe bedanken sich. © Michael Schick

Das Förderprogramm „WiesPaten“ unterstützt Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in ihrer Lernentwicklung. Mit einem Fest bedankt sich die Stadt bei den Paten und den Unterstützern für ihr Engagement.

Von Julius Sandmann

Das Hotel Crowne Plaza in der Wiesbadener Innenstadt ist ein Ort des internationalen Austausches: Viele ausländische Gäste übernachten hier, im Foyer zeigen Bildschirme die Startzeiten für Flüge am Frankfurter Flughafen an. Am frühen Abend des vergangenen Freitags beherbergt das Hotel zudem das Dankeschönfest für die „WiesPaten“ und damit eine besondere Form interkultureller Verständigung: Integration.

Unterricht für ein Schuljahr

Im Rahmen des Programms „WiesPaten“ fungieren Unternehmen als Paten für eine Förderunterrichtsgruppe von bis zu acht Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund, die dadurch ihre Noten verbessern sollen. Die Firmen finanzieren den Unterricht für ein Schuljahr und besprechen mit den Jugendlichen zudem, welche weiteren Aktionen sie machen könnten. „Nur eine Finanzierung des Förderunterrichts wäre nicht ‚WiesPaten‘“, stellt Karoline Deissner vom Amt für Soziale Arbeit klar.

In einem Gang des Hotels haben die Schüler Pinnwände aufgestellt, auf denen sie die gemeinsamen Aktionen illustriert haben: ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt, Schlittschuhlaufen, ein Workshop, gemeinsames Kochen. Die Unternehmen, die als Paten fungieren, kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen – so engagiert sich neben einem Hotel und einer Sparkasse auch eine Detektei. „Die Kollegen, die mit ‚WiesPaten‘ zusammenarbeiten, entwickeln eine andere Sensibilität für Vielfalt“, erläutert Elisabeth Ganss, Schirmherrin und Vize-Präsidentin der IHK Wiesbaden, die Vorteile der Kooperation für die Unternehmen. Auch könnten Kontakte zu potenziellen Auszubildenden geknüpft werden. Aktuell besuchen 121 Jugendliche die 15 Gruppen des Förderunterrichts. Das Durchschnittsalter liegt bei 14 Jahren.

Myriam Yildirim ist sehr zufrieden mit dem Programm. „Mein Notendurchschnitt hat sich durch ‚WiesPaten‘ enorm verbessert“, erzählt die 16-Jährige. Sie besucht die Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule. „Nur der Förderunterricht ist ein bisschen streng. Bei ‚WiesPaten‘ geht man auch mal öfter als Gruppe weg und es ist eine viel bessere Atmosphäre“, sagt Yildirim.

Positive Entwicklung

Neben den Pinnwänden werden in einem Nebenraum auch Dias der gemeinsamen Aktionen gezeigt. Hildegunde Rech, Leiterin der Abteilung Jugendarbeit beim Sozialamt, hält eine kurze Rede und zeigt sich erfreut über die Entwicklung von „WiesPaten“. Zudem verkündet sie, dass die interkulturelle Verständigung in Zukunft noch internationaler wird: Im Rahmen des Programms „Erasmus+“ des Bildungsministeriums können ein oder zwei Fördergruppen dieses Jahr ins Ausland reisen, etwa um dort Praktika zu machen. Dies biete sich an, da einige der Patenfirmen auch Filialen außerhalb von Deutschland hätten, erklärt Rech.

Anschließend führt die Fördergruppe der Nassauischen Sparkasse ein kleines Rollenspiel auf. Schüler, Förderlehrer und Bankkaufleute stellen dar, wie ein Bewerbungsgespräch ablaufen sollte – und wie nicht. Ein jugendlicher Bewerber in Trainingsanzug und Badelatschen sorgt für viele Lacher im Publikum. „Ich habe noch nie einen so guten Draht zu den Jugendlichen gehabt“, sagt Sabine Feuerstein, die das Rollenspiel zusammen mit den Schülern konzipiert hat. Nach dem offiziellen Teil dürfen sich die Jugendlichen und ihre Unterstützer noch an einem Büffet bedienen.

Bürgermeister und Sozialdezernent Arno Goßmann, der zum Fest eingeladen hat, ist begeistert von „WiesPaten“: „Es ist ein tolles Bildungsprogramm für junge Menschen – und es bringt Selbstvertrauen.“ Für Myriam Yildirim hat sich der Einsatz gelohnt: Im September fängt sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei Huhle Stahl- und Metallbau an – dem Unternehmen, das auch Pate stand für ihren Förderunterricht.

Auch interessant

Kommentare