WI-Citybahn_201120
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Die Menschen gegen die Citybahn haben die Abstimmung für sich entschieden.

Wiesbaden

Citybahn auch in entfernten Stadtteilen abgelehnt

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Das Ergebnis des Bürgerentscheids zur Citybahn in Wiesbaden spiegelt den Mehrheitswillen. Hohe Beteiligung und hohe Briefwahlquote kennzeichnen die Abstimmung.

Den Politikern, die sich für den Bau der Citybahn eingesetzt haben, hat der Bürgerentscheid eine Ohrfeige verpasst. Nicht nur die Menschen, die an der geplanten Citybahn-Trasse wohnen, haben sich am 1. November gegen die Straßenbahn entschieden, sondern eine breite Mehrheit in fast ganz Wiesbaden. Zu diesem Ergebnis kommt das Amt für Statistik und Stadtforschung in seiner Publikation Blickpunkt. Nur in drei von 26 Ortsbezirken habe sich eine Mehrheit für die Bahn von Mainz über Wiesbaden nach Bad Schwalbach gefunden. „Der Ausgang der Wahl spiegelt den Mehrheitswillen“ und sei nicht darauf zurückzuführen, dass eines der beiden Lager ihre Sympathisanten besser mobilisieren konnte, analysieren die Statistiker.

Die potenziellen Anrainer befürworteten mit zwei Prozent nur geringfügig häufiger die Bahn, stellten aber mit 39,4 Prozent die Minderheit dar. Insgesamt, so die Statistiker, beschäftigte der Entscheid auch Stadtteile, die von der Citybahn nicht betroffen gewesen wären. Die Wahlbeteiligung lag mit 46,2 Prozent hoch, am höchsten in den Stadtteilen Sonnenberg, Igstadt, Hessloch und Kloppenheim mit stabilem Mittelstand, durch die die Bahn nicht gefahren wäre. Wie bei jeder Wahl beteiligten sich Menschen aus den stadtnahen Quartieren und Amöneburg, Kastel und Kostheim, wo eher ärmere Menschen wohnen, in geringerem Maße an der Abstimmung. Das sind Stadtteile, die vom Bau einer Straßenbahn profitieren sollten.

Die oppositionelle Einstellung zur Bahn offenbare sich nicht nur in den Hochburgen der FDP, die als einzige Partei das Projekt offensiv bekämpfte, sondern auch in denen von SPD, CDU und AfD. Die SPD war für die Bahn, CDU und AfD waren gespalten. Nur in den Hochburgen der Grünen und Linken, die die Citybahn wollten, stimmte eine Mehrheit für die Bahn. Mit 37,7 Prozent präferierten viele die Briefwahl, bei der die Citybahn-Gegner leicht in der Überzahl waren.

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