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Die Pandemie verlangt dem Einzelhandel und der Kundschaft wie hier in Wiesbaden viel ab.
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Die Pandemie verlangt dem Einzelhandel und der Kundschaft wie hier in Wiesbaden viel ab.

Wiesbaden

Wiesbaden: „Bis Jahresende zeigt sich, wer die Pandemie übersteht“

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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In Wiesbaden bleibt die Stimmung im Einzelhandel und in Lokalen durchwachsen. Doch die sinkende Inzidenz gibt Grund zur Hoffnung.

In der Theke des traditionsreichen Kaffeehauses Maldaner in der Marktstraße sind wieder köstliche Kuchen und Torten aufgestellt. In den Gasträumen im Gebäude dürfen die Gäste zwar noch nicht bewirtet werden. Aber einige der Tische in der Fußgängerzone sind besetzt. Damit ist die Chefin nicht zufrieden. „Nur mit der kleinen Terrasse draußen ist das Geschäft eine Herausforderung“, klagt Renate Schulz-Winkel, die das Café mit ihrem Mann Michael Schulz führt. Schließlich sei die ganze Produktion wieder hochgefahren worden, verderbliche Ware, die jetzt verkauft werden müsse. In der Landeshauptstadt gilt aktuell die Stufe eins der Landesverordnung. Bleibt die Inzidenz unter 50, greift ab Donnerstag Stufe zwei.

„Mit den Einschränkungen der aktuellen Corona-Regelung können wir nicht rentabel arbeiten“, ergänzt Michael Schulz. Er sei dankbar für die Hilfe von Bund und Land. „Sonst würde es uns nicht mehr geben“, sagt er. Aber um den durch die Pandemie verursachten Verlust zu kompensieren, würde auf Dauer nur eine generelle Mehrwertsteuersenkung auf zehn Prozent auf Speisen und Getränke helfen.

Auch andere Geschäfte fürchten wirtschaftliche Schwierigkeiten trotz der aktuellen Lockerungen im Einzelhandel. Die rahmengenähten Herrenschuhe aus Leder kosten im Schuhgeschäft „Der Klassiker“ am Marktplatz gerade 199 anstatt 399 Euro. „Mit dem Räumungsverkauf möchten wir auf uns aufmerksam machen,“ sagt Verkäuferin Lema Turan, „wir sind noch da, aber die Situation ist sehr schwierig.“ Denn für Businessschuhe habe es in der Pandemie keinen Bedarf gegeben. Ob der Verkauf jetzt, wo der Einzelhandel wieder starten kann, in Schwung kommt? Turan ist skeptisch. „Wir haben Angst.“

Tatsächlich haben einige Geschäfte aufgrund der Pandemie schließen müssen. Gerade haben ein renommierter Modeanbieter und ein Café am Mauritiusplatz dichtgemacht. Wiesbaden steht zwar nach Auskunft der städtischen Wirtschaftsförderung im Vergleich zu anderen Städten nicht schlecht da. Im Herbst 2020 seien allerdings hundert Leerstände in dem als Historisches Fünfeck bezeichneten Innenstadtbereich zu verzeichnen gewesen, 40 mehr als vor der Pandemie. Zurzeit habe sich die Zahl auf das alte Maß eingependelt, etwa zehn Prozent der Ladenlokale stünden leer. Aber Neueröffnungen überwögen, teilt die Wirtschaftsförderung auf Anfrage optimistisch mit.

Dass viele Unternehmer wegen der sinkenden Inzidenzzahl Licht am Ende des Tunnels sehen, bestätigt auch die Industrie- und Handelskammer Wiesbaden. Im Servicecenter, wo die Mitglieder telefonisch beraten werden, gebe es aber auch immer noch frustrierte Anrufer, die in Tränen ausbrächen. IHK-Juristin Beate Scheibig kann jedoch keine vermehrten Insolvenzen feststellen. Es gebe keine gehäuften Nachfragen zu dem Thema, sagt sie.

Die Verkäuferin des Wohndesigngeschäfts „Ligne roset“ in der Wilhelmstraße äußert sich ebenfalls zuversichtlich. Gerade berät sie einen Mann und eine Frau auf dem Gehweg. „Unsere Produkte müssen angefasst werden, deshalb bringe ich die Stoffe bei Bedarf auch an die Tür oder nach draußen“, sagt sie. Die Pandemie habe keinen dramatischen Einbruch hervorgerufen, obgleich der Umsatz gelitten habe. „Es ist jetzt eine Riesenerleichterung, die Kunden in den Laden lassen zu dürfen ohne Corona-Testung.“

Andreas Steinbauer, nach eigenen Angaben der größte Immobilienmakler im Einzelhandelsbereich in Wiesbaden, geht davon aus, dass sich bis Jahresende entscheiden werde, welcher Laden und welches Lokal die Pandemie überleben werde. „Wiesbaden ist nicht am Ende, aber man muss mit Bedacht vorgehen, um die Innenstadt attraktiv zu erhalten“, sagt er. Dafür setzt er auf die Initiativen der Wirtschaftsförderung, die über unterschiedliche Schritte, wie mehr Kultur, Grün und Unterstützung für die Inhaber, diskutiert.

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