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Jenny Macher in ihrem Büro des Diakonischen Werks.
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Jenny Macher in ihrem Büro des Diakonischen Werks.

Wiesbaden

Wiesbaden: Beratung für Menschen ohne Krankenversicherung

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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In Wiesbaden gibt es ein neues Angebot für alle Menschen ohne ausreichenden Schutz. Nach Frankfurt sei es erst die zweite Clearingstelle in Hessen.

An den Mann, der ohne ärztliche Hilfe zu erblinden drohte, erinnert sich Jenny Macher gut. Er hatte phasenweise in Deutschland sozialversicherungspflichtig gearbeitet, war dann sozial abgerutscht und auf der Straße gelandet. Weil er seine Schulden bei der Krankenkasse nicht beglichen hatte, galt für ihn der Notlagentarif der Versicherung. Die Ärzte der humanitären Sprechstunde in der Teestube der Diakonie, die Menschen ohne Krankenversicherung behandeln, wussten nicht, wie mit dem Fall umgehen. Würde die notwendige Operation, die sein Augenlicht retten würde, finanziert? Ja, Macher erhielt bei der Krankenkasse einen Behandlungsschein, der die Operation zahlte.

Seit Jahresbeginn führt die 29-Jährige die Clearingstelle für Menschen ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz in Wiesbaden. Personen, die in der Landeshauptstadt leben oder sich dort aufhalten, können sich beraten lassen. Über 50 Männer und Frauen haben schon den Weg zu ihr gefunden. Laut Macher ist dies nach Frankfurt die zweite Clearingstelle in Hessen. Finanziert wird sie von der Stadt, organisiert vom Diakonischen Werk. „Das Ziel ist, zu klären, ob die Person in eine Versicherung vermittelt werden kann“, sagt die Sozialarbeiterin, „wenn einer aber acht Jahre auf der Straße lebt, ist das schwierig“. Beraten werden alle Menschen, ob sie aus der Europäischen Union kommen oder nicht. Fast die Hälfte ihrer Klient:innen stammt aus Rumänien, aber auch Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft lassen sich von ihr beraten.

Bei vielen liege der Fall ähnlich wie bei dem Polen mit der Augenkrankheit, berichtet Macher. Seit 2009 sind Ausländer und Ausländerinnen verpflichtet, in Deutschland krankenversichert zu sein, wenn sie dort leben. Wer aus der Europäischen Union stammt, muss sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, um einen Anspruch auf Krankenversicherung zu haben. Den Verlust der Arbeitsstelle müssten die Menschen eigentlich der Krankenkasse mitteilen, um einen günstigeren Tarif zu erhalten. Der Fragebogen werde aber meist nicht ausgefüllt, die Kasse stelle der Person dann den Höchstbetrag von 800 Euro im Monat in Rechnung. Die Betreffenden würden das oft ignorieren und auch nicht zahlen können. Schulden häuften sich an. „80 Prozent der Klienten haben hohe Beitragsschulden“, sagt Macher. Sie versuche, bei der Krankenkasse den Mindestbeitrag von etwa 200 Euro zu erreichen. Die Beitragsschulden aber müssten abgestottert werden. Dann erst schalte die Kasse die Krankenkassenkarte frei. Bis dahin werde nur das Notwendigste gezahlt.

In Erinnerung ist Macher auch der Mann, der anonym beraten werden wollte. Der 60 Jahre alte Deutsche war wegen seiner Selbstständigkeit privat versichert gewesen. Als er die Selbstständigkeit aufgab, teilte er das der Kasse nicht mit. Die privaten Krankenkassen dürfen die Beiträge von vier Jahren erheben, hohe Schulden häuften sich an. Das sei ihm zu viel gewesen. Der Mann zog es vor, ohne Krankenversicherung zu leben. „Eine Lösung ist für viele Menschen möglich“, sagt Macher, „aber der Klient muss aktiv mitarbeiten“.

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