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Wiesbaden bekommt ersten Unesco-Lehrstuhl Hessens

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Von: Diana Unkart

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Das Team um Michael Kloos erforscht, wie es gelingen kann , historische Städte nachhaltig zu entwickeln, ohne dass sie ihren Charme einbüßen. Das Wissen soll weltweit geteilt werden.

Als in Wiesbaden die Idee aufkam, eine Straßenbahn zu bauen, begannen teils erbittert geführte Diskussionen. Die Befürworter:innen verwiesen auf die Zukunftsfähigkeit des Projekts, auf weniger Autos, weniger Lärm und weniger Schadstoffe. Die Gegner:innen befürchteten einen fundamentalen Eingriff ins historische Stadtbild. Ähnliche Überlegungen werden in Kassel angestellt. Dort soll eine Tram Besucher:innen zum Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe bringen.

Nun ist Wiesbaden, anders als Kassel mit der Wilhelmshöhe, mit der Bewerbung als Weltkulturerbe gescheitert. Dennoch offenbaren die Beispiele ein Spannungsfeld, dem sich ein neuer Unesco-Lehrstuhl widmen möchte: dem zwischen bewahren und erneuern. Wie lässt sich ein Weltkulturerbe vereinbaren mit den Anforderungen der Zeit?

Die Unesco hat gemeinsam mit der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden den Unesco-Lehrstuhl für historische Stadtlandschaften und Kulturerbe-Verträglichkeitsprüfungen unter Leitung von Michael Kloos eingerichtet. Angesiedelt ist er im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen. Nach Angaben der Hochschule ist er der erste in Hessen. Und noch eine bundesweite Premiere ist mit ihm verbunden: Zum ersten Mal wird der Unesco-Lehrstuhl an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften aufgebaut.

Der Unesco-Lehrstuhl

Unesco ist ein Akronym, gebildet aus „United Nations Educational Scientific and Cultural Organization“. Auf Deutsch: „Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur“.

Die Unesco ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen und wurde 1945 gegründet.

Die Organisation setzt Programme zur nachhaltigen Entwicklung in ihren Themenschwerpunkten um.

Im weltumspannenden Netzwerk der Unesco Chairs kooperieren mehr als 850 Unesco Lehrstühle in mehr als 115 Ländern.

In Deutschland sind 15 dieser Lehrstühle ansässig. Zu den Prinzipien ihrer Arbeit gehören die internationale Vernetzung und die Förderung des interkulturellen Dialogs. Sie sollen weltweit dazu beitragen, Wissen zu schaffen, zu verbreiten und anzuwenden, um eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. diu

Sein Thema gewinnt an Bedeutung. Öffentliche Räume würden immer intensiver beansprucht, sagt Michael Kloos. Dabei sei der Raum gerade in historischen Innenstädten eng begrenzt. Von einem Spagat zwischen dem Erhalt des städtebaulichen Erbes und seiner nachhaltigen Entwicklung spricht die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. Die Welterbestädte, nicht nur die deutschen, müssen sich zum Beispiel mit der Frage auseinandersetzen, wie Elektromobilität und ihre dazugehörige Infrastruktur ausgebaut werden kann, ohne dass die Orte ihre Identität verlieren.

Die Rhein-Main-Hochschule in Wiesbaden verfüge über eine „herausragende Expertise“, lobt Maria Böhmer. Seit fünf Jahren gibt es dort den bundesweit einzigartigen Studiengang Baukulturerbe. Außerdem, sagt Michael Kloos, sei die Rhein-Main-Region mit der Mathildenhöhe in Darmstadt und den angrenzenden Welterbestätten für diese Fragen ein ausgezeichnetes Versuchslabor.

Kloos und seine Kolleginnen und Kollegen haben das inhaltliche Konzept für die Bewerbung um den Unesco-Lehrstuhl erstellt. Für vier Jahre bleibt er zunächst in Wiesbaden, dann entscheidet die Unesco-Kommission über seine Fortsetzung.

Geplant ist, Lehre und Lehrstuhl eng miteinander zu verbinden und dabei mit Forschenden aus anderen Disziplinen zusammenzuarbeiten. Von den Ergebnissen sollen Kommunen und Initiativen weltweit profitieren. „Das Wissen soll dorthin gebracht werden, wo es nicht vorhanden ist“, beschreibt Michael Kloos ein Ziel. So ist geplant, rund um den Globus historische Stadtlandschaften zu erhalten und nachhaltig zu entwickeln.

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