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Projektleiterin Monika Rubbel mit Shireen Forenoff (17), Baturay Malkoc (23) und Nadine Theis (21) (v. l.).

Wiesbaden

Behördengang per Smartphone

  • vonDiana Unkart
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Warteschlangen in Behörden soll es künftig nicht mehr geben. Ein Neues Amt will Verwaltung modernisieren und in die digitale Welt führen. In der sollen Daten statt Bürger laufen.

Monika Rubbel prognostiziert eine Revolution und das Ende langer Warteschlangen in Ämtern und Behörden. „Was uns jetzt unmöglich erscheint, wird Wirklichkeit werden“, sagt sie. In Wiesbaden baut sie gerade ein Amt für Ordnung und Digitalisierung auf, das Anfang des Jahres seine Arbeit aufnehmen soll – als Impulsgeber in einem Prozess, der die öffentliche Verwaltung grundlegend verändern wird – vielleicht nicht gleich morgen, aber im Laufe der nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit herrscht in Ämtern und Behörden im Land seit einiger Zeit geschäftiges Treiben. Grund dafür ist ein Gesetz, das sperrig klingt, aber den Bürger:innen die Kommunikation mit Behörden deutlich erleichtern soll. Das Onlinezugangsgesetz, kurz OZG, verpflichtet Bund und Länder, bis spätestens Ende 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anzubieten. Das bedeutet, 575 Dienstleistungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene müssen digitalisiert werden. Dazu müssen Portale und Datenbanken vernetzt werden. „Ziel ist, dass die Daten laufen, nicht mehr die Bürgerinnen und Bürger.“

Monika Rubbel sagt, sie sei ein optimistischer Mensch und zuversichtlich, dass die Stadt Wiesbaden bis dahin alle wichtigen Dienstleistungen digital zugänglich gemacht haben wird. Bei rund 20 sei das heute schon der Fall. „Wir fangen nicht bei null an.“ Auch das Land unterstütze die Kommunen. Aber Wiesbaden müsse auch sichtbar digital werden. Die städtische Homepage zum Beispiel sei noch so konzipiert, dass sie Informationen biete, aber keine Interaktionen. Digitale Sichtbarkeit benötige ein anderes Marketing und ein anderes Selbstverständnis. „Das müssen wir lernen.“

Die Erwartungen der Bürger:innen haben sich mit den technischen Neuerungen verändert. Wer es gewohnt ist, schnell mit wenigen Klicks einzukaufen oder Geld zu überweisen, möchte nicht für einen ähnlichen behördlichen Vorgang viel Zeit und Geduld aufwenden müssen. Andere Länder zeigen, dass sich Verwaltungsgrundsätze wie Sorgfalt und Rechtmäßigkeit auch in einer modernen Welt wahren lassen.

Hinter dem Schlagwort Digitalisierung der Verwaltung verbirgt sich aber weit mehr als der Zugang zu Dienstleistungen online. Es geht um juristische und finanzielle Fragen, um Kooperationen, Wissensaustausch, um technische und personelle Ausstattung, um Datenschutz und Datensicherheit, darum, wie sich Verwaltung vor Ort präsentiert. Wo werden Dienstleistungen künftig angeboten? Werden noch genauso so viele und große Immobilien wie heute benötigt?

Monika Rubbel geht davon aus, dass Verwaltungen kleiner, mobiler und agiler werden. „Digitalisierung ist Verwaltungsmodernisierung“, sagt sie. Deswegen soll sich das neue Amt auch um Organisation und Digitalisierung gleichermaßen kümmern. Eine Stellenausschreibung, mit der ein Amtsleiter oder eine Amtsleiterin gesucht wird, sei bundesweit auf Resonanz gestoßen.

Die Mitarbeiter:innen, laut Ausschreibung etwa 65, sollen eine zukunftsfähige digitale Gesamtstrategie entwickeln, alte Denkmuster aufbrechen und moderne Methoden finden. Das Amt diene als Vorreiter für eine moderne Verwaltung, heißt es in der Ausschreibung weiter. Rubbels Philosophie lautet: erst anfangen, dann Fragen stellen. Das sei auch die große Herausforderung für das neue Amt 15. Nach Rezept zu modernisieren, sei in einem solch komplexen, ständig technischen Neuerungen unterworfenen Bereich schlicht nicht möglich.

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