Bildung

GEW befürchtet in Wiesbaden Restschulen

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Kritik gibt es  an den Plänen der Stadt, zwei neue Gymnasien zu bauen.

Das soziale Ansehen der Gesamtschulen sinkt, folglich wächst der Druck auf die Eltern, ihre Kinder nicht mehr dorthin zu schicken“, sagt Johanna Browman vom Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Wiesbaden Rheingau. Deshalb entsetze es sie und ihre Gewerkschaftskollegen, dass die Landeshauptstadt nun in einem „intransparenten Prozess“ zwei neue Gymnasien plane und der Entwicklung damit Vorschub leiste. Familiendramen wegen schulisch überforderter Kinder seien programmiert, denn etliche Kinder benötigten mehr Zeit, als in Gymnasien zur Verfügung stehe, um erfolgreich zu lernen.

Den Gesamtschulen fehle es indes an politischer Unterstützung, um Kindern einen adäquaten Lernort zu schaffen, so die Grundschullehrerin. Der Magistrat hatte in der vergangenen Woche bekannt gegeben, auf dem städtischen Grundstück unterhalb der Horst Schmitt-Kliniken in Dotzheim ein Gymnasium zu errichten, das zum Schuljahr 2023/2024 bezogen werden soll. Der Vorlaufbetrieb soll bereits 2020/21 in Containern starten. Ein zweites Gymnasium ist in Kastel-Housing vorgesehen, das erst später gebaut werden kann, weil das Areal noch im Besitz der Streitkräfte der Vereinigten Staaten ist.

Die Gewerkschaft hält die Pläne für die Neubauten der Gymnasien weniger für fachlich geboten als eher für ein Einknicken gegenüber den Wählern. Rechtlich wäre es möglich, mehr Kinder an den bestehenden Gesamtschulen zu unterrichten, teilt die GEW mit. Sie fordert nicht nur den Ausbau der Gesamtschulen, sondern auch eine neue Oberstufe an der Wilhelm- Leuschner-Schule und mehr Engagement seitens der Politik, damit Schüler und Schülerinnen aus allen Bevölkerungsschichten und mit unterschiedlichen Leistungsniveaus Gesamtschulen besuchen und diese nicht zu Restschulen verkommen.

SPD verteidigt die Entscheidung

Die SPD-Fraktion verteidigt die Entscheidung ihres Schuldezernenten Axel Imholz (SPD). Da die Bevölkerung wachse und die Nachfrage nach Gymnasialplätzen seit Jahren steige, sei es „allerhöchste Zeit“, die „gravierende Unterversorgung an Gymnasialplätzen zu verhindern“, schreibt Hendrik Schmehl, schulpolitischer Sprecher der SPD.

Ohne die beiden neuen Gymnasien müssten perspektivisch 150 Kinder mit dem Wunsch, ein Gymnasium zu besuchen, leer ausgehen. Das Argument, die Kinder stattdessen auf Gesamtschulen zu schicken, halte der Realität nicht stand. Die Gesamtschulen hätten ihre Kapazitätsgrenze erreicht. „Es wären dort keine Plätze vorhanden“, sagt Schmehl. Deshalb sei im Schulentwicklungsplan der Neubau einer weiteren Gesamtschule vorgesehen, die 2024/25 den Betrieb aufnehmen soll. Ihr Standort stehe noch nicht fest.

Der Vorwurf, die SPD stempele die anderen Schulen als Restschulen ab, sei nicht gerechtfertigt. Schließlich werde die Heinrich-von-Kleist-Schule in eine Gesamtschule umgewandelt, und die Carl von Ossietzky-Schule erhalte einen Neubau für die Oberstufe für die Abgänger der Gesamt- und Realschulen. Zudem teile die SPD-Fraktion die Einschätzung der Wilhelm-Leuschner-Schule, dass diese saniert werden und einen Teilneubau erhalten müsse. Das Geld für den Bau der Mensa als Grundlage für den Ausbau des Ganztagsangebots sei schon beschlossen.

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