Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Schon als der Bau des Ostfelds 2020 beschlossen wurde, gab es Protest. Foto: Michael Schick.
+
Schon als der Bau des Ostfelds 2020 beschlossen wurde, gab es Protest.

Wiesbaden

Wiesbaden: Bau des Ostfelds erzeugt Tausende Tonnen CO2.

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
    schließen

Beirat streitet darüber, was ein klimaneutrales Quartier ausmacht.

Kann das geplante Quartier Ostfeld gebaut werden, wenn die Stadt ihre kommunalen Klimaschutzziele erreichen will? Oder wird nicht allein durch den Bau, die Bagger und Lastwagen, Beton und Stahl und vieles mehr so viel klimaschädliches Gas freigesetzt, dass die Landeshauptstadt es nicht schaffen wird, 55 Prozent weniger Treibhausgase bis 2030 zu emittieren, wie sie es sich vorgenommen hat? Wie so oft gestaltet sich Klimaschutz kompliziert, wenn zu den Absichten die Frage der Umsetzung ansteht.

Um diese Frage, wie klimaneutral die Bebauung der heutigen Äcker sein kann, haben sich die Männer im Klimaschutzbeirat am Donnerstag gestritten. Der Klimaschutzbeirat ist ein beratendes Gremium, das nur Empfehlungen abgeben kann. Das von den Vorsitzenden Martin Lommel und Dirk Vielmeyer zur Abstimmung vorgelegte Positionspapier, ein Extrakt vorangegangener Diskussionen, wurde nicht beschlossen. Die Gräben sind tief.

Helmut Dörfer, Vertreter der Architektenkammer, sagt, das Quartier zu errichten werde nach seiner Berechnung unabhängig von der Bauweise 500 000 Tonnen Kohlendioxid freisetzen. So zu tun, als sei es möglich, ohne CO2-Ausstoß zu bauen, suggeriere eine Klimaneutralität, die es nicht gebe. Deshalb sehe er in dem Papier handwerkliche Mängel.

Das Quartier

In dem neuen Stadtteil Ostfeld sollen künftig 8000 bis 12 000 Menschen leben. Geplant sind günstige Mieten.

Das Ostfeld liegt im Westen Wiesbadens zwischen den Autobahnen 66 und 671 und der B455. Das Stadtentwicklungsgebiet umfasst 450 Hektar. Davon sollen 69 Hektar für das Wohngebiet und 85 Hektar für die Gewerbegebiete bebaut werden.

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz hat gegen das Projekt beim Verwaltungsgericht Wiesbaden Klage eingereicht, weil seiner Ansicht nach Umweltprüfungen und eine Bürgerbeteiligung fehlen. Angekündigt sind zudem Klagen der Landbesitzer.

Der stellvertretende Vorsitzende Vielmeyer nahm die Gegenposition ein: Damit Wiesbaden seine Klimaschutzziele schaffe, müsse sich das Tempo verzehnfachen, sagte er. Er nehme die Stadtentwicklungsgesellschaft, die sich zu einem klimaneutralen Stadtteil bekenne, beim Wort. Aber der Klimabeirat müsse über die städtischen Beschlüsse hinaus mehr einfordern und außer dem Betrieb des Stadtteils auch den Bauvorgang in die Klimaneutralität einbeziehen.

Das geplante Wohn- und Gewerbegebiet Ostfeld ist als innovatives Quartier angekündigt worden. Es gehe um klimafreundliches und energiebewusstes Bauen, fortschrittliche Mobilitätsangebote und neue Formen des Zusammenlebens, heißt es in der Broschüre, die die Stadt und die städtische Stadtentwicklungsgesellschaft 2020 herausgebracht haben. Was das genau bedeutet, steht im Detail nicht fest. Demnächst wird der städtebauliche Wettbewerb vorbereitet, ein Verkehrsgutachten und eine Klimastudie stehen an. Ob der Klimaschutzbeirat wertvolle Empfehlungen beitragen wird, ist fraglich. Zunächst hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die den Text erneut überarbeiten soll.

Das Grundproblem sind die auseinanderdriftenden Positionen. Siegfried Schloz von der Handwerkskammer Wiesbaden etwa möchte keine Forderungen, sondern nur Absichten bekunden.

Für Ralf Cohrs vom Versorgungsunternehmen Eswe sind anspruchsvolle Forderungen und die städtischen Beschlüsse kein Widerspruch. Er bezeichnet die in der Entwicklungssatzung festgelegten Ziele als hochwertig, sie stellten die Anforderungen anderer Vorbildprojekte in Deutschland in den Schatten. Demnach müsse das Quartier so gestaltet sein, dass ein Bewohner oder eine Bewohnerin höchstens drei Tonnen CO2 im Jahr emittiere; zurzeit liegen Menschen in Deutschland bei elf Tonnen. Es würden auch Vorgaben zur klimafreundlichen Bauweise gemacht. Wie und ob das realisiert werden kann, wird sich weisen. Schon jetzt musste die Stadt die Kostenprognosen unter anderem wegen angehobener Ökobaustandards für öffentliche Gebäude korrigieren und muss voraussichtlich 41 Millionen Euro mehr ausgeben als geplant. Gut möglich, dass einiges dazukommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare