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Wiesbaden: Austausch mit Moskauer Schule liegt auf Eis

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Von: Madeleine Reckmann

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Niko Lamprecht leitet die Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden.
Niko Lamprecht leitet die Carl-von-Ossietzky-Schule in Wiesbaden. © Michael Schick

Die Invasion Russlands in die Ukraine könnte die über 35 Jahre währende Freundschaft beenden. Vorerst spricht der Schulleiter von einem Moratorium.

Die Schulpartnerschaft der Carl-von-Ossietzky-Schule (CvO) in Wiesbaden mit einer Schule in Moskau soll vorerst auf Eis gelegt werden. „Ich kann mir akut nicht vorstellen, dass eine deutsche Schülergruppe nach Moskau fährt und umgekehrt auch nicht“, sagt Schulleiter Niko Lamprecht auf Anfrage. Seit zwei Jahren seien die Schülerreisen wegen des Coronavirus ausgefallen. Auch für 2022 sei kein Besuch geplant. Jetzt möchte Lamprecht das Moratorium nutzen, um die Lage zu sondieren. 2023 könnten die Schulen wieder Gespräche führen, sagt er. Wie die ausgehen? „Was in ein, zwei, drei Jahren ist, weiß ich nicht“, so der Schulleiter.

Es war noch im Kalten Krieg, im Jahr 1986, nachdem in der Sowjetunion die Glasnost-Politik begonnen hatte, als Hessen die Idee zu dem Schüleraustausch bundesdeutscher und sowjetischer Schulen aufgriff. Die Initiative dazu hatte der frühere Bundesminister Egon Bahr (SPD) ergriffen und Gespräche mit Vertretern der Kommunistischen Partei der Sowjetunion geführt. Die Entwicklung kann man auf der Homepage der CvO nachlesen.

Eine erste Gruppe von Lehrer:innen und Schüler:innen reiste 1986 nach Moskau. Im Rhythmus von ein oder zwei Jahren gab es weitere Treffen im jeweils anderen Land. „Es entstand ein Band der Freundschaft“, berichtet Lamprecht. Die Partnerschaft des Oberstufengymnasiums in Wiesbaden, in der auch Russisch gelehrt wird, mit der Schule mit Sprachen-Schwerpunkt in Moskau überdauerte den Zusammenbruch der Sowjetunion, den Krieg zwischen Russland und Georgien, die Annektion der Krim und die Aggressionen im Osten der Ukraine. Jetzt steht sie auf der Kippe. Eine Schülerreise werde jetzt gewiss propagandistisch genutzt, befürchtet Lamprecht, „das passt nicht in die Zeit“.

Trotz der Invasion Russlands in die Ukraine ist er überzeugt, dass der Austausch richtig war und die freundschaftlichen Kontakte dazu beitragen können, den Frieden zu bewahren. „Ob das in der Zukunft noch richtig ist“, sagt Lamprecht, „muss sich noch erweisen.“

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