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Wiesbaden: Archehof züchtet Nutztiere für die Zukunft

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Von: Madeleine Reckmann

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Katja Gaarz-Kellner mit ihren Walachenschafen im Archehof am Medenbach.
Katja Gaarz-Kellner mit ihren Walachenschafen im Archehof am Medenbach. © Michael Schick

Zwei Familien züchten im Archehof in Medenbach alte Schaf- und Ziegenrassen. Die Eigenschaften der vom Aussterben bedrohten Tiere sollen so erhalten bleiben.

Das Kirschenlaub scheint ein Leckerbissen zu sein. Die Skudden- und Walachenschafe reißen ihrer Pflegerin Katja Gaarz-Kellner (53) die Blätter gierig aus der Hand. Sie fressen gerne Laub und junge Triebe, weshalb sie sich besonders gut für die Landschaftspflege eignen. Die beiden Schafrassen sind widerstandsfähig und zäh. Und sie sind vom Aussterben bedroht. Bei den Familien Gaarz-Kellner und Biebert haben sie eine Heimat gefunden, wo sie artgerecht gehalten werden und sich vermehren dürfen - aber nur streng nach Zuchtbuch.

In der ehemaligen Gärtnerei der Familie Biebert in der Saarstraße und auf Flächen in Breckenheim und Klarenthal halten die beiden Familien 30 Walachenschafe, 40 Skuddenschafe, sieben Thüringer Waldziegen und sechs Leinegänse. Alle gehören zu gefährdeten Nutztierrassen. Dafür haben die Familien einen landwirtschaftlichen Betrieb gegründet, der im Juli als Arche-Hof am Medenbach zertifiziert wurde. Christa Biebert hat im Winter einige Lämmer in ihrem Wohnzimmer mit der Flasche aufgezogen. „Sie hat uns gerettet“, erzählt Gaarz-Kellner. Eines der Muttertiere hatte ein krankes Euter, das andere konnte mit seiner Milch nur ein Lamm ernähren. Alle zwei Stunden habe sie zum Füttern aufstehen müssen, erzählt Biebert. Im Gatter mit dem Kirschbaum laufen ihre Zöglinge vertraut auf die Frau zu. „Sie erkennen mich noch“, sagt die 80-Jährige freudig.

Das ARche-Projekt

Zur Arche-Region Taunus gehören das Freilichtmuseum Hessenpark, der Bechtheimer Talhof in Hünstetten, der Taunushof Volz in Idstein-Wörsdorf, der Hof Auenwiese in Weilrod-Winden, der Hof Arilbach in Bad Camberg-Erbach, das Haus von Mandy Sengeboden in Bad Schwalbach und der Hof am Medenbach in Wiesbaden.

Arche-Höfe nutzen alte Rassen landwirtschaftlich. Die Arche-Schule ist ein Pilot der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen in Niedersachsen und Hessen.

Kontakt : Arche-Hof am Medenbach:

archehof-medenbach@t-online.de

und 0176/50502421. mre

Arche-Höfe halten mindestens drei Rassen von der Roten Liste und sichern nachhaltige Zuchtarbeit. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) möchte mit dem Arche-Projekt zu deren Erhalt beitragen. „Die alten Nutztierrassen haben Eigenschaften, die nicht verloren gehen sollen“, erläutert Gaarz-Kellner. Die Skudden, die aus dem früheren Ostpreußen stammen, seien sehr genügsam und könnten auch karge Standorte beweiden; die Walachenschafe, ursprünglich in Rumänien beheimatet seien äußerst robust und als Milchrasse gezüchtet worden. Die Böcke und einige weibliche Schafe sind an den nach außen gedrehten Hörner erkennbar. Die Thüringer Waldziegen können sogar verbuschtes Gelände wieder frei beißen. Sie lieben es, Schwarzdorn kurz und klein zu knabbern. Die alten Rassen seien zudem gegen einige Krankheiten immun. Es könne ja sein, dass man ihre Eigenschaften wieder brauche, sagt Garz-Kellner. Beide Schafrassen sowie die Ziegen leben das ganze Jahr im Freien und fressen Gras und Heu. „Wir kaufen kein Futter hinzu, das nicht regional ist“, sagt sie.

Die Tiere halten Streuobstwiesen im Wiesbadener Osten kurz. Im Auftrag des Wiesbadener Umweltamts sorgen sie auch dafür, dass Naturschutzflächen im Stadtteil Klarenthal nicht verbuschen und sogar ausmagern. Darauf könnten dann bald wieder Orchideen wachsen. Auf den sensiblen Flächen sollten leichte Tiere weiden, um den Boden nicht zu schädigen. Skudden sind die kleinste mitteleuropäische Schafrasse.

Katja Gaarz-Kellner ist von Beruf Sozialpädagogin und war bei der Caritas in der Betreuung psychisch kranker Menschen beschäftigt. Der Arche-Hof ist als „Soziale Landwirtschaft“ konzipiert. Die Vision der Familien ist es, Menschen mit Behinderung auf dem Hof zu beschäftigen oder zu betreuen. Mit dem Verein Autismus Rhein-Main gebe es bereits Gespräche.

Zudem hat sich Gaarz-Kellner von der GEH ausbilden lassen, um aus ihrem Hof eine Arche-Schule zu machen. Mit modernen Methoden kann sie Schüler:innen der fünften und sechsten und der neunten und zehnten Klassen in die Nutztierzucht einführen und ihnen erklären, warum alte Rassen wichtig sind. Die Wiesbadener Diltheyschule war schon da.

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