Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wiesbaden

Appell für mehr Betten in Kinderklinik

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
    schließen

Pädiater und Pädiaterinnen sehen den Versorgungsauftrag der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden als nicht erfüllt an. Mit einem Appell gehen sie nun an die Öffentlichkeit.

Wir sind empört und in großer Sorge.“ „Der Versorungsauftrag der Kinderklinik wird nicht erfüllt.“ Dieser Aufruf in einer viertelseitigen Anzeige in der örtlichen Tageszeitung vom Samstag rüttelt auf. 31 Kinderärzte und Kinderärztinnen aus Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis fordern die Helios-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) auf, in der dortigen Kinderklinik mehr Betten bereitzustellen. Denn ihre Zahl sei von 2015 bis 2019 von 106 auf weniger als 50, die der behandelten Kinder von 5000 auf 3000 gesunken.

Der Appell schlägt Wellen. Der Marburger Bund, Interessenvertretung der Ärzte, zeigt sich schockiert ob der Zustände und spricht von einem Armutszeugnis für die Landeshauptstadt. Die freien Wähler möchten das Thema in der heutigen Stadtverordnetenversammlung diskutieren. Die Stadt sieht das hessische Sozialministerium in der Pflicht.

„Wir müssen die Kinder manchmal unter dramatischen Umständen in anderen Krankenhäusern unterbringen, auch Neu- und Frühgeborene werden verlegt“, berichtet die Kinder- und Jugendärztin Soraya Seyyedie, Obfrau im Berufsverband der Kinderärzte, der FR aus ihrem Berufsalltag.

Die frühere Frühgeborenenstation werde heute nicht mehr betrieben. Auf der Intensivstation könnten nur etwa die Hälfte der Patienten aufgenommen werden. Oft würden die Kinder ambulant notfallversorgt, um sie dann weiterzuschicken aus Mangel an stationären Betten. „Wir befürchteten, dass die Kinderklinik ganz dicht gemacht wird“, sagt Seyyedie. Die Gespräche mit Klinikvertretern hätten zu keiner Verbesserung geführt, sagt sie enttäuscht.

Ursache liegt zum Teil in der Pandemie

Die HSK begründen die gesunkene Bettenzahl zum Teil mit der Pandemie. „Aktuell mussten wir die über längere Zeit stabile Zahl von 60 bis 70 Betten aufgrund der erforderlichen besonderen Hygienemaßnahmen auf 54 Betten nochmals einschränken“, schreibt Unternehmenssprecherin Simone Koch. Ziel für das zweite Halbjahr 2021 sei es, die Bettenzahl wieder zu erhöhen, „kein einfaches Unterfangen“ bei dem Mangel an Fachkräften in der Kinderkrankenpflege.

Der Konzern strebe aber an, die Bettenzahl nicht auf das frühere Niveau anzuheben. Stattdessen sollten die Versorgungsmöglichkeiten im ambulanten und tagesklinischen Bereich gestärkt werden. Die Versorgungsqualität bemesse sich nicht an der Zahl der Betten, sondern an der Vielfältigkeit der Behandlungsoptionen, sagt Helios.

Zu den in der Anzeige genannten Gründen äußern sich die HSK nicht. „Aufgrund einschneidender wirtschaftlicher Optimierungsprozesse sei Pflege und ärztliche Betreuung ... nicht mehr leistbar“, heißt es dort. „Mit Kindern ist eine Gewinnmaximierung nicht möglich“, erläutert Seyyedie. Die von den Krankenkassen gezahlten Pauschalen pro Leistung deckten die Kosten kaum, da die Behandlung von Kindern mehr Personal erfordere als die von Erwachsenen. Was bei diesen fix gehe, könne bei den Kleinen schon mal eine halbe Stunde dauern, etwa eine Blutentnahme. Zudem sei der Beratungsbedarf höher, die Zahl der kranken Kinder schlechter planbar. Deshalb müsse in die Kinderklinik mehr Geld investiert werden.

Seit der Übernahme von Helios 2015 sei das ehemals sehr gute Haus „ausgeblutet“ worden, sagt die Kinderärztin, viele Ärzt:innen und Pflegekräfte würden es verlassen. Nur „angemessene Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung“ könnten die Situation bessern, heißt es in der Anzeige. Seyyedie sieht ausdrücklich auch die Stadt in der Verantwortung. Gesundheitsdezernent Oliver Franz (CDU) winkt aber ab. Der bei der Teilprivatisierung 2011 getroffene Vertrag lasse keinen Einfluss auf die operative Klinikgeschäftsführung zu, lässt er mitteilen. Der dringende Handlungsbedarf sei aber deutlich gemacht worden. Nun müsse sich das Hessische Sozialministerium mit der Situation auseinander setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare