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Wiesbaden: Algenblüte und Niedrigwasser im Schiersteiner Hafen

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Von: Andrea Rost

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Kein schöner Anblick in diesem Sommer: Der Schiersteiner Hafen mit Algenteppich und Niedrigwasser.
Kein schöner Anblick in diesem Sommer: Der Schiersteiner Hafen mit Algenteppich und Niedrigwasser. © Michael Schick

Die SPD im Ortsbeirat fordert eine neue Studie, um die Wasserqualität im Schiersteiner Hafenbecken zu verbessern. Eventuell könne ein Strömungskanal vom Rhein helfen. Diese Lösung wurde aber schon vor Jahren verworfen.

Ein grüner Algenteppich im Hafenbecken, Steine, die aus dem niedrigen Wasser ragen, das Ufer ungewohnt breit: Der Schiersteiner Hafen bietet aktuell kein schönes Bild. Grund seien die seit Wochen fehlenden Niederschläge und die konstant hohen Temperaturen, sagt Klaus Lamprecht vom Wiesbadener Umweltamt. „Wir haben es hier mit einem stillen und stehenden Gewässer zu tun. Es gibt keinen Zufluss, auch nicht vom Rhein.“ Der Nährstoffgehalt im Wasser sei hoch, der Sauerstoffgehalt niedrig. „Da verbreiten sich die Algen schnell.“

Neu ist diese Situation in den Sommermonaten nicht. In den städtischen Gremien wird seit Jahren darüber diskutiert, Studien wurden in Auftrag gegeben, eine Lösung bislang aber nicht gefunden. In Anbetracht der Dürre und der andauernden Hitzeperiode ist das Thema jetzt erneut auf der Tagesordnung.

Der Magistrat möge eine neue Studie zur Wasserqualität im Schiersteiner Hafen in Auftrag geben, fordert die SPD im Ortsbeirat. In Anbetracht der aktuellen Klimaveränderungen gelte es, zu überprüfen, welche spürbare Verbesserung eine Reaktivierung des einstmals unterbrochenen Kanals zwischen Rhein und Osthafen bringen würde. Womöglich könnte im Zusammenhang mit der Renaturierung der Bismarksaue eine Verbindung zum Hafen geschaffen werden oder sich der Sauerstoffgehalt des Wassers auf andere Weise verbessern lassen.

Unterstützt wird der SPD-Antrag von der Bürgerinitiative Zukunft Schierstein. Sie ist auch dafür, dass die Mitverantwortung des Bundes eingefordert wird. Nach Angaben von Klaus Lamprecht ist der Bund, vertreten durch das Wasser- und Schifffahrtsamt in Bingen, zu 80 Prozent Eigentümer des Schiersteiner Hafenbeckens; nur der Westhafen stehe in Verwaltung des städtischen Sportamts. Er stellt aber auch klar: Grundsätzlich seien Algen in Abhängigkeit von Jahreszeit, Niederschlag, Temperaturhaushalt und Wasseraustausch im Schiersteiner Hafenbecken immer wieder anzutreffen und wohl auch hinzunehmen.

Da das Hafenbecken als Industriehafen und Sportboothafen genutzt werde, gelte ein striktes Badeverbot. Maßnahmen zu einer Reduzierung der Algen seien mit Blick auf Nutzung und Größe der Wasserfläche sowie die Zu- und Ablaufsituation aktuell weder technisch noch finanziell darstellbar. Eine rheinseitige Öffnung des Hafenbeckens sei intensiv untersucht worden. „Ein relevanter Wasserzulauf aus der fließenden Welle des Rheins und eine Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit im Hafenbecken und damit verbunden eine mögliche Verbesserung der Wasserqualität ist auf diese Weise offenbar nicht erreichbar“, sagte Lamprecht der FR.

Zusätzlich würde der Rhein die rechtsseitig in Fließrichtung verlaufende sogenannte „Mainwasserfahne“ in den Hafen einleiten, was eine schlechtere Wasserqualität zur Folge hätte. Ein relevanter Wasserzufluss und Austausch könnte nur mit einer westlich im Hafen neu zu errichtenden Ablaufrinne erreicht werden. „Die dortigen Grundstücke liegen aber in Zone 2 der Trinkwassergewinnungsanlage Schierstein und damit im Wasserschutzgebiet“, sagt Klaus Lamprecht.

Auch Walter Richters, der sich für die Grünen im Schiersteiner Ortsbeirat engagiert, mahnt zur Vorsicht. Prinzipiell sei es sinnvoll, über neue Lösungen für den Schiersteiner Hafen nachzudenken, findet er. „Erkenntnisse aus vergangenen Jahren sollten dabei aber nicht ignoriert werden.“

Richters weist unter anderem auf die Strömung hin, die ein Wasserzulauf aus dem Rhein im Hafenbecken zur Folge hätte. Schadstoffe, die derzeit am Grund des Hafens ruhten, könnten damit aufgewirbelt werden, gibt es zu bedenken. Deshalb sollte aus Sicht der Grünen zunächst das Hafenbecken ausgebaggert werden, um die Schwermetallablagerungen zu entfernen. Dies sei bisher an der fehlenden Beteiligung des Bundes gescheiter.

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