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Wettkampf unterm Zirkuszelt

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Elisabeth Schmidt hat die Eleganz im Tuch raus - Sie kann aber auch erschrecken.
Elisabeth Schmidt hat die Eleganz im Tuch raus - Sie kann aber auch erschrecken. © Martin Weis

Beim European Youth Circus auf dem Dernschen Gelände wetteifert auch in diesem Jahr der artistische Nachwuchs des Kontinents um die Gunst der Jury. Und wird auch von anderen interessierten Augen genauestens beobachtet.

Von Gesa Fritz

Beim European Youth Circus auf dem Dernschen Gelände wetteifert auch in diesem Jahr der artistische Nachwuchs des Kontinents um die Gunst der Jury. Und wird auch von anderen interessierten Augen genauestens beobachtet.

Laut gellen Schreckensrufe durch das Zirkuszelt. „Warum macht die Frau denn sowas? Das ist doch voll gefährlich“, ruft ein kleines Mädchen. Natürlich erst nachdem doch noch alles gut gegangen ist und die 19 Jahre alte Artistin nicht aus der Zeltkuppel auf den Manegenboden gestürzt, sondern mit einer elegant Drehung sanft gelandet ist.

Das European Youth Circus hat an diesem Donnerstagvormittag auf dem Dernschen Gelände die Manege für seine erste Vorstellung freigegeben. Die Veranstaltung steht im Rufe, Europas bedeutendste Plattform für den internationalen Artisten-Nachwuchs zu sein.

Und so wetteifern noch bis Sonntag die Großen unter den jungen Artisten um die Gunst der Zuschauer und der Jury. Sie hoffen darauf, am Ende das rote Zelt vielleicht mit der Goldmedaille zu verlassen. Um gleich alle aufkeimenden Hoffnungen von Zirkus-Fans zu zerschlagen: Karten für die Vorstellungen gibt es schon lange nicht mehr.

So hat das, was an diesem Morgen hier geboten wird, mit Kinderprogramm rein gar nichts zu tun. Svaytoslav Rasshivkin etwa, mit seinen elf Jahren der Jüngste unter den 27 Nachwuchsartisten: Hoch über dem Boden und nur mit einer Hand an dem Seil wirbelt der Moskauer mit unheimlicher Leichtigkeit und gewagten Drehungen um die eigene Achse. Ein Erwachsener im Körper eines Kindes, möchte man da fast glauben.

Johnny Klinke begeistert

„Er ist überraschend glaubwürdig. Ein Typ, der direkt ins Herz des Publikums geht“, sagt Johnny Klinke, Direktor des Tigerpalastes in Frankfurt und Vorsitzender der European-Youth-Circus-Jury. Für die Bewertung, erklärt er, seien die Ausstrahlung und die Kreativität ebenso wichtig, wie die akrobatische Leistung. Und der Elfjährige ist in seinen Augen ein heißer Favorit.

Mit clownesken Humor erobert ein Duo aus Schweden die Gunst der Zuschauer. Scheinbar von der Situation hilflos überfordert, völlig verwirrt und unfähig, miteinander zu harmonieren, schaffen die beiden Frauen es immer wieder, aus dem vermeintlichen Chaos dynamische Choreographien und komplizierte Hebefiguren entstehen zu lassen. Keine Konkurrenz für den jungen Moskauer, die beiden Artistinnen sind schon 23 Jahre alt und werden damit in einer anderen Altersklasse gewertet.

Talentscouts unterwegs

Klinke ist in diesen Tagen nicht der einzige, der die Akrobaten mit kritischem Auge beobachtet. Unter die Grundschüler, die an diesem Morgen das immer wieder frenetisch applaudierende Publikum dominieren, haben sich zahlreiche Talentscouts renommierter Zirkusse und Varietés gemischt. Immer wieder öffnen sich kleine Büchlein, in die mit flinken Fingern eifrig Notizen gekritzelt werden.

„Das Niveau hier ist unheimlich hoch“, sagt Klinke. Und für die Teilnehmer ist es ein Sprungbrett: Die Sieger des Festivals vor zwei Jahren gehen mit Zirkus Roncalli auf Tournee. Sicher ist dem Gewinner des Artistik-Wettkampfes ein mehrmonatiges Engagement im Tigerpalast. Das ist Teil des ersten Preises.

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