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Wenn Stille zur Kunst wird

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Im Museum Wiesbaden gibt es Kunst und  Natur.
Im Museum Wiesbaden gibt es Kunst und Natur. © Monika Müller

Erstmals rückt eine Kirche Exponate ins Licht der Kurzen Nacht der Galerien und Museen

Von Eva Marie Stegmann

Der graue Teppichboden schluckt die Schritte der Besucher. An den Wänden hängen die Aufzeichnungen einer Schamanin. „Außergewöhnlich“, sagt Franka K. und geht einen Schritt näher an die Faltprospekte, beugt den Kopf leicht schräg. Franka K., die sich die Exponate der Künstlerin Cambra Skadé im Wiesbadener Frauenmuseum ansieht, sagt von sich selbst, dass sie „eigentlich keine Kunstkennerin“ sei. Doch heute, auf der Kurzen Nacht der Galerien und Museen, begibt sich die 35-jährige Bankangestellte in die Welt der Kenner, der Künstler. Am Wochenende luden Wiesbadener Galerien und Museen sowie zahlreiche andere Institutionen in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt ein. Zum 12. Mal können Interessierte 29 Ausstellungsorte besuchen, alles kostenlos.

„Schamaninnen, Hausfrauen und andere merkwürdige Wesen“ lautet der Titel der ersten Ausstellung, der Franka K. sich widmet. Kunst von einer Frau, die auf zauberhafte Weise ganz Alltägliches zu Kunst stilisiert. Dabei kommen dann zum Beispiel gemusterte Wäscheklammern oder ein „Küchenaltar“ heraus. Im Frauenmuseum ausgestellt hat auch Theresia Hebenstreit. Unter dem Titel „Vom Angesicht“ hat sie die Köpfe mittelalterlicher Madonnenskulpturen fotografiert und ihnen so „ein Gesicht zurückgegeben“. Das kulturelle Treiben in der Stadt gefällt ihr: „Es hat etwas Familiäres, man begegnet Bekannten, trennt sich wieder und trifft sich zufällig in der nächsten Galerie.“ All das bei einem Glas Wein. Die Weinverkostung ist eine Premiere auf der Kurzen Nacht der Museen. An den meisten der 29 Ausstellungsstätten bieten ausgewählte Rheingauer Weingüter ihre „edlen Tropfen“ gegen eine Spende an. Der Erlös geht an die Wiesbadener Kunstarche, eine Stiftung, die Werke von Wiesbadener Künstlern sammelt. Im Kunsthaus auf dem Schulberg gastiert das Weingut Hans Lang: „Ich glaube, unsere Flaschen sind bald leer“, sagt Gabriele Lang. Die Atmosphäre sei sehr entspannt und locker. Doch dass die wenigsten von der Spendenaktion wissen, findet sie schade. „Ich wusste es auch nicht“, sagt Franka K.. „Hier im Kunsthaus möchte ich mir Zeit nehmen.“ Sie will sich zuerst die Valentin Weber-Exponate ansehen. Die Räumlichkeiten in dem herrschaftlichen Gebäude, das von außen blau bestrahlt wird, sind gut besucht, aber auf andere Weise als das Frauenmuseum. Man unterhält sich, wenn überhaupt, nur leise, geht alleine von Bild zu Bild. Als Besonderheit sind die Künstlerateliers im hinteren Teil des Gebäudes offen zugänglich. „Es hat etwas sehr Intimes“, sagt Franka K.. Zwischen Gerümpel und Kaffeemaschinen stehen und liegen halbfertige Skulpturen, Aquarelle.

Etwa einen Kilometer weiter, in der Luisenstraße, befindet sich Station Nummer 29 – die katholische Kirche St. Bonifatius, die dieses Jahr zum ersten Mal teilnimmt. Im Kirchengebäude werden fünf Exponate, die zur festen Einrichtung gehören, verschieden beleuchtet, das Kreuz oder der Marienaltar. „Wir wollten sie aus der Selbstverständlichkeit holen“, sagt Dietmar Horsmann, freiwilliger Helfer an diesem Abend.

Es ist ruhig, auf ganz eigene Art. Weihrauchschwaden hängen in der Luft, im Hintergrund leise Musik. Niemand spricht, viele der Besucher sitzen auf den Bänken. Geräusche muten wie Fremdkörper an, die Stille scheint mit der Kunst zu verschmelzen. Horsmann zählt die Besucher, 166 waren es bis jetzt. Er ist zufrieden. Es ist 23.30 Uhr. Die Kurze Nacht der Museen neigt sich gen Ende – für heute. Im Kunsthaus auf dem Schulberg schreitet Franka K. weiter von Gemälde zu Gemälde. Ihr Resümee: „Ich gehe jetzt öfter ins Museum – definitiv.“

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