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Wenn Mama auf Methadon ist

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Suchthilfezentrum will bei Drogenersatztherapien den Schutz der Kinder verbessern

Von Fabian Siegel

Drogenabhängige führen kein geregeltes Leben. Die kontrollierte Einnahme von Ersatzmitteln kann nach Meinung vieler Ärzte aber helfen, wieder Struktur in den Alltag zu bekommen. Für die Kinder der Süchtigen kann diese Substitutionstherapie jedoch ein Risiko darstellen, wie der Fall der kleinen Chantal aus Hamburg zeigt. Das Mädchen kam im Januar durch Drogenersatzmittel ihrer Pflegeeltern ums Leben.

Um solche Gefahren zu minimieren, will die Suchthilfe Wiesbaden in Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Jugendamt weiter intensivieren – durch transparente Kommunikation und engere Vernetzung.

Untersuchungen hätten ergeben, dass in mehr als dreiviertel der Fälle, in denen Abhängige Ersatzmittel erhielten, auch bei ihren Kindern Rückstände der Stoffe gefunden worden seien, sagt Facharzt Carsten Sievers. Er ist einer von 14 Ärztinnen und Ärzten, die in Wiesbaden Substitutionsmittel an Abhängige verabreichen dürfen. „Die Stoffe können von den Kindern über Staub oder Schweiß aufgenommen werden“, sagt er. Es gebe aber auch immer wieder Fälle, in denen die Eltern den Kindern Substanzen wie Methadon absichtlich verabreichten – um die Kinder ruhig zu stellen.

Das Suchthilfezentrum in Wiesbaden schalte deshalb bei Substituierten mit Kindern auch immer das Jugendamt ein, sagt Leiter Cetin Upcin. Parallel versuchten Sozialpsychologen den Klienten zu helfen, wieder Fuß im Leben zu fassen. Schwangere würden außerdem bis zur Entbindung intensiv begleitet – denn das Kind müsse danach entgiftet werden. „Wir wollen nicht reagieren, wenn es zu spät ist, sondern Risiken zu verringern“, sagt Upcin.

Abhilfe schaffen könnte nach Meinung von Sievers auch schon die Umstellung auf einen anderen Stoff. „Es gibt Mittel, die aus Opiaten und Antagonisten zusammengesetzt sind“, sagt er. Letztere helfen, das Opiat direkt wieder abzubauen. Ganz im Gegensatz zu Methadon sei ihm bei diesen Stoffen bislang kein Todesfall bekannt, sagt Sievers. „Für Kinder, die mit dem Stoff in Verbindung kommen, besteht also eine viel geringere Gefahr.“

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