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Er weinte, immer wenn sie ihn verließ

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Von: Silvia Bielert

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Am zweiten Verhandlungstag im Fall Jolin S. zeichnet sich von dem wegen Mordes angeklagten Muhammad S. ein gespaltenes Bild.

„Anfangs habe ich ihn als höflichen Menschen kennengelernt“, erzählt Jolins beste Freundin im Zeugenstand am Landgericht. Oft habe Muhammad S. in ihrer Wohnung auf sie gewartet, gekocht und geputzt.

„Er hat viel für sie getan, aber auf der anderen Seite war da dieser Kontrollzwang.“ Immer habe er seine Freundin gefragt: Wo bist du gerade? Was machst du? Wer schaut dich an? Geh schlafen, es ist halb zehn, soll er sie aufgefordert haben. Oft hätten sie sich gestritten – wegen Nichtigkeiten, vor allem, nachdem die 22-Jährige erfahren hatte, dass ihr Freund bereits versprochen ist, an eine afghanische Frau. Jolin S. und Muhammad S. sollen eine On-off-Beziehung geführt haben. „Die Trennung ging meist von ihr aus“, erzählt die Freundin. Er habe dann oft geweint.

Als Jolin Muhammad Mitte Dezember 2012 mitteilte, dass sie schwanger ist, soll er ausgerastet sein. Jolin trennte sich erneut. Dass sie es auch allein schaffe, habe sie erzählt. Ratschläge, zumindest über eine Abtreibung nachzudenken, weil es nicht einfach sei mit Ausbildung und ohne Kindesvater, wies Jolin zurück. Es werde einen Opa und einen Onkel haben, sagte sie. Eventuell ziehe sie in eine andere Stadt.

Angst vor Reaktion der Eltern

Muhammad hoffte und drängte weiter auf Abtreibung, unterbrochen nur von einem Tag Mitte Januar, etwa drei Wochen vor Jolins Ermordung. Da soll er gesagt haben, er werde das Kind akzeptieren, egal, wie es mit ihm und der Kindesmutter weiter geht, erzählt sein Freund im Zeugenstand. Seinen Eltern wolle er alles sagen, auch wenn er Angst habe, sie könnten ihn verstoßen und er müsse das Studium dann aufgeben.

Anfang Januar saß Muhammad tatsächlich im Wartezimmer, als Jolin einen Termin beim Gynäkologen hatte. Als sie ihn später hinzuholen wollte, war er gegangen. Später schrieb sie ihrer Freundin, Muhammad sei „psycho“. „Ich erkenne ihn nicht wieder. Er ist ein anderer Mensch.“ Viele seiner Nachrichten sah die Freundin mit eigenen Augen. Muhammads Freund erzählt, er habe ihn nie aggressiv erlebt. Und er habe nach Jolins Tod „keinen erleichterten Eindruck gemacht“, wollte gar zur Trauerfeier gehen.

Eine Bekannte der Familie des Angeklagten zeichnet ein Bild des 23-Jährigen, den sie nur flüchtig kannte. Vor drei Jahren soll er in ihre Wohnung marschiert sein. Er wollte Sex. Als sie ihn bat zu gehen, habe er sie unflätig beleidigt. Frauen, die Nein sagen, das seien die schlimmsten, soll er auch gesagt haben. Und dass er das brave Bübchen nur spiele. Ihm sei es wichtig, dass sein Vater nicht schlecht von ihm denkt.

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