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Wasseradern in der Innestadt

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Die Stadt reaktiviert alte Bachrohre für ein attraktives Westend.

Von Dominique Roth

Ein dahinplätschernder Bach inmitten einer saftigen Grünanlage: In Wiesbaden, trotz des Namens, bislang nur wenig zu finden – schon gar nicht in der Innenstadt. Das soll sich jetzt nach dem Willen der Stadt ändern. Sie will die beiden bislang unterirdisch verlaufenden Bäche Kesselbach und Wellritzbach wieder offenlegen, zumindest teilweise. Für das Projekt stehen rund 4,85 Millionen Euro zur Verfügung.

Bis Ende 2015 soll das Bachwasser an verschiedenen Abschnitten oberirdisch durch das Westend fließen. Der Wellritzbach unter anderem an der Blücherschule und am Blücherplatz sowie der Kesselbach am Bülowplätzchen, am Sedanplatz, an der Hochschule Rhein-Main und am Platz der deutschen Einheit. Dort soll er sich bereits im Herbst dieses Jahres über den neuen sogenannten Quartiersplatz schlängeln, der zwischen der Bleichstraße und der Bertramstraße naturnah gestaltet werden soll (Die FR berichtete).

Die offenen Stellen der Bäche sollen das Westend laut Arno Goßmann (SPD) zu einem attraktiven Aufenthaltsort machen. „Die Bewohner sollen sich mit den Grünflächen auseinandersetzen“, sagt der Bürgermeister und Umweltdezernent. Außerdem soll das Fließwasser zusammen mit Bäumen und Grünflächen die Temperatur in der Innenstadt senken. „Im Zentrum ist es durchschnittlich fünf Grad wärmer als in den übrigen Stadtteilen“, sagt Joachim Mengden, der Leiter des Umweltamts.

Damit die Bäche überhaupt an der Oberfläche fließen können, müssen sie zunächst wieder von der Kanalisation abgetrennt werden, denn bislang fließen Kessel- und Wellritzbach beide in das Abwassernetz. „Früher dienten die Bäche dazu, die Kanäle durchzuspülen,“ sagt Mengden „dafür sorgen jedoch heute unsere Klärfahrzeuge.“ Inzwischen führte das zusätzliche Wasser der Bäche eher zu einer unnötigen Belastung für das Klärwerk.

Bereits vor Wochen war der Beginn

Für den neuen Lauf der Bäche saniert die Stadt nun ein separates System aus alten Bachwasserrohren, das bereits in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Da die über hundert Jahre alten Rohre jedoch nicht mehr überall dicht sind, werde das sogenannte „Microtunneling-Verfahren“ zur Abdichtung angewandt. An 25 Stellen werden dafür die alten Rohe angebohrt. Über diese Bohrschächte werde ein Schlauch aus harzhaltigem Material in die alten gusseisernen Rohre eingezogen. Der Vorteil dieser Technik sei, dass nicht das gesamte Netz aufgegraben und neu verlegt werden müsse, so Bürgermeister Goßmann. Dennoch seien punktuelle Verkehrsbehinderungen während der Bauzeit unumgänglich. Über die Bohrschächte könne anschließend das Bachwasser an die Oberfläche und wieder hinab geleitet werden. Die Stellen, an denen die Bäche künftig oberirdisch verlaufen sollen, würden zudem ringsum begrünt und damit aufgewertet, heißt es von Seiten der Stadt.

Angefangen haben die Arbeiten bereits vergangene Woche in den Walkmühltalanlagen. Von dort aus taste man sich laut Goßmann langsam Richtung Innenstadt vor.

Über den aktuellen Stand der Baustellen kann man sich online informieren unter www.wiesbaden.de/umwelt.

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