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Warten auf Windkraft

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Von: Silvia Bielert

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Das Umweltdilemma: Natur trifft auf Windkraftanlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien.
Das Umweltdilemma: Natur trifft auf Windkraftanlagen zur Produktion von erneuerbaren Energien. © dpa

Die Erhaltung der Natur und der Bau von Windkraftanlagen stehen im Konflikt, auch in Wiesbaden. Die letzten Umweltgutachten sollen spätestens Anfang 2014 vorliegen - bis dahin bleibt unklar, wie viele Windräder auf dem Taunuskamm gebaut werden können.

Es wird noch lange dauern, bis klar ist, wie viele Windräder die Stadt Wiesbaden und Eswe Versorgung auf dem Taunuskamm bauen können. Aktuell stehen noch Gutachten zum Landschaftsbild und zum Artenschutz aus, die Eswe in Auftrag gegeben hatte. Dabei werde in den wahrscheinlichsten Standortgebieten rund um die Hohe Wurzel und Eichelberg/Rentmauer unter anderem auch nach Vorkommen von Fledermäusen, Großvögeln und dem Vogelflug geschaut, sagte Umweltamtsleiter Joachim Mengden auf Anfrage. Der Amtsleiter macht auch kein Geheimnis daraus, wie kompliziert die ganze Angelegenheit ist.

Ursprünglich sollten die Gutachten im Oktober fertig gestellt sein. Doch die Auswertung der Daten wird noch eine Weile dauern, wie Heike Dietrich vom Projektteam Windkraft bei Eswe Versorgung mitteilte. Sie rechnet damit, dass die fertigen Gutachten Ende dieses oder zum Beginn des nächsten Jahres vorliegen werden. Die Ergebnisse werden der Stadtverordnetenversammlung somit frühestens im Januar oder Februar 2014 vorgelegt.

Die Gutachten sind auch die Voraussetzung für ein sogenanntes Abweichungsverfahren. Das ist notwendig, um im Regionalplan Südhessen – mit einem Jahr Verspätung – Vorranggebiete für Windenergieanlagen verbindlich auszuweisen. Auch muss das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) prüfen, welche Windräder es auf dem Taunuskamm genehmigen kann. Maximal zehn Anlagen halten Eswe und die Stadt derzeit noch für wahrscheinlich.

Wegen des sogenannten UKW-Drehfunkfeuers „Taunus“ bei Hünstetten müssen Windräder, die innerhalb eines Radius‘ von 15 Kilometern gebaut werden sollen, zuvor vom Bundesamt für Flugsicherung genehmigt werden. In ihrem Auftrag erstellt die Deutsche Flugsicherung (DFS) entsprechende Gutachten. Die potenziellen Standorte auf dem Taunuskamm liegen zum Teil außerhalb und zum Teil knapp innerhalb des Radius‘. Der Standort Platte/Rassel scheidet als Standort aus, weil der Landesentwicklungsplan das Gebiet als Schutzwald ausweist, erklärte Heike Dietrich vom Projektteam Windkraft bei Eswe.

Unterdessen sorgt sich die Bürgerliste Wiesbaden (BLW) um die Effizienz von Windkraftanlagen auf dem Taunuskamm. Das Verhältnis zwischen Waldzerstörung und Bedeutung für die Gewinnung von Strom aus Erneuerbaren Energien sei selbst bei zehn Windräder viel zu gering, sagte Michael von Poser der FR. „Nach unseren Berechnungen werden zehn Windkrafträdern im Taunus noch nicht einmal ein Prozent des gesamten Wiesbadener Energieverbrauchs abdecken“, sagte er. Zugrunde gelegen hätten der BLW die Stromverbrauchsdaten der Eswe Netzagentur aus den Jahren 2009 bis 2011. 1376 Gigawattstunden verbrauchten die Wiesbadener demnach jährlich.

Erneuerbare Energien bis 2020 um 20 Prozent erhöhen

Mit einem Stadtverordnetenbeschluss von Mai 2007 hat sich Wiesbaden verpflichtet, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Erneuerbaren Energien auf 20 Prozent zu erhöhen. Doch nur ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs der Stadt sei Strom, sagt die BLW. Die Fraktion bemängelt, dass Eswe Versorgung und die Grünen Gesamtenergieverbrauch und Strom in ihren eigenen Berechnungen gleichsetzen.

Michael von Poser möchte am liebsten ein Bürgerbegehren initiieren, sollten die Große Koalition und die Grünen den Bau von Windkrafträdern auf dem Taunuskamm im nächsten Jahr im Parlament beschließen. „Wenn wir genügend Stimmen zusammenbekommen, könnte die Bevölkerung den Parlamentsbeschluss aufheben“, so von Poser. Zuletzt sei das 1994 gelungen, als ein Hochhaus am Dern’schen Gelände gebaut werden sollte.

Ein Bürgerbeteiligungskonzept will Umweltdezernent Arno Goßmann der Öffentlichkeit in der nächsten Woche vorstellen.

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