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Und es ward Licht

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Stadt will mit Windkraft Energie gewinnen

Von Gesa Fritz

So richtig langweilig wird es in der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung selten. In der Regel bemühen sich die Volksvertreter, den langen Parlamentsabend bei aller Ernsthaftigkeit gegenüber der Sache immer wieder durch das eine oder andere Scherzlein aufzulockern.

So auch, als am Donnerstag Karin Lerschmacher, eine Vertreterin der Republikaner, an das Rednerpult trat. Zur Diskussion stand der Ausbau der Windkraft in Wiesbaden. Lerschmacher hatte sich eben erst in Schwung geredet mit einem Exkurs über den in ihren Augen völlig vernachlässigten Aspekt des Energiesparens im Allgemeinen und der nächtlichen Beleuchtung von Industrieanlagen im Besonderen, als plötzlich die Beleuchtung im Rathaussaal stark heruntergedimmt wurde.

Bevor Lerschmacher den Zusammenhang zwischen ihrem Vortrag und den veränderten Lichtverhältnissen so richtig erfassen konnte, erstrahlte der Raum wieder in alter Helligkeit.

In den Beiträgen der anderen Redner des Parlaments ging es dann aber tatsächlich um Windkraft. Und grundsätzlich herrschte an dem Abend große Einigkeit zum Thema. Abgesehen von der Bürgerliste und den Republikanern machten sich alle dafür stark, dass die Windenergie in Wiesbaden ausgebaut werden soll. Wobei Ausbau in diesem Fall erst mal Aufbau bedeutet. Denn noch gibt es in Wiesbaden keine Windkraftanlage.

Das will Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Großmann (SPD) „knallhart“ und „so schnell wie möglich“ ändern. „Es bedarf einer ungeheueren Eile, weil jetzt die Claims abgesteckt werden“, sagte Großmann. Das heißt, wenn die Landeshauptstadt jetzt nicht zügig handelt, errichten andere Kommunen ihre Räder und verbessern damit nicht nur ihre Energiebilanz, sondern machen auch noch das Geschäft.

Das definierte Ziel der Stadt lautet, bis zum Jahr 2020 wenigstens 20 Prozent des Strombedarfs aus regenerativer Energie ins Netz einspeisen zu können. Dazu ist nach Einschätzung der CDU-SPD-Koalition die Windkraft unverzichtbar.

Als möglichen Standort prüft die Stadt derzeit eine Fläche auf dem Taunuskamm. „Dort gibt es genug Wind, um eine Anlage rentabel betreiben zu können“, sagte Großmann. Mit dem Bürgermeister von Taunusstein würden bereits Gespräche geführt. Ebenso mit Hessen-Forst. Teile der in Frage kommenden Fläche fallen in deren Hoheitsbereiche.

Der Dachskopf wurde kürzlich bereits als möglicher Standort verworfen. Das Vorhaben dort scheiterte vor allem am Einspruch der Bundeswehr und der US-Streitkräfte. Gleichzeitig gab es auch Protest besorgter Breckenheimer.

Um den Bürgern mögliche Ängste vor Schattenschlag oder einer Verspargelung der Landschaft zu nehmen, hat das Wiesbadener Parlament dem Magistrat deshalb auch den Auftrag erteilt, den gewünschten Bau von Windkraftanlagen mit einer breiten Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten.

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