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Walkmühle in Wiesbaden: Politischer Kampf hat zu Erfolg geführt.

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Von: Madeleine Reckmann

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Das Atelier von Christiane Erdmann.
Das Atelier von Christiane Erdmann. © Michael Schick

Künstlerverein feiert das Ende der Sanierung mit dem Tanz in den Mai.

Sieben Jahre lang hatten Handwerker mit ihren Maschinen das Regiment in der Walkmühle in Wiesbaden. Jetzt ist der Industriebau aus dem Jahr 1737 fertig saniert. Mit einem großen Wiedereröffnungsfest feiert der gemeinnützige Künstlerverein Walkmühle am kommenden Wochenende das Ende der Bauarbeiten.

Die elf Künstlerinnen und Künstler, die in dem großen Bau ihre Ateliers haben, und alle anderen überwiegend in der Kreativbranche beheimateten Mieter:innen öffnen ihre Türen für Besucher und Besucherinnen. So können die neuen Räumlichkeiten der frisch sanierten Walkmühle bewundert werden: das neue Treppenhaus im Turm, die Schieferschindeln auf dem Dach, der zu Ateliers umgebaute Pferdestall, die Terrasse auf dem früheren Getreidelager, der große Veranstaltungsraum im ehemaligen Kühlschiff und das Foyer im Brauhaus.

Das programm

Das Fest ist am Samstag, 30. April, von 12 Uhr an (open end) und am Sonntag, 1. Mai, von 11 bis 19 Uhr. Die Walkmühle liegt im Bornhofenweg 9.

Angekündigt ist ein buntes Programm mit Lichtinstallationen, Stelzenläufern, einer abendlichen Feuerperformance, einer poetischen Inszenierung mit Riesenseifenblasen und einem umfangreichen Livemusikprogramm von einer Marching Band über Irish Folk bis zu Singer-/Songwriter Blues.

Von Samstag auf Sonntag wird zur Musik von DJ Jan Keilhau und Ulf Glasenhardt in den Mai getanzt. mre

„Es wurde mit viel Fingerspitzengefühl für Materialien saniert, was den Details wie den Fenstern und Fußböden anzusehen ist“, sagt Wulf Winckelmann, Vorsitzender des Künstlervereins. Der Charakter der industriellen Vergangenheit sei erhalten geblieben, gleichzeitig das Gebäude aber technisch und energetisch so ertüchtigt worden, dass der Verein wie erwünscht anspruchsvolle Veranstaltungen planen könne. Sogar eine Fußbodenheizung sei eingebaut worden.

Die Walkmühle war ursprünglich als Waisenhaus mit angeschlossenen Werkstätten gebaut worden. Später waren dort eine Brauerei und eine chemische Reinigung untergebracht. Heute gehört das Gebäude der städtischen Gewerbeimmobiliengesellschaft WIM. Die Hälfte der Flächen wird kulturell genutzt – als Veranstaltungssäle und Ateliers. „Wir sind ein kreatives Dorf“, so Winckelmann, außer dem Künstlerverein hat auch die Artist-Kooperative New Jazz Wiesbaden ihren Sitz dort.

Dass die Walkmühle ein Ort für die Kunst wurde, ist das Verdienst des Künstlervereins, der sich seit 2003 dafür einsetzte, dass die damalige „Problemimmobilie“ nicht an Investor:innen verkauft wurde, sondern Kunst und Kultur vorbehalten blieb. „Das war ein politischer Kampf, und auf das Ergebnis sind wir mächtig stolz“, sagt Winckelmann. 2014 fasste die Stadtverordnetenversammlung die letzten Beschlüsse dazu. Die Stadt bietet den Künstler:innen die Flächen zu subventionierten Mietpreisen an.

Wie die Sanierungsarbeiten vonstatten gingen, ist in der Ausstellung „Die Walkmühle Wiesbaden – von der Industriebrache zum Kulturort“ dokumentiert. Die baulichen Veränderungen von der heruntergekommenen Brache bis zum schillernden architektonischen Kleinod hat der Künstlerverein fotografisch festgehalten. Höhepunkt sind die 187 Schwarz-Weiß-Porträts von den Menschen, die in all den Jahren auf der Baustelle arbeiteten. Die Künstlerin Christiane Erdmann hat die Handwerker und Handwerkerinnen aufgenommen. In den neuen Räumlichkeiten möchte der Künstlerverein seine Aktivitäten ausbauen und künftig an sechs statt vier Tagen öffnen.

Als Mühle gebaut, später Brauerei und Reinigung, heute ein Haus für kreative Köpfe.
Als Mühle gebaut, später Brauerei und Reinigung, heute ein Haus für kreative Köpfe. © Michael Schick

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