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Von außen wirkt das Walhalla fast unscheinbar. Innen soll es nach der Sanierung wieder seine Pracht entfalten.

Wiesbaden

Walhalla muss für 39 Millionen saniert werden

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Oberbürgermeister Gerich schlägt vor, die Arbeiten zu subventionieren, damit die Miete niedrig ausfällt.

Die Stahlträger im Keller des Walhalla-Theaters sind verrostet, weil sie im Grundwasser stehen. Die Böden sind kaputt, die Rabitzdecke, eine bestimmte Putztechnik, ist sanierungsbedürftig und das Dach sollte auch repariert werden.

„Das 1897 erbaute Theater muss für 39 Millionen Euro saniert werden“, sagte Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) gestern. Würde ein Zugang von der Kirchgasse aus geschaffen, kämen nochmals zwei Millionen dazu. Dies habe eine Untersuchung ergeben, die insgesamt 800.000 Euro gekostet habe. Zahlreiche Gutachten seien erstellt worden und die Landesdenkmalbehörde eingebunden worden.

Allein die Rabitzdecke wieder herzustellen, komme auf 2,5 Millionen Euro, so Gerich. Die Landesdenkmalbehörde habe „sehr konkrete Vorstellungen“. Insbesondere der große Saal, das Spiegelfoyer und die kleineren umliegenden Räume sollten wieder hergestellt werden. Ziel sei es, das Walhalla so zu sanieren, dass das Theater wieder in seinem ursprünglichen Zustand sei.

Wollte die Stadt die Sanierungskosten auf die Miete umlegen, würde dies einen Preis von 32,20 Euro pro Quadratmeter ergeben. Aber dies, davon gehen Gerich und Andreas Guntrum, Geschäftsführer der mit der Projektleitung beauftragten Städtischen Entwicklungsgesellschaft SEG, aus, könne kein Kulturbetrieb zahlen. Soll das Walhalla jedoch wie von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen weiterhin Kulturstätte bleiben, sei ein städtischer Zuschuss unumgänglich. Gerich schlägt daher vor, der WVV Holding, die Eigentümerin des Walhalla ist, 21 Millionen Euro Investitionskostenzuschuss zukommen zu lassen. Somit müsste die WVV vom künftigen Mieter nur noch zehn bis zwölf Euro verlangen, ein, so vermuten die Verantwortlichen, für einen Kulturanbieter akzeptabler Preis. Guntrum erwartet zudem, dass das Projekt Walhalla von verschiedenen Bundes-, Länder- und EU-Programmen gefördert werden könne, so dass sich der städtische Zuschuss unterm Strich verringere.

Die Stadtverordneten sollen demnächst entscheiden, wie es mit dem Walhalla-Theater weitergeht. Dann könne Geld im Haushalt 2020/21 bereitgestellt werden. „Ich würde mir wünschen, dass die Stadt den Mut und die Kraft hat, aus dem Schmuckstück etwas zu machen“, sagte Gerich. Eine andere Nutzung sei ohnehin kaum zu finden. Ob das hessische Staatstheater während der Sanierungsphase im Walhalla unterschlüpfen könne, sei offen. Die Landesministerien berieten noch die Details der bevorstehenden Arbeiten. Wer das Walhalla künftig bespielen kann, das soll europaweit ausgeschrieben werden.

Das Walhalla

Das 1897 im neobarocken Stil erbaute Theater war als Ort der leichteren Künste. Es öffnete als Variététheater. 

1946 konstituierte sich der hessische Landtag im Walhalla. In den 1970er Jahren war es Kino, später war die legendäre Diskothek Big Apple dort untergebracht. 

Von 2001 bis zur Schließung 2017 bespielte der Verein Walhalla-Theater Teile des Hauses.

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