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Obdachlos zu werden, kann schnell passieren. Oft sind es Schicksalsschläge, die Menschen aus der Bahn werfen. Foto: Michael Schick
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Obdachlos zu werden, kann schnell passieren. Oft sind es Schicksalsschläge, die Menschen aus der Bahn werfen.

Wiesbaden

Während der Reha die Wohnung in Wiesbaden verloren

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Im Übergangswohnheim der Diakonie finden Menschen den Weg in die eigenen vier Wände. Infos und Flashmob zum Gedenktag für Obdachlose.

Nachdem Dieter Leifheit nach seinem Leben auf der Straße ins Übergangswohnheim der Diakonie in Erbenheim zog, habe er zwei Wochen durchgeschlafen, berichtet Einrichtungsleiter Michael Kiel. So anstrengend sei das Leben ohne festen Wohnsitz. Immer auf der Hut, immer aufzupassen, wo es etwas zu essen und einen Schlafplatz für die nächste Nacht gebe.

Leifheit (Name geändert) hatte nach einer Krebserkrankung seine Wohnung verloren. Während seines Rehaaufenthaltes hatte ihn die Post des Vermieters nicht erreicht. Nach zwei Jahren als Wohnungsloser konnte er sich im Übergangswohnheim sortieren. Inzwischen hat der 59-Jährige eine Wohnung und einen Ein-Euro-Job in der Wiesbadener Jugendwerkstatt. „Man muss die Hilfe auch annehmen, um aus dem Teufelskreis auszubrechen“, sagt er. Sein Ziel ist es, seine Privatinsolvenz erfolgreich abzuschließen und nie mehr Schulden zu machen. Sozialarbeiter Timo Müller hilft ihm, Leifheit wird im betreuten Wohnen begleitet.

2019 wechselten 75 Prozent der 23 Bewohner des Übergangswohnheims in die eigenen vier Wände. Eine besonders hohe Quote, wie Kiel sagt. In den anderen Jahren liege die Zahl darunter.

Am 11. September, dem bundesweiten Tag der Wohnungslosen, möchte die Diakonie Wiesbaden auf die Ursachen der Wohnungslosigkeit und das Leid derer, die sie ertragen müssen, aufmerksam machen. „Die Menschen werden zu Unrecht stigmatisiert“, sagt Kiel, oft seien es Schicksalsschläge, die sie aus der Bahn geworfen hätten: Krankheit, Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Alkohol oder Drogen.

Zudem seien viele den Anforderungen unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft nicht gewachsen. „Sie schaffen es nicht, das hohe Tempo durchzuhalten, manche nehmen Amphetamine, um als Möbelpacker oder Lagerist länger Leistung zu bringen“, berichtet Kiel. Prekäre Arbeitsverhältnisse mit sehr geringem Verdienst sowie fehlende schulische und berufliche Qualifikation spielten ebenfalls eine Rolle. Das größte Problem sei, dass es zu wenige Sozialwohnungen gebe. Und für die Mieten auf dem freien Markt reiche der Lohn meist nicht. Und wenn die Männer und Frauen auch sehr guten Willens sind, eigenes Geld zu verdienen und die Wohnung zu behalten, lägen 1000 Steine auf ihrem Weg. Beschäftigungen im Niedriglohnsektor brächten Menschen in Notlagen, sagt Kiel und berichtet von einem Klienten, der von seiner Zeitarbeitsfirma in wechselnde Städte geschickt wurde. In Rüsselsheim habe er auf dem Bahnhof übernachtet, weil er es nicht nach Hause schaffte.

In Wiesbaden sind laut Diakonie etwa 660 Männer und Frauen, als wohnungslos registriert. Wahrscheinlich sind es mehr. „Die Dunkelziffer ist hoch“, glaubt Müller. Viele schnorrten sich durch, lebten bei Verwandten oder Freunden, ohne sich bewusst zu sein, dass auch sie wohnungslos sind. Kiel sagt, die Zahl der Obdachlosen steige langsam aber stetig.

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