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Wer wählt wo welche Partei?

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Von: Ute Fiedler

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Das Einkommen bestimmt oft die Wahlentscheidung.
Das Einkommen bestimmt oft die Wahlentscheidung. © dapd

Amt für Statistik legt Untersuchung zu Hochburgen vor / Entscheidend ist oft die finanzielle Situation.

Wer wohlhabend ist, wählt vor allem CDU und FDP, wer mit seiner finanziellen Situation hadert, macht sein Kreuzchen eher bei SPD und Linke. Knapp vier Wochen vor der Kommunalwahl hat das Wiesbadener Amt für strategische Steuerung, Stadtforschung und Statistik eine Untersuchung der Parteihochburgen vorgestellt. Ihr Ergebnis: Die finanzielle Situation eines Wählers beeinflusst maßgeblich sein Wahlverhalten.

Verglichen haben die Statistiker die Ergebnisse von CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke der vergangenen vier Wahlen. Erhält eine Partei über einen längeren Zeitraum überdurchschnittliche Anteile in einem Wahlbezirk, gilt dieser als Parteihochburg.

Die CDU, die bei der vergangenen Kommunalwahl 32,7 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, verfügt laut Statistikamt über 13 solcher Hochburgen. Sie konzentrieren sich in den wohlhabenden Außenbezirken und Villengebieten nordöstlich der Innenstadt: Vor allem die Menschen in Sonnenberg, Nordost, Bierstadt, Naurod und Breckenheim sind CDU-Sympathisanten. Als besonders treue Anhänger hat das Amt die Wähler im Komponistenviertel und in Naurod-Süd ausgemacht. Hier heimste die CDU 2011 ihr bestes Teilergebnis in Naurod ein: 48,7 Prozent.

Die SPD (2011: 28,9 Prozent) verzeichnet zehn Parteihochburgen: in Klarenthal, Erbenheim, Schierstein und Biebrich. In Biebrich wird gleich in sechs Wahlbezirken die SPD unterstützt, allerdings sei im Laufe der vergangenen zehn Jahren nur ein Wahlbezirk, Biebrich-Mitte, als Hochburg stabil geblieben.

Bei beiden großen Parteien fällt laut Statistikamt auf, dass nur wenige Hochburgen im Laufe der Jahre stabil geblieben sind. Als Grund gibt das Amt an, dass die Anhängerschaft von CDU und SPD in zahlreichen und heterogenen Milieus vertreten ist. Die geringe Anzahl der Hochburgen bei der Linken (2011: 4,1 Prozent) führt das Amt auf die junge Geschichte der Partei zurück und auf die geringe Anzahl an Stammwählern.

Die Linke ist vor allem am westlichen Innenstadtrand und in Großsiedlungen stark. Allein der Ortsbezirk Westend/Bleichstraße sei mit fünf Wahlbezirken vertreten. Weitere Hochburgen sind in Mitte, Rheingauviertel/Hollerborn, Kostheim, Biebrich und Kostheim zu finden. Insgesamt gibt es 13 Linken-Hochburgen, die sich durch eine relativ junge Wählerschaft auszeichnen, die überwiegend nicht-sesshaft ist und einen überdurchschnittlich hohen Migrantenanteil aufweise.

Die meisten und stabilsten Hochburgen können FDP (2011: fünf Prozent) und Grüne (2011: 19,1 Prozent) vorweisen. Von 22 Bezirken sind 16 jahrelang fest in grüner Hand. Die FDP hat in 15 von 20 Bezirken treue Wähler.

Welche charakteristischen Eigenschaften bringt der typische CDU-Wähler mit? Auch darauf hat die Untersuchung Antworten parat. CDU-Hochburgen zeichnen sich durch eine eher ältere Bevölkerung aus, die seit längerem dort – vor allem in den eigenen vier Wänden – ansässig und überdurchschnittlich motorisiert ist. Es gibt wenige Migranten, nur eine geringe Arbeitslosigkeit.

Vergleichbar beschreiben lassen sich die Hochburgen der FDP: Stimmen kommen vor allem aus wohlhabenden Wiesbadener Vierteln, heißt es. Pro Kopf stehe viel Wohnfläche zur Verfügung, auf öffentlich geförderte Wohnungen sei kaum jemand angewiesen. Zudem sei der typische FDP-Wähler ebenfalls motorisiert.

Risikofaktoren wie Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von Sozialtransfers sind beim Klientel der Linken stark ausgeprägt. Wohnungseigentum sei selten, viele Wähler stehen auf der Warteliste des Wohnungsamts, der Migrantenanteil unter den vor allem jungen Wählern sei hoch. Auch bei den Grünen sind Wahlberechtigte unter 35 Jahren überdurchschnittlich stark vertreten, heißt es. Vor allem Neubürger, die nur selten in Eigenheimen wohnten, wählten die Grünen.

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