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Auf wackligem Boden

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Sollen einmal in der neuen Halle spielen: Volleyballerinnen des VC Wiesbaden.
Sollen einmal in der neuen Halle spielen: Volleyballerinnen des VC Wiesbaden. © FR / Schick

Der Architektenentwurf für die geplante Volleyball-Halle am Platz der deutschen Einheit überzeugt potenzielle Investoren nicht. Die Stadt muss nun nachbessern. Von Sabine Müller

Von Sabine Müller

Die Jugendverkehrsschule am Platz der Deutschen Einheit muss weichen. Dort soll eine wettkampftaugliche Sporthalle für den Volleyballclub Wiesbaden entstehen. Bislang allerdings konnte die Stadt keinen Investor für das Millionenprojekt finden. Die Gespräche mit den Bietern laufen seit fast einem Jahr.

Ein Problem ist der Untergrund: Der Bauplatz nahe der Faulbrunnenquelle hat sich als weniger standfest erwiesen, als ursprünglich angenommen. "Das ist da wie Wackelpudding", sagt Andreas Guntrum, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft SEG. Eine Bodenplattengründung, wie es der siegreiche Architektenentwurf des Berliner Büros Georg/Scheel/Wetzel nach Vorgabe der hessischen Landesanstalt für Umwelt und Geologie (HLUG) vorsieht, werde deshalb nicht funktionieren. Weggedrücktes Erdreich könne den Hauptsammlerkanal, der das Baufeld am Rande schneidet, ruinieren.

Lösung mit Pfählen

Um endlich "aussagekräftige Investorenangebote" zu erhalten, habe die SEG in den vergangenen Wochen den Architektenentwurf "weiterentwickelt", so Guntrum. Mit welchem Ergebnis, erfahren die Magistratsmitglieder am Dienstag in einer gemeinsamen Vorlage von Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP). Sie empfiehlt, das neue Gebäude auf Pfähle zu stellen, die auf einer tragfähigen Schicht in 17 bis 18 Meter Tiefe fußen. Die Pfahlgründung mache es laut Guntrum möglich, den ausgewählten Architektenentwurf "Eins zu Eins" umzusetzen. Die Obere Wasserbehörde wie auch die HLUG hielten die Variante für genehmigungsfähig. Allerdings gebe es ein Risiko: Die Mineralzusammensetzung des Faulbrunnen-Wassers könnte sich durch die Erdbewegungen verändern. Eine Wieder-Zulassung als Heilquelle nach deutschem Arzneimittelgesetz wäre möglich, würde aber Jahre dauern, so Guntrum.

Falls der Magistrat der Pfahllösung zustimmt und das Stadtparlament Mitte Februar nachzieht, stehe dem Hallenbau nichts mehr im Wege, glaubt Guntrum. Die Investoren würden dann bereits im März "aussagekräftige" Angebote vorlegen, ist er sicher. Sobald die Stadt den Zuschlag erteilt, werde die Jugendverkehrsschule fallen.

Die Bürgerliste Wiesbaden rügt, dass der Architektenentwurf auf falschen Annahmen bezüglich der Bodenbeschaffenheit beruhe. Guntrum findet das aber völlig normal: Erstens habe niemand damit gerechnet, 30 Meter vom neuen Polizeipräsidium entfernt solche Gegebenheiten zu finden. Zweitens "macht niemand solche Untersuchungen vorher".

Das sei Sache des Investors. Dass die Stadt es doch selbst gemacht habe, liege an den Besonderheiten des PPP-Projekts: Es sei bundesweit einmalig, dass ein Privatinvestor Entwürfe einer Stadt umsetze.

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