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Cornelia Emsermann (re.) und Pflegeleiterin Franziska Knörr nutzen für die Sterbebegleitung auch das Tablet
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Cornelia Emsermann (re.) und Pflegeleiterin Franziska Knörr nutzen für die Sterbebegleitung auch das Tablet.

Sterbebegleitung

Videoschalte in der Hospizarbeit

  • Madeleine Reckmann
    vonMadeleine Reckmann
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Corona erschwert die Arbeit mit Sterbenden, aber das Tablet verbindet die Schwerkranken mit dem Leben.

Wenn Cornelia Emsermann heute bei ihren Klienten ankommt, steht das Fenster schon offen, und der Mund-Nasen-Schutz liegt bereit. Die Menschen, die Besuch von der ambulanten Hospizhilfe in Wiesbaden-Erbenheim bekommen, akzeptieren die Hygienevorschriften – auch wenn es für sie schmerzhaft ist, Abstand zuhalten. „Wir sitzen an einem großen Tisch und unterhalten uns“, beschreibt die 67-jährige Ehrenamtliche ihre Tätigkeit unter Corona-Bedingungen, „ich möchte ja eine Beziehung aufbauen.“

Corona hat die Hospizarbeit grundlegend verändert. Kein Händedruck, kein In-den-Arm-nehmen ist erlaubt. Allerdings arbeitet Emsermann seit Corona auch digital. Das ermöglicht es ihr, mit dem oder der Schwerkranken den Kontakt zu vertiefen. „Wir verabreden uns dann vor dem Bildschirm.“

Nach wie vor werden alle Männer und Frauen, die von der ambulanten Hospizhilfe begleitet werden möchten, regelmäßig in ihrem Zuhause besucht. Oft ist das einmal pro Woche; wenn der Abschied naht, häufiger. „Nur sehr wenige unserer 80 Ehrenamtlichen lehnen die ambulante Begleitung aus Angst vor Ansteckung ab“, sagt Franziska Knörr, die Leiterin des ambulanten Hospizdienstes, der zum Hospiz Advena in Erbenheim gehört. Im Januar werden elf Menschen ambulant begleitet. Es gab auch schon Zeiten, in denen 40 Personen in der letzten Lebensphase betreut wurden. Wegen strenger Besuchsregeln in Seniorenheimen und Einrichtungen für behinderte Menschen entfallen momentan die Anfragen von dort.

Das Hospiz ist bislang nicht direkt von Covid-19 betroffen. Weder starben Bewohner oder Bewohnerinnen an oder mit der neuen Viruserkrankung noch infizierten sich Pflegerinnen und Pfleger.

 Tablets für den Kontakt

Vor einigen Monaten haben die ehrenamtlichen Sterbebegleiter:innen neben FFP-2-Masken, Desinfektionsmittel und Handschuhen auch Tablets für den Kontakt mit den Menschen erhalten. Die hessische Staatskanzlei hat dem Hospiz mehr als 30 Tablets finanziert. Die zu begleitenden Menschen oder ihre Angehörigen bekommen eines leihweise, ein anderes haben die jeweiligen Ehrenamtlichen. Die Tablets sind einfach zu bedienen, funktionieren per Knopfdruck.

„Das persönliche Treffen ist natürlich schöner“, sagt Emsermann, „aber ich benutze die Tablets als Ergänzung.“ Denn in den Pandemiezeiten leben die kranken Menschen weitgehend isoliert, die alten Freunde haben sich zurückgezogen, es kommt kaum jemand vorbei. „Die Tablets helfen, dass sie nicht vereinsamen. Wir bleiben über den Besuch hinaus in Kontakt“, sagt Emsermann. „Man kann auch übers gesprochene Wort Vertrauen aufbauen. Die meisten möchten über Alltagsthemen sprechen, ihre Hobbys und die Familie. Es geht nicht nur um den Tod.“ Aber Trauer zusammen aushalten und schweigen – da stoße die Technik an ihre Grenzen.

„Ich bin so dankbar, dass wir diese Geräte haben“, ruft Knörr froh aus. Die die Pandemie habe ihre Arbeit kompliziert gemacht, die Tablets vereinfachten sie aber auch. „Im Sterbeprozess ist menschliche Nähe durch kein Gerät zu ersetzen“, betont sie. Aber so lange die Menschen stabil sind, seien Tablets ein geeignetes Mittel, um ihnen mehr Gespräche zu ermöglichen.

„Corona macht vieles in der Hospizarbeit schwerer“, ergänzt Lydia Gretz, die Leiterin des Hospizes in der Bahnstraße. „Vieles, was vorher gelebte Praxis war, musste eingeschränkt werden: Berührung, Interaktion, zwischenmenschliche Begleitung, Besuche und Übernachtungen im Hospiz.“

Berührungen werden gemieden

In dem Haus gelten nun Besuchszeiten, ein Bewohner darf nur eine Person am Tag empfangen. Das gab es vorher nicht. Berührungen werden gemieden, können aber nicht ganz unterdrückt werden. „Maske und Schutzkittel sind Barrieren. Wir versuchen Abstand zu halten, wo immer es geht, aber bei großer Traurigkeit, weil zum Beispiel gerade der Ehemann gestorben ist, drücken wir die Angehörige trotzdem“, berichtet Gretz. Empathie und Mitgefühl ließen sich nur schwerlich anders vermitteln.

Seit dem ersten Lockdown haben die Mitarbeiter:innen gelernt, mit den Corona-Hygieneregeln umzugehen. Steht der Tod bevor, lockert das Hospiz die Besuchsbestimmungen. Auf Wunsch darf die gesamte Familie kommen und bleiben.

Auch im stationären Hospiz helfen die Tablets, mit den Angehörigen in Verbindung zu treten. „Unsere Bewohner haben ein Durchschnittsalter von 73, viele können sich nicht an Videotelefonie gewöhnen“, sagt Gretz. Aber wenn die Tochter es nicht rechtzeitig vor Ende der Besuchszeit ins Hospiz schafft oder die Enkel nicht mitkommen dürfen, seien die Bewohner vereinzelt doch dankbar für diese Alternative.

Gretz und Knörr möchten auf die Arbeit mit den Tablets auch nach dem Ende der Pandemie nicht verzichten. Zahlreiche Besprechungen liefen heute über Videoschalte, auch die Ehrenamtlichentreffen und Supervision.

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