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Verwaltungsfachfrau mit Empathie repräsentiert den hessischen Landtag

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Astrid Wallmann (CDU)  im Plenarsaal des Landtags. Foto: Renate Hoyer,
Astrid Wallmann (CDU) im Plenarsaal des Landtags. © Renate Hoyer

Die Christdemokratin Astrid Wallmann aus Wiesbaden soll am Dienstag Präsidentin werden.

Es sei nie ihr Ziel gewesen, Berufspolitikerin zu werden, erzählt Astrid Wallmann. Dass sie doch in die Politik eintritt und am Dienstag zur Präsidentin des hessischen Landtags gewählt werden soll, verdankt die 42 Jahre alte Christdemokratin streng genommen der SPD. Als Diplom-Verwaltungswirtin hatte sie 2008 in der Rechtsabteilung des hessischen Innenministeriums gerade eine neue Stelle angetreten, wo sich ihr gewiss eine attraktive Karriere eröffnet hätte.

Dann scheitert die rot-grüne Minderheitsregierung an den Stimmen einiger Sozialdemokrat:innen. Es stehen Neuwahlen an. Die starke Wiesbadener CDU braucht schnell ein neues Gesicht für die Direktwahl. Der Landtagsabgeordnete und langjährige Wiesbadener Kreisvorsitzende der CDU, Horst Klee, fragt die damalige Endzwanzigerin, ob sie bereit sei, für den Wahlkreis 30 als Direktkandidatin anzutreten. Ihr bleiben zwei Tage Bedenkzeit. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens“, gesteht Wallmann und setzt hinzu, „uußer meiner Hochzeit“.

„Heute schlägt mein Herz für die Landespolitik“, sagt sie. Die Kombination politischer Arbeit mit dem Zusammenwirken mit Menschen gefalle ihr besonders gut. Sie macht Karriere. In den drei Landtagswahlen 2009, 2013 und 2018 gewinnt sie das Direktmandat. 2014 ist sie schon stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion. Sie besetzt den Innenausschuss, Haushaltsausschuss, Hauptausschuss und einen Unterausschuss für Finanzcontrolling. Der Umgang mit Zahlen liegt ihr. Vor ihrem Studium an der Verwaltungshochschule Wiesbaden absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau.

Ihr Steckenpferd ist Medienpolitik. Seit 2021 sitzt sie im Verwaltungsrat des Hessischen Rundfunks. Änderungen in den Staatsverträgen zu begleiten, das mag sie. Sie werde alles dafür tun, dass es in Deutschland weiter eine freie Presse gebe, betont sie. Von 2006 bis 2021 ist sie im Wiesbadener Stadtparlament vertreten. Eigenwillige Positionen lautstark zu vertreten, ist nicht ihr Stil. Ein Poltern am Mikrofon - bei ihr nicht vorstellbar.

Die schlanke Frau mit dem brünetten Haar gilt als besonders empathisch, freundlich und den Menschen zugewandt. Sie wirkt im Hintergrund. Als die CDU Wiesbaden durch den Streit zweier Alphatiere in der Partei 2019 auseinanderzubrechen droht, gelingt es Wallmann und anderen führenden Persönlichkeiten der hessischen CDU, in einem eleganten Coup de Force für Ruhe zu sorgen. Sie organisieren geräuschlos die Ablösung der beiden Herren an der Fraktions- und Parteispitze. Seitdem herrscht Frieden.

Wallmann war bis 2021 ehrenamtliche Schirmherrin des hessischen Landesverbands der „Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft“ (DMSG). Zu den Selbsthilfegruppen hält sie nach eigenen Angaben ein enges Verhältnis, um bei Problemen helfen zu können. Sie engagiert sich in der Kinderhilfestiftung und im Wiesbadener Verein Barrierefreiheit, der sich für lernschwache oder gehandicapte Jugendliche einsetzt, sie ist Mitglied im Tierschutzverein und im „Weißen Ring“.

Astrid Wallmann wächst in einer christdemokratischen Politikerfamilie auf. Sie wird 1979 in Landau in der Pfalz geboren, zieht 1983 mit ihren Eltern, einem Bruder und einer Zwillingsschwester nach Wiesbaden um, wo ihr Vater Wilhelm Wallmann von 1983 bis 1989 Bürgermeister ist. Ihr Onkel Walter Wallmann ist von 1977 bis 1986 Oberbürgermeister von Frankfurt und von 1987 bis 1991 Ministerpräsident von Hessen. Der Präsident des Hessischen Rechnungshofs Walter Wallmann ist ihr Cousin. Ihr Engagement steht also in der Familientradition. Als junge Frau wird sie 2006 Vorsitzende der Jungen Union Wiesbaden und 2012 deren Bundesvorsitzende. Ihr Name verpflichtet. Die DMSG Hessen hatte sie um Mitarbeit gebeten, da ihre Tante Margarete Wallmann dort früher Schirmherrin gewesen war.

Ihren Mann Pierre Schlosser lernt sie 2016 auf dem Hessenfest in Berlin kennen. Da ist sie schon eine Mittdreißigerin. Sie macht keinen Hehl daraus, dass die Beziehung glücklich ist. Das Paar heiratet 2017, die erste Tochter kommt 2018 und die zweite 2019 zur Welt.

Sie freut sich, sich jetzt als Landtagspräsidentin neuen Aufgaben widmen zu dürfen. „Das Zusammenführende liegt mir, ich bin gern versöhnend unterwegs“, sagt sie. Sie wird 137 Abgeordneten vorsitzen, die Plenarsitzungen vorbereiten und dafür sorgen, dass diese ordnungsgemäß ablaufen. „Überparteilichkeit soll der Maßstab meines Handelns sein“, sagt sie. Dass ihr das gelingt, daran gibt es wenig Zweifel.

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