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Heruntergekommen und traurig: die City-Passage am Eingang der Schwalbacher Straße.

Wiesbaden

Vertrag für City-Passage steht

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Stadt behält sich Rückkaufsrecht vor, sollten Fristen für den Bau nicht eingehalten werden.

Gitter vor den Eingängen und dunkle und heruntergekommene Flure. Die seit Jahren geschlossene City-Passage bietet seit langem ein Bild besonderer Tristesse. Dies könnte sich bald ändern. Der Magistrat hat sich gestern für den Verkauf der Immobilie an den Entwickler Development Partner entschieden, der an der Schwalbacher Straße ein anspruchsvolles städtebauliches Quartier erstellen soll.

Stimmt die Stadtverordnetenversammlung am 23. Mai dem Eckpunktepapier zu, schließt die Eigentümerin, die Wiesbaden Holding WVV, mit dem Unternehmen den monatelang ausgehandelten Vertrag. Dann könnte es gemessen am Umfang des Projekts schnell gehen und in fünf bis sechs Jahren anstatt des schmuddeligen Passagenbaus ein hochwertiges Quartier entstehen, das, so erhoffen es sich die Verantwortlichen, mit Restaurants neues Leben in die City bringt.

Knackpunkt des Vertrags ist ein Eintrag im Grundbuch, der der Stadt bei nicht fristgerechter Abgabe des Bauantrags und nicht fristgerechtem Baubeginn sowie nicht fristgerechtem Bauende das Rückkaufsrecht zusichert. Das Risiko weiterer Verzögerungen für die notwendige Erneuerung des Viertels soll damit ausgeschlossen werden. „Wir haben dem Vorhabenträger enge Fesseln angelegt, denn wir haben ein hohes Interesse an zügiger Fertigstellung“, sagt Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). WVV-Geschäftsführer Rainer Emmel freut sich zudem über das gute wirtschaftliche Ergebnis. „Wir haben einen Preis erzielt, der etwas oberhalb dessen liegt, was wir für den Ankauf ausgegeben haben“, sagte er. Die WVV hatte 2016 das Grundstück von dem Investor Markland Wiesbaden Ltd. gekauft, nachdem der seine Pläne für eine neue Einkaufspassage aufgegeben hatte. „Aus heutiger Sicht ein Glück, denn mit einer geschlossenen Passage ist heute kein Geld mehr zu verdienen“, bemerkt Gerich, der auch darüber froh ist, dass die „Reparatur im Herzen der Stadt“ nicht von der Stadt subventioniert werde muss.

Die Stadt hatte später umliegende Grundstücke zugekauft. „Es hat sich gelohnt, dass die Stadt die Grundstücke damals erwarb und in die Planung eingestiegen ist“, sagt Andreas Guntrum, Geschäftsführer der SEG Stadtentwicklungsgesellschaft, die für die WVV die städtebaulichen Verhandlungen führt. Denn so habe sie die Hoheit über die Stadtgestaltung wiedererlangt. Die Qualität der Planungen wurden nun im Vertrag explizit festgehalten. Development Partner habe die Vorstellungen eines modernen und belebten Quartiers mit Wohnungen und Büros aufgenommen. „Inzwischen gibt es andere Lebensstile. Eating ist das neue Shopping“, führte er aus. Das Ziel ist es, die „Ödnis der Innenstadt“ zu beseitigen. Es sollen also Restaurants entstehen.

Die jetzigen Gebäude werden fasst alle abgerissen. Eine Ausnahme ist das Haus Schwalbacher Straße 43, das aus Denkmalschutzgründen stehenbleiben soll. Um die offene Gassenstruktur zu erreichen, muss allerdings das die Faulbrunnenstraße 7, die unter Ensembleschutz steht, dem Erdboden gleichgemacht werden. Die Idee begrünter Dächer hat Development Partner vom vorherige Besitzer übernommen. Ob eine Tiefgarage möglich ist, müssen Techniker noch klären. Das Ärztehaus und das Parkhaus City II, die auf der anderen Seite der Schwalbacher Straße liegen und zum Paket gehörten, bleiben in städtischer Hand.

Das Quartier Fünfgassen

Das Unternehmen Development Partner hatte sein Vorhaben bereits im Juni 2018 vorgestellt. Geplant ist, auf einer Grundfläche von 7055 Quadratmetern zwischen Schwalbacher Straße, Faulbrunnenstraße, Kirchgasse und Mauritiusstraße mehrere kleinere Gebäude anstelle eines riesigen Gebäudekomplexes zu errichten.

Öffentliche Wege im neuen Quartier sollen die umliegenden Gassen miteinander verbinden, weshalb das Quartier „Fünfgassen“ heißen soll. 

Einkaufen soll nur eine untergeordnete Rolle spielen. Stattdessen ist Raum für Wohnen und Arbeiten geplant. 45 Wohnungen sind vorgesehen, zudem Büros, ein Hotel, ein Fitnesscenter und Restaurants. (mre)

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