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Verschwörungstheorien Wiesbadener Politiker über das Bus-Debakel

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Von: Madeleine Reckmann

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Die Linie 6 nach Mainz ist besonders von dem Fahrermangel betroffen.
Die Linie 6 nach Mainz ist besonders von dem Fahrermangel betroffen. © Michael Schick

Der reduzierte Fahrplan bleibt wohl bis zum Jahresende gültig. Leiharbeiter sollen die Lage etwas entspannen und ein Haustarif das Gehalt verbessern.

Die Fahrgäste des Öffentlichen Nahverkehrs in Wiesbaden müssen sich auf einen schwierigen Herbst einstellen. Der Samstagsfahrplan wird wohl bis Jahresende auch an Werktagen gültig bleiben, der Verkehrsträger Eswe also so lange weniger Fahrten als sonst an Werktagen anbieten. Der Geschäftsführung gelingt es nicht, kurzfristig die 131 fehlenden Busfahrer:innen zu akquirieren. Zwar gibt es Gespräche mit privaten Busunternehmen über die Übernahme einiger Linien und die Bereitstellung von Leiharbeiter:innen. Auch werde versucht, abgewanderte Busfahrer:innen zurückzugewinnen. Bei sechs der 48 Kolleg:innen, die Eswe Verkehr verließen, sei dies gelungen.

Für den Schülerverkehr soll es mehr Busse geben

Und ja, es gebe auch etwas Entspannung, seitdem der Fahrplan zum Schuljahresbeginn ausgedünnt wurde; die verbliebenen Busse würden wieder pünktlicher fahren. In den Morgenstunden sollen bald mehr Busse unterwegs sein. Aber um das grundsätzliche Problem zu beheben, sei Zeit erforderlich. Dies erklärten Eswe-Geschäftsführer Martin Weis und Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) im Mobilitätsausschuss.

Mehr Geld für die Busfahrer und Busfahrerinnen

Eine halbe Million Euro stehe zusätzlich bereit, um die Bezahlung des Personals aufzubessern. Zudem arbeitet Weis nach eigenen Worten mit der Gewerkschaft Verdi an einem Haustarif, der bald die Entlohnung für die Fahrer:innen erhöhen soll. Kowol erläutert, wie es zu dem Debakel kommen konnte: Seit langem hohe Unzufriedenheit in der Belegschaft, keine Bewerbungen auf eine Ausschreibung, Tarifabschlüsse, die die kommunalen Busanbieter benachteiligen.

Die Eltern sind sauer

Den Unmut vieler Menschen über ausgefallene, verspätete und überfüllte Busse dürften diese Äußerungen nicht schmälern. Der Eswe-Busfahrer Markus Pfaff beschwert sich in der Bürgerfragestunde massiv darüber, dass das Bussystem seit zehn Jahren „absichtlich an die Wand gefahren“ werde. Der Stadtelternbeirat ist sauer, weil die Kinder zu spät zur Schule kommen, sagt Beirätin Virginia Chan de Aguirre.

Immer wieder Citybahn

Je nach Parteizugehörigkeit äußern sich die Parlamentarier unverhohlen verärgert oder beschwichtigend über das Dilemma und darüber, wer die Schuld trägt. Christian Hill (freie Wähler/Pro Auto) spricht von einer „interessierten Seite“, die die Bus-Probleme nutzen würde, um das Thema Citybahn „hochzukochen“. Veit Wilhelmy (BLW/ULW/BIG) sagt, Aufsichtsrat, Geschäftsführer und Politiker hätten die Situation herbeigeführt, um die „gewünschte Reaktion zu erzeugen“, nämlich auf die Notwendigkeit einer Bahn hinzuweisen. Silas Gottwald (SPD) und Johannes Luderschmidt (Grüne) kontern vehement. „Das sind Verschwörungstheorien und keine Verbesserungsvorschläge“, schimpft Gottwald. Die Straßenbahn war in einem Bürgerbegehren abgelehnt worden, obwohl Experten sie empfohlen und auf mangelnde Alternativen verwiesen hatten.

Tarifgehalt erhöhen statt Boni zahlen

Alexander Winkelmann (FDP) wirft Kowol Untätigkeit vor, fordert Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) herbeizuzitieren, was keine Mehrheit findet, und plädiert dafür. Geld für Boni für die Busfahrer:innen locker zu machen. Gottwald verwirft den Vorschlag, weil gerade ein von der vorangegangenen Geschäftsführung eingeführtes undurchsichtiges Zulagensystem für das schlechte Betriebsklima gesorgt habe, das zum Fahrerschwund führe. Martin Kraft (Grüne) stellt fest, dass die frühere Geschäftsführung die Stadtpolitik über den Zustand von Eswe Verkehr bewusst im Unklaren gelassen habe.

Der Ausschuss einigt sich darauf, dass die Bezahlung tarifvertraglich gelöst werde und die Leiharbeiter nicht schlechter behandelt werden dürften als das Stamm-Personal.

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