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Verlust für Stromerzeuger

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Von: Ute Fiedler

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Der Ausbau der Bürgersolaranlagen in Wiesbaden stockt. Dabei hat sich Mein Solar Wiesbaden ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Wiesbaden will mit Bürgersolaranlagen jährlich rund 655.000 Kilowattstunden Strom erzeugen und 455 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Äußerst bedauerlich finde sie das, sagt Jutta-Maria Braun, Geschäftsführerin der Mein Solar Wiesbaden (MSW). Man wolle etwas für den Umweltschutz vor Ort tun, wolle den Ausbau der regenerativen Energien vorantreiben, und dann wollen die Berliner Bundespolitiker einfach so die Solarförderung um bis zu 30 Prozent kürzen. „Die bremsen uns einfach aus.“

2010 war die Bürgersolaranlagen-Gesellschaft und parallel dazu die Kommanditgesellschaft MSW gegründet worden. Das Ziel: Wiesbadener Bürgern soll der Betrieb von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energie ermöglicht werden, selbst wenn die Voraussetzungen wie eigene Dächer fehlen. Die Solaranlagen werden von MSW betrieben. An der Gesellschaft können sich Wiesbadener mit bis zu 5000 Euro beteiligen. Sie erhalten dann eine Rendite in Höhe von 3,5 bis 4 Prozent, sagt Braun. Die jedoch sinken wird, votieren die Politiker für die Kürzung.

Acht Anlagen betreibt die MSW derzeit mit einer Leistung von 470Kilowatt Peak. Die Kollektoren sind unter anderem auf der Sortierhalle und anderen Gebäuden der städtischen Betriebe ELW und GWW angebracht, in der Carl-von-Ossietzky-Straße und in der Bodelschwinghstraße sowie auf zwei Gebäuden von Dow Corning und des evangelischen Vereins EVIM.

86 Bürger beteiligen sich derzeit an der MSW. Es sollen noch mehr werden. Insgesamt will die Stadt von ihren Bürgern etwa 700.000 Euro einwerben und damit Solaranlagen mit insgesamt 690 Kilowatt Peak in der Landeshauptstadt realisieren. Nach Angaben der Stadt sollen mit den Bürgersolaranlagen jährlich rund 655.000 Kilowattstunden Strom erzeugt und 455 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.

So war der Plan, als die Gesellschaft gegründet wurde. „Doch ich glaube nicht, dass wir das realisieren können, wenn es zur Kürzung der Förderung kommt“, sagt Braun. „Wir müssen schauen, wie sich das weiter entwickelt. Vielleicht setzen wir ein Jahr aus. Dann können wir natürlich auch keine weiteren Gesellschafter in diesem Jahr mehr aufnehmen.“

Im vergangenen Jahr hat die MSW rund 445.000 Kilowattstunden Strom produziert, die ins Versorgungsnetz der ESWE eingespeist wurden. Pro Kilowattstunde habe die MSW durchschnittlich 30 Cent erhalten. „Wird die Kürzung durchgesetzt, gibt es für neue Anlagen bis 100 Kilowatt Peak nur noch 16,5 Cent“, sagt Braun. Und dass dieser „dramatische Verlust“ durch eine Kostenreduzierung bei Solarmodulen aufgefangen werden kann, sei fraglich. „Wir wollen ja keine Module aus China importieren.“

Braun ist trotzdem zuversichtlich, dass die Anlagen in Wiesbaden weiterbestehen werden. „Der Erfolg wird dadurch nicht geschmälert. Wir warten ab und schauen, was passiert.“ Spätestens Anfang April will die Bundesregierung die Solarförderung kürzen. Der Bundesrat soll voraussichtlich Mitte Mai darüber entscheiden. Einige Bundesländer haben Widerstand angekündigt.

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