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Priester Kalinski hat viel Arbeit mit der Kirche.

Wiesbaden

Verfall unter goldenen Kuppeln

  • vonDiana Unkart
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Der russisch-orthodoxen Gemeinde in Wiesbaden fehlt Geld für die Instandhaltung der Kirche auf dem Neroberg. Das Gebäude ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Als Herzog Adolf von Nassau seine geliebte Frau Elisabeth, eine russische Großfürstin und Nichte von Zar Nikolaus I., im Kindbett verlor, fasste er den Entschluss, eine Grabkirche für sie errichten zu lassen, weil die Herzogin in einer nach orthodoxem Ritus geweihten Stätte ihre letzte Ruhe finden sollte. Diese Kirche sollte von überall zu sehen sein, vor allem von Schloss Biebrich aus, wo der Herzog residierte. Heute gehört die „Russisch-Orthodoxe Kirche der heiligen Elisabeth in Wiesbaden“ auf dem Neroberg zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Glanz der vergoldeten Kuppeln aber lenkt die Blicke der Besucher ab von den Schäden an und vor der Kirche.

„Die Treppen haben Risse“, sagt Elisabeth Kalinskaja. Die Heizung, einzelne Fenster, das Dach, die Regenrinne – ebenfalls kaputt, im vorigen Winter siedelten sich Mäuse im Kirchenraum an. Auf dem Parkplatz reiht sich Schlagloch an Schlagloch. „Die Reisebusse, die hier oben parken, machen ihn kaputt“, ergänzt Kalinskajas Mann, Priester Alexander Kalinski. Er ist vor drei Jahren von Köln nach Wiesbaden versetzt worden. Seitdem haben die beiden vieles angestoßen.

Papierkörbe nicht geleert

Aber die verworrene Gemengelage treibt das Paar um und bereitet immer wieder Probleme. Aktuell sind es drei Papierkörbe vor der Kirche, die seit Anfang Juli nicht mehr geleert werden. Seitdem ist das Entsorgungsunternehmen der Stadt, ELW, für die Sauberkeit der Parks und Spielplätze verantwortlich. Im Zuge des Wechsels vom Grünflächenamt zu ELW sei aufgefallen, dass es keine Vereinbarung mit der Kirchgemeinde gebe, sagt ELW-Sprecher Frank Fischer. Dass die Papierkörbe geleert worden seien, sei guter Wille des bisher verantwortlichen Unternehmens gewesen. Im Sinne der Gleichbehandlung könne aber für die Kirche keine Ausnahme gemacht werden.

Alexander de Faria, Bevollmächtigter von Metropolit Mark, der der deutschen Diözese der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland vorsteht, kann die Argumentation nachvollziehen und verweist auf eine aus seiner Sicht maßgebliche Ursache: „Die Kirche wurde 1855 geweiht, und seitdem gibt es keine Verträge mit der Stadt.“

Das Areal rund um die Kirche, die die Stadt auf ihrer Homepage als den schönsten und kostbarsten Sakralbau Wiesbadens bezeichnet, ist etwa 70 000 Quadratmeter groß, Eigentum der Kirche und in Teilen touristischer Hotspot.

Elisabeth Kalinskaja erzählt von einer Hochzeitsgesellschaft, die vor der malerischen Kulisse Fotos schoss und dabei Glitzerkonfettikanonen zündete. „Die Leute denken, wir hätten einen Hausmeister hier, aber den haben wir nicht“, sagt sie. Arbeiten, die rund um die Kirche zu erledigen sind, übernehmen ihr Mann, sie und Mitglieder der etwa 150 Personen zählenden Gemeinde ehrenamtlich. Touristen seien immer willkommen. „Wir freuen uns über sie, aber wir brauchen ihre Unterstützung.“

Die russisch-orthodoxe Kirche zieht keine Steuer ein, die Auslandskirche ist von Moskau unabhängig. Bau- oder Sanierungsarbeiten werden über Spenden finanziert. Alexander de Faria will nicht meckern. Auch ohne vertragliche Vereinbarungen sei die Stadt der Kirche gewogen gewesen, sagt er. Im städtischen Haushalt sei zum Beispiel erstmals Geld eingestellt worden, mit dem die Arbeiten am undichten Dach bezahlt werden sollen. Nun hofft er darauf, dass Gespräche mit dem Oberbürgermeister zu mehr Klarheit und neuen Lösungen führen.

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