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Koch Mitch Hein (rechts) leitet Charlotte Emig (2. v. r.) bei der Zubereitung eines veganen Pilzgerichts an.

Messe

Veggieworld in Wiesbaden wirbt für veganen Lebensstil

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Die Palette veganer Produkte wird immer breiter. Auf der Messe Veggieworld gibt es einen guten Einblick.

Man muss ja nicht Veganer sein, um gerne lecker zu essen“, sagt Rehat. Gerade hat er in der Mitmachküche von Reformhaus mit einer Gruppe vegane Rezepte gekocht. Jetzt holt er die halben Baguettebrötchen, die mit „Daisy’s Pilzwiesen Krusti“ bestrichen sind, aus dem Ofen und verteilt sie an die Köche. Das von ihm Zubereitete teilt er mit seinen Kollegen und den Neugierigen von der Presse.

Rund 130 Aussteller aus ganz Deutschland und acht weiteren Ländern präsentieren seit gestern vegane Produkte auf der Messe Veggieworld in Wiesbaden. Bei der ersten Veranstaltung, 2011, waren gerade einmal 21 Aussteller dabei. Der Anteil internationaler Aussteller liegt laut Geschäftsführer und Mitinhaber Hendrik Schellkes in diesem Jahr erstmals bei zehn Prozent. Inzwischen gibt es die Veggieworld laut Veranstalter Wellfairs an 18 Standorten weltweit. Ziel ist, weiter zu wachsen.

„Not bad“, sagt eine Frau, die gerade an einem Stand für veganen Käse aus Polen verschiedene Sorten probiert – „nicht übel“. Sowohl sie wie auch der Mann, der den Käse anbietet, sprechen English. „Not bad?“ - der Anbieter gibt sich entrüstet und hält inne in seinen Bewegungen. Was als Kompliment gemeint ist, gefällt ihm ganz und gar nicht. Knapp ein Dutzend handgefertigter „Käse“ bietet er an - die meisten auf Basis fermentierter Cashewnüsse.

„Wissen Sie, ich esse Käse, also ich meine richtigen Käse“, beginnt sich die Kundin zu rechtfertigen. Das tun hier an diesem Tag nicht viele. Denn anders als Vegetarier, die nur auf den Verzehr von Fleisch und Fisch verzichten, essen Veganer keinerlei tierische Produkte – also auch keine Eier, keine Milch, keinen Honig und folglich auch keinen Käse, keinen Joghurt und kein Eis vom Italiener an der Ecke. Und sie versuchen auch auf tierische Produkte in anderen Konsumgütern zu verzichten.

Was sie sagen wolle, sei vielmehr, dass sein Käse ein perfektes veganes Produkt sei. Das klingt schon besser. Der Käse-Mann geht seinem Geschäft weiter nach, beide gehen in Frieden auseinander.

Das Tierwohl, den Nachhaltigkeitsaspekt, den Klimawandel oder auch die Moral nennen Besucher als Grund dafür, warum sie einen veganen Lebensstil pflegen. „Ich habe angefangen mit regional und bio“, sagt eine 21-Jährige aus Frankfurt. „Aber da steckt nicht viel dahinter, wenn man mal genau hinguckt“, meint sie. Denn auch für Bio-Milch und Bio-Eier müssten zahllose männliche Küken und Kälber ihr Leben lassen – „weil sie nicht so viel wert sind“. Auch ihr Partner ist Veganer. „Aber weniger wegen des Tierleids“, sagt er. Es sei für ihn einfach „moralisch sinniger“. Wenn man keine Tierprodukte esse, schaffe man weniger Leid in der Welt.

Erstmals gibt es bei der Veggieworld in Wiesbaden eine Sonderfläche, die unter dem Motto „Vegan Athletes Area“ steht. Hier dreht sich alles um die Themen Muskelaufbau, Nahrungsergänzung und Fitnessriegel. Entstanden ist dieses Angebot in Zusammenarbeit mit dem Betreiber eines der größten Online-Fitness-Magazine für Veganer in Deutschland.

Auch wenn vielerorts Tofu-Varianten, vegane Döner, Pasta, Brotaufstriche und Burger angeboten werden, geht es nicht nur um Nahrung, sondern um kritischen Konsum überhaupt.

Ein paar Stände weiter hat ein Mann gerade ein Paar vegane Schuhe gekauft. Vegane Schuhe? Was ist das? Es sind Schuhe, die rundum auf tierische Stoffe getestet sind, sagt Firmenchef Philipp Schmenger.

Dass vegane Schuhe nicht aus Leder sein dürfen, ist so selbstverständlich, dass er es gar nicht erwähnt. Problematischer seien die versteckten Stoffe, vor allem der Kleber. „Wenige Kleber weltweit sind tierfrei“, sagt er. Auch in Plastik versteckten sich tierische Bestandteile. So seien in Schaum für Innensohlen beispielsweise oft tierische Eiweißstoffe enthalten.

Für alle Sportschuhe verwendet er bei seinen Schuhen daher Naturkautschuk. Nur für elegante Damenschuhe müsse er auf Kunststoffe zurückgreifen. Obermaterial seiner veganen Schuhe ist meist Biobaumwolle oder Hanf. Außerdem hat er Stiefel aus Naturkautschuk im Angebot. Entwickelt und designt werden die Schuhe von ihm und seinen Mitarbeitern in Pirmasens. Produziert werden sie überwiegend in Spanien und Portugal. „Für Naturkautschuk aber gibt es europaweit nur noch vier Hersteller“, sagt er. Seine würden daher aktuell in der Slowakei gefertigt, die Hanfturnschuhe bei einem mit dem Label der Fair-Wear-Foundation zertifizierten Produzenten in Vietnam.

Dort produziert auch Thuy Nguyen ihre Produkte. Die in den Niederlanden lebende Vietnamnesin hat eine lederlose Ledertasche entworfen. Hergestellt wird sie aus Cellulose und Naturlatex. „Angefangen haben wir mit fünf Näherinnen“, sagt die Kauffrau. Jetzt gebe es 15. Ihre Taschen würden durchs Tragen noch angenehmer - ähnlich wie bei echtem Leder, argumentiert sie. Sie seien aber nicht nur sehr haltbar, sondern auch biologisch abbaubar.

Veggieworld in Wiesbaden - Auf einen Blick

Die Messe Veggieworld im Wiesbadener RheinMain Congress Center, Friedrich-Ebert-Allee 1, bezeichnet sich selbst als „die Messe für den veganen Lebensstil“.

Rund 130 Anbieter zeigen ihre veganen Produkte - von veganem Döner über vegane Schuhe und Taschen bis zu zahlreichen Tofu-Varianten.

Geöffnet ist die Messe in der Südhalle am Samstag, 9. Februar, und Sonntag, 10. Februar, jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Tagestickets kosten 11 bis 13 Euro an der Tageskasse. Online buchbar sind sie unter tickets.wellfairs.de.

Internet:  www.veggieworld.de/event/wiesbaden cir

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