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Die Unternehmen leisten laut IHK-Chefin Sabiner Meder bereits ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.

Wiesbaden

"Unternehmer entschädigen"

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Sabine Meder, Chefin der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer, spricht über die Citybahn und mangelnde Kommunikation.

Die neue Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer, Sabine Meder, tritt ihr Amt in wirtschaftlich sicheren Zeiten an. Turbulent könnte es indes in der Wiesbadener Politik werden, denn zu der umstrittenen Citybahn soll es ein Bürgerbegehren geben. Die IHK spielt in der Debatte um das Pro und Kontra eine große Rolle, bislang war sie gegen das Projekt. 
 
Frau Meder, die Wirtschaft brummt, aber dem Klima geht es schlecht. Welchen Beitrag können die Unternehmen gegen den Klimawandel leisten?
Die Unternehmen leisten ihren Beitrag schon, es gibt gute Ansätze im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens oder bei der Mobilität, wie etwa das Jobticket, das wir als IHK auch einführen. Wenn es Kritik gibt, dann wegen der Umsetzung. Wenn es ein Dieselfahrverbot geben sollte, sollte es mit Augenmaß eingeführt werden und nicht unseren Händlern und Lieferdiensten schaden.

Einige Wissenschaftler sagen, dass es sich in den nächsten fünf Jahren entscheidet, ob der Klimawandel beherrschbar bleibt. In welchem Zeitraum können die Unternehmer sich umstellen?
Den Zeitraum kann ich nicht benennen. Die Player, die dafür zuständig sind, haben Zeiträume vor Augen. Es gibt Handlungsdruck. So viel kann ich sagen.

In Ihre Amtszeit fällt die Planung zur Citybahn, Teil der Verkehrswende, die unabdingbar ist gegen den Klimawandel. Die IHK sprach sich mit einem vorläufigen Nein gegen die Bahn aus. Können Sie das nachvollziehen?
Ja, wir als IHK haben das Thema für unsere Mitglieder gründlich mit allen vorhandenen Daten aufbereitet. Aber die Mitglieder fühlten sich seitens der Projektleitung nicht hinreichend informiert. Ihnen fehlte ein ganzheitliches Mobilitätskonzept, das alle Verkehrsträger berücksichtigt, nicht nur die Citybahn. Alternativen wurden zu wenig geprüft. Zudem sahen sie nicht alle Themen berücksichtigt. Wo wandern die Kundenströme für den Einzelhandel hin? Ist die Bahn mit dem Stadtbild verträglich? Ist die Oberleitung „the state of the art“ oder gibt es bessere Alternativen?

Warum trauen die Mitglieder nicht den vorliegenden Analysen wie der Kosten-Nutzen-Untersuchung, ein standardisiertes, bundesweit einheitliches und vorgeschriebenes Verfahren, das die Citybahn für volkswirtschaftlich sinnvoll erachtet?
Die KNU hat eine Streckenführung geprüft, die inzwischen geändert wurde. Geprüft wurde nicht, ob gekoppelte Busse die bessere Lösung wären. Randthemen wurden nicht behandelt. Die wirtschaftliche Bedrohung für die Geschäfte während der Bauzeit kommt auch nicht vor. Da wäre ein Baustellenmanagement notwendig, das den Geschäften an der Baustelle Unterstützung zusagt, bessere Beschilderung, ein schöner Bauzaun und so etwas. Die Mitglieder möchten ein standardisiertes Entschädigungsmanagement für Gewerbetreibende, ein koordiniertes Baustellenmanagement mit einem zentralen Ansprechpartner. 

Die unsachliche und mit Unwahrheiten operierende Debatte im öffentlichen Raum über die Citybahn hat die Haltung der IHK-Mitglieder beeinflusst, so mein Eindruck. Jetzt verlangt die Bürgerinitiative Mitbestimmung Citybahn ein Bürgerbegehren, um die Bahn zu verhindern. Es könnte also sein, dass es keine Bahn geben wird, auch zum Nachteil Ihrer Mitglieder. 
Wir haben Gegner und Befürworter zu unserer Informationsveranstaltung eingeladen und zu Wort kommen lassen. Und wir haben mit einem Faktenpapier fundiert informiert. Die IHK hat die Aufgabe, die Interessen der Wirtschaft nach außen zu tragen. Ansonsten sind wir unabhängig. 

Wie stehen Sie zum Bürgerbegehren?
Das ist nicht unser Thema. Wir dürfen uns nur äußern, wenn es einen konkreten Bezug zur Wirtschaft gibt. Da passt der Bürgerentscheid nicht rein. Für unsere Unternehmen ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um eine Entscheidung zu treffen. Wir haben eine Reihe von Forderungen und Vorschlägen – wenn diese im von der Stadt anvisierten Mobilitätsleitbild berücksichtigt sind, das im Juni fertig sein soll, werden wir uns neu damit beschäftigen. 

Besprechen Sie die Probleme mit der Stadt?
Die Kommunikation mit der Stadt ist sachorientiert und konstruktiv. Wir führen auch Gespräche mit den politischen Gremien im Rheingau-Taunus-Kreis, der jetzt mit der Planung beginnt, um sich im Vorfeld auszutauschen. 

Ließ die Kommunikation mit Wiesbaden im Vorfeld zu wünschen übrig?
Manches wie das Baustellenmanagement hätte früher kommuniziert werden müssen, um die Bedenken auszuräumen. Zur KNU ist die Zusammenfassung seit Mitte 2018 ja öffentlich – die komplette Untersuchung haben wir auch auf unsere Anfrage hin nicht erhalten. Ich bin aber zuversichtlich, dass Bewegung in das Thema kommt und die Vollversammlung neu abstimmen wird.

Ihre beruflichen Schwerpunkte in der IHK sind Organisation und Finanzen. Welchen Themen werden Sie sich als Hauptgeschäftsführerin widmen?
Wir werden die Organisationsstruktur optimieren und zwei frei werdende Stellen in der Geschäftsführung nicht wieder besetzen. Früher waren wir fünf Geschäftsführer, künftig sind es drei. Das soll die drei Säulen der IHK – Beratung und Kommunikation, Wirtschaftspolitik und Interessenvertretung und Bildung und hoheitliche Aufgaben besser abbilden. 

Es wird also gespart?
Es geht darum, die Effizienz zu erhöhen. Wir sind zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Aber das ist nicht alles. Flachere Hierarchien sind zeitgemäßer, die Wege werden kürzer, die Themen wie die Citybahn komplexer. Wir müssen vernetzter und in themenbezogenen Teams arbeiten. Ende Januar werde ich die genauen Inhalte mit den Mitarbeitern besprechen. Ich werde mir dann die Veränderungen in Ruhe anschauen und dann die zweite Fachebene wo nötig verstärken. 

Zur Person: Sabine Meder ist seit 1. Januar Hauptgeschäftführerin der Wiesbadener Industrie- und Handelskammer. Dort war sie seit 2015 Geschäftsführerin für Finanzen und Organisation. 

Die Diplomkauffrau, die auch einen IHK-Abschluss zur Internationalen Bilanzbuchhalterin hat, war von 2011 bis 2015 stellvertretende Leiterin Finanzen und Organisation bei der IHK Frankfurt. Die 50-Jährige lebt in Frankfurt. 

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